Der Softwarekonzern erweitert seine KI-Strategie radikal: Ab sofort steht der Firefly-gestützte „Creative Agent“ in Photoshop, Premiere Pro, Illustrator, InDesign und Frame.io als öffentliche Beta zur Verfügung. Die Ankündigung vom 18. Juni markiert einen Strategiewechsel: Statt isolierter KI-Werkzeuge setzt Adobe nun auf eine durchgängige Automatisierungsebene, die komplexe Arbeitsschritte eigenständig ausführt.
Vom Befehl zur fertigen Bearbeitung
Die neuen Assistenten verstehen natürliche Sprache und erledigen Aufgaben, die bisher mühsam von Hand erledigt werden mussten. Ein Beispiel: Der Nutzer beschreibt das gewünschte Ergebnis – und der Assistent entfernt Hintergründe, skaliert Bilder in Serie oder sortiert Ebenen neu.
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In der Videoproduktion hilft der Assistent in Premiere Pro und Frame.io beim Sortieren von Material, der Stapelumbenennung von Clips und dem Auffinden von Interviewpassagen im Rohmaterial. In Illustrator und InDesign kümmert er sich um administrative Aufgaben: fehlende Schriftarten erkennen, Druckvorbereitung prüfen. Für Photoshop-Nutzer übersetzt der Dialog-Assistent einfache Anweisungen in konkrete Bearbeitungsschritte – Masken erstellen, Objekte auswählen, Bildbereiche bereinigen.
Während die meisten Anwendungen diesen Monat in die öffentliche Beta gehen, befindet sich After Effects noch in einer privaten Testphase. Dort arbeitet Adobe an KI-gestütztem Rotoscoping und verbesserten 3D-Funktionen.
Firefly wird zur zentralen KI-Werkstatt
Nur vier Tage nach der ersten Ankündigung, am 22. Juni, präsentierte Adobe einen umfassenden Umbau von Firefly zur einheitlichen KI-Plattform. Neu sind unter anderem die Generierung kompletter Marken-Kits, Storyboards und Produktvideos aus Standbildern.
Eine neue Organisationsstruktur – derzeit im privaten Beta-Test – führt „Elements“ und „Projects“ ein. Elements erlaubt die Erstellung wiederverwendbarer Vorlagen, Projects bietet einen Arbeitsbereich mit dauerhaftem Kontext. Der Assistent lernt dort die Vorlieben der Nutzer und merkt sie sich für künftige Aufgaben.
Adobe öffnet seine KI-Assistenten zudem für Drittanbieter. Der Creative Agent ist bereits mit ChatGPT, Claude und Microsoft 365 Copilot kompatibel. Integrationen mit Google Gemini und Slack sind geplant.
Zwischen Begeisterung und Skepsis
Die umfassende Automatisierung trifft auf ein gespaltenes Publikum. Aktuelle Umfragen zeigen: 75 Prozent der Kreativen halten KI inzwischen für unverzichtbar. Gleichzeitig wollen 85 Prozent die finale kreative Entscheidung nicht aus der Hand geben. Der Spagat zwischen Effizienz und Kontrolle bleibt die zentrale Herausforderung.
An der Börse zeigt sich ein anderes Bild. Die Aktie von Adobe (ADBE) verlor seit Jahresbeginn 44,2 Prozent an Wert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 7,55 – weit unter dem Branchendurchschnitt von 19,84. Die Anleger scheinen die Milliardeninvestitionen in KI skeptisch zu bewerten.
Weitere Neuerungen im Creative Cloud-Paket
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Parallel zu den KI-Features veröffentlichte Adobe in der dritten Juniwoche eine Reihe klassischer Updates:
- Photoshop: Werkzeug zur Entfernung von Spiegelungen, Offline-Version des Remove-Tools
- Lightroom: „Assisted Culling“ für alle Nutzer, neue Foto-zu-Video-Funktion
- Premiere Pro: Globaler Audio-Stummschalter, Markersuche, verbesserte Objektmaskierung
- Illustrator: „Concept to Vector“-Tool für die schnelle Entwurfsphase
Adidas Strategie für 2026 ist klar: KI soll als kollaborativer Partner auftreten, nicht als Ersatz für menschliche Kreativität. Transparenz und Kontrolle über automatisierte Prozesse bleiben die Leitlinien – ob die Nutzer das Vertrauen in die neuen Assistenten finden, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

