Statt statischer Vorlagen setzen immer mehr Technologieanbieter auf sogenannte „agentische“ Workflows, bei denen künstliche Intelligenz eigenständig Inhalte generiert, analysiert und verteilt. Gleich mehrere namhafte Unternehmen kündigten Anfang Mai 2026 entsprechende Produkte an.
Der Wandel kommt nicht von ungefähr. Eine aktuelle Adobe-Studie belegt, dass Arbeitnehmer jährlich mehr als neun Arbeitstage allein mit der Verarbeitung digitalen Feedbacks zu Dokumenten verlieren. 60 Prozent der Beschäftigten klagen zudem über widersprüchliche Rückmeldungen aus verschiedenen Quellen. Die Nachfrage nach integrierten, automatisierten Lösungen ist entsprechend hoch.
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Adobe Acrobat Studio: Vom PDF-Manager zur Content-Werkbank
Adobe präsentierte Anfang Mai eine grundlegende Erweiterung seiner Acrobat-Plattform. Acrobat Studio genannte neue Plattform soll die Lücke zwischen klassischer PDF-Verwaltung und aktiver Content-Erstellung schließen. Der integrierte Produktivitäts-Agent kann nicht nur Texte und Bilder generieren, sondern komplette Präsentationen, Podcasts und Social-Media-Beiträge direkt aus vorhandenen Dokumenten erstellen.
Herzstück der Neuerung sind sogenannte PDF Spaces – interaktive Arbeitsbereiche, die von KI gesteuert werden. Teams können dort Inhalte in dynamischerer Form teilen als in einer herkömmlichen Datei. Die Spaces enthalten Audio-Überblicke, KI-gestützte Zusammenfassungen und Analysen zur Nutzerinteraktion. So sehen Ersteller genau, wie Empfänger mit ihren geteilten Präsentationen umgehen. Das System läuft über Acrobat Express und Acrobat Studio und bietet gebrandete Layouts – ohne dass die Empfänger ein eigenes Konto benötigen.
Anthropic integriert Claude in Microsoft 365
Parallel dazu gab Anthropic am 7. Mai die allgemeine Verfügbarkeit seiner Claude Managed Agents bekannt – inklusive Integration in Microsoft 365. Nutzer der Tarife Claude Pro, Team und Enterprise erhalten spezielle KI-Add-ins für PowerPoint, Word und Excel. Claude Opus 4.7 arbeitet direkt in der nativen Microsoft-Umgebung und erlaubt das Erstellen und Analysieren von Präsentationen ohne Medienbrüche.
Anthropic führte zudem drei neue Funktionen für seine Managed Agents ein. Darunter eine „Dreaming“-Funktion, bei der Agenten vergangene Sitzungen analysieren, um sich selbst zu verbessern. Eine Multi-Agent-Orchestrierung erlaubt es zudem, dass ein Leit-Agent spezialisierte Aufgaben an Unter-Agenten delegiert.
monday.com wird zur KI-Work-Plattform
Auch monday.com vollzieht einen radikalen Wandel. Am 7. Mai gab das Unternehmen bekannt, seine gesamte Plattform um KI-Agenten herum neu aufgebaut zu haben. Die 250.000 Kunden können nun Agenten für Aufgaben von der Kampagnenverwaltung über die Lead-Qualifizierung bis zur Bearbeitung von Support-Tickets einsetzen.
Die Führungsebene spricht von der bedeutendsten Veränderung in der Unternehmensgeschichte. Das neue Modell sieht Menschen und KI-Agenten als gleichberechtigte Partner innerhalb bestehender Governance-Strukturen. Ein-Klick-Verbindungen zu Microsoft 365 Copilot, Anthropic Claude und OpenAI ChatGPT ermöglichen es den Nutzern, zwischen verschiedenen Sprachmodellen zu wählen.
Atlassian öffnet Daten-Ökosystem
Auf der Team ’26-Konferenz im Mai öffnete Atlassian seinen Teamwork Graph – der aktuell 150 Milliarden Verbindungen abbildet – für den Rovo-Agenten und Drittanbieter. Über 75 Prozent der Fortune-500-Unternehmen nutzen Rovo. Allein im vergangenen Monat führten Nutzer 14 Millionen agentengestützte Aktionen durch. Der offene Ansatz erlaubt spezialisierten Agenten den Zugriff auf tiefere Kontextinformationen bei der Erstellung von Berichten oder Projekt-Updates.
WPS Office und LibreOffice ziehen nach
Die Entwicklung erreicht auch mobile und Open-Source-Bereiche. WPS Office mit 678 Millionen monatlich aktiven Geräten veröffentlichte am 30. April ein globales Update. Statt einer langen Liste isolierter KI-Funktionen integriert der Update einen KI-Schreibassistenten direkt in die Dokumenten-Anwendung. Er übernimmt Übersetzungen, Korrekturen und stilistische Überarbeitungen, bietet KI-generierte Folien und Lebenslauf-Bauer in einer synchronisierten Cloud-Umgebung.
LibreOffice brachte am 9. Mai die Version 24.2 mit neuem Versionsschema und Verbesserungen für Calc und Writer. Für August 2026 ist Version 26.8 angekündigt, die einen neuen Paragraph Composer und verbesserte Kompatibilität mit modernen Microsoft-Grafiken wie Wasserfall- und Treemap-Diagrammen enthalten soll.
Spezialisierte Branchen-Tools
Auch Nischenanbieter setzen auf die Technologie. Clio startete am 8. Mai eine Beta seines Word-Add-ins, das auf einer riesigen juristischen Wissensdatenbank basiert und bei der Erstellung und Analyse von Rechtsdokumenten hilft.
Das Startup Pit gab eine Finanzierungsrunde über 16 Millionen Euro unter Führung von Andreessen Horowitz bekannt. Das Unternehmen entwickelt „KI-native“ Unternehmenssoftware, die herkömmliche Tabellenkalkulationen und SaaS-Tools ersetzen soll. Durch automatisierte Rechnungsverarbeitung und Marketing-Ausführung sparen Kunden durchschnittlich 10.000 Stunden pro Jahr.
Trendwende: Weg vom visuellen, hin zum codebasierten Agenten
Die aktuelle Dynamik deutet auf eine strategische Neuausrichtung hin, wie KI mit Software interagiert. Am 4. Mai stellte Google offiziell Project Mariner ein – einen experimentellen KI-Agenten, der den Chrome-Browser durch Bildschirm-Analyse wie ein menschlicher Nutzer bediente. Das Projekt scheiterte an hohen Rechenkosten, Datenschutzbedenken und einer hohen Fehlerquote.
Branchenbeobachter sehen darin einen breiteren Trend: Der Markt bewegt sich weg von „visuellen“ Agenten, die menschliches Klicken nachahmen, hin zu „codebasierten“ oder „dateibasierten“ Agenten. Werkzeuge wie die neue Perplexity-macOS-App vom 7. Mai oder die Mozilla.ai-Octonous-Beta sind Beispiele dafür. Diese „Personal Computer“-Agenten haben direkten Zugriff auf lokale Dateien, native Apps und serverseitige Daten – statt auf eine visuelle Bildschirm-Interpretation angewiesen zu sein.
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Die Auswirkungen zeigen sich bereits in technischen Bereichen. Ein Bericht von Jellyfish vom 7. Mai ergab, dass 64 Prozent der Ingenieure durch KI-Einführung eine Produktivitätssteigerung von mindestens 25 Prozent verzeichnen. Teams, die diese Werkzeuge integriert haben, erzielen bei Pull-Requests angeblich die doppelte Durchsatzrate.
Ausblick
Für den Rest des Jahres 2026 ist eine weitere Konsolidierung dieser „agentischen“ Funktionen zu erwarten. Laserfiche und DocuWare wurden kürzlich im Gartner Magic Quadrant für Dokumentenmanagement ausgezeichnet – beide setzen stark auf browsernative Oberflächen und KI-gesteuerte Dokumentenverarbeitung.
Mit der allgemeinen Verfügbarkeit von Tools wie Clios juristischer KI und der nächsten LibreOffice-Generation in der zweiten Jahreshälfte zeichnet sich eine Zukunft ab, in der „eine Präsentation erstellen“ nicht mehr bedeutet, eine Vorlage auszuwählen und Text einzutippen. Stattdessen übergibt der Nutzer eine Datenquelle an einen Agenten, der die Unternehmensmarke, die Zielgruppe und das gewünschte Ergebnis versteht – der Mensch agiert dann als Redakteur und letzte Entscheidungsinstanz.

