Adobe-Klone: KI-Nachbauten von sieben Programmen sind nicht produktionsreif

Die quelloffenen Anwendungen decken viele Funktionen ab, sind laut Entwickler aber noch nicht für den produktiven Einsatz geeignet.

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Der Entwickler Brandon Thomas hat auf der Plattform Hacker News quelloffene, mithilfe künstlicher Intelligenz erstellte Nachbauten von sieben Adobe-Programmen vorgestellt. Dabei stellte er klar, dass das Projekt noch nicht annähernd bereit für den produktiven Einsatz sei.

Zuvor hatten Ankündigungen in fünf Subreddits noch eine Betaversion sowie eine Funktionsparität von rund 100 Prozent innerhalb eines Monats in Aussicht gestellt. Die Anwendungen umfassen Alternativen zu Photoshop, Illustrator, Premiere, Lightroom, After Effects, InDesign und Acrobat Pro.

Codebasis und Entwicklungsstand

Das Projekt wurde unter den Lizenzen MIT und Apache veröffentlicht und entstand unter Einsatz des KI-Modells Claude Opus 5.5 in den Technologien Rust und WebAssembly.

Eine Auswertung der Entwicklung zwischen dem 30. September und dem 13. Oktober ergab 2.152 Commits und 1.004 zusammengeführte Pull-Requests. Der Code umfasst 539.017 Zeilen Rust in 1.306 Dateien mit 317 verschiedenen Mitwirkenden-Identitäten, wobei Claude 277-mal als Autor von Commits geführt wurde.

Der Stand der Entwicklungs-Roadmap für das Photoshop-Pendant PhotoCraft vom 11. Oktober wies eine funktionale Abdeckung von rund 76 Prozent aus. Dies umfasste 628 von 628 Menüs, 56 von 68 Werkzeugen, 30 von 35 Bedienfeldern sowie 13 plus 4 von 31 Dateiformaten.

Die tatsächliche Arbeitsbereitschaft bezifferte Thomas zu diesem Zeitpunkt auf rund 45 Prozent, aufgeteilt in 43 Prozent für typische Anwender und 61 Prozent bei reinen Kernfunktionen.

Eine Beta-Version liege zwischen 1.100 und 1.800 Arbeitsstunden eines sequenziell arbeitenden Agenten entfernt, während die volle Parität zur Zielversion Photoshop 2026 (Version 27.11.0) schätzungsweise 2.300 bis 4.100 Agentenstunden erfordere.

Die Erreichung von 99 Prozent Parität werde Zeit in Anspruch nehmen, Thomas zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass sich dieser Zeitraum in Monaten und nicht in Jahren bemessen werde.

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Gleichzeitig verzeichnete das Projekt 579 offene Fehlermeldungen in den Versionen 0.5 und 0.6, Mitte Oktober lag die Zahl bei über 950 offenen Tickets. Zudem wurden 22 von 25 Vorgaben für die Systemleistung verfehlt. Aus PhotoCraft exportierte PSD-Dateien wurden von Photoshop nicht zuverlässig akzeptiert oder erwiesen sich als inkompatibel.

Technische Ausrichtung und Zielsetzung

PhotoCraft ist als native, GPU-beschleunigte Software für Windows, macOS, Linux und FreeBSD sowie über WebAssembly für den Browser konzipiert. Das Programm unterstützt Ebenen, Masken, Smart-Objekte, ICC-Profile sowie Farbformate mit 8, 16 und 32 Bit in RGB, CMYK, Lab und Graustufen. Laut Angaben des Projekts waren nach dem erneuten Speichern 307 von 309 Dateien eines Testsets für PSD-Tools optisch identisch.

Zudem verfügt die Software über mehr als 500 Befehle über grafische Schnittstellen, Kommandozeilen, JSON-Kanäle und einen MCP-Server, wodurch KI-Agenten die Anwendung ohne Benutzeroberfläche steuern können. Auf generative KI-Funktionen wie ein Pendant zu Adobes Firefly wird verzichtet.

Hinter dem Vorhaben steht eine weitreichende Zielsetzung: Thomas sorgte mit der Äußerung für Aufmerksamkeit, traditionelle Software gehöre der Vergangenheit an. Während ein Abonnement der Adobe Creative Suite jährlich mehr als 1.000 US-Dollar koste, sei der Nachbau kostenlos. Thomas sprach von einem Ringen um die Zukunft des Internets, das von marktbeherrschenden Plattformen zurückgewonnen werden solle.

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Unter der Bezeichnung ArtCraft erscheinen seit der zweiten Jahreshälfte 2026 quelloffene Klone auf GitHub. Neben PhotoCraft zählen dazu VectorCraft, FilmCraft, LightCraft, PdfCraft, EffectCraft und DesignCraft sowie weitere Anwendungen wie WordCraft, DeckCraft, GridCraft, SoundCraft und CADCraft. Der Quellcode wurde dabei auf Basis von Verhaltens- und Spezifikationsanalysen vollständig neu verfasst.

Reaktionen und fachliche Bewertung

Die Entwicklungen stoßen in Fachkreisen auf geteilte Meinungen. Marek Kowalkiewicz, Professor an der QUT, hob hervor, dass KI-basiertes Reverse Engineering erheblich schneller und kostengünstiger sei als der traditionelle menschliche Entwicklungsprozess.

Der Informatiker Aaron Snoswell, ebenfalls an der QUT tätig, mahnte hingegen an, dass solche Werkzeuge die Arbeit von Entwicklern entwerten und zu stärkerem Spardruck sowie schlechterer Software führen könnten.

Ivan Kuckir, der Entwickler des Editors Photopea, stellte fest, dass die getesteten Klone auf den ersten Blick professionell wirkten, in der Praxis jedoch bereits nach wenigen Minuten Fehler zeigten. Kuckir selbst setze KI nur punktuell für kleinere Programmieraufgaben und nicht für automatisierte Agentenprozesse ein.

Hinsichtlich der rechtlichen Bewertung erklärten Juristen, dass Reverse-Engineering im Fall einer wesentlichen Reproduktion unzulässig sei, ein Nachweis ohne vorliegenden Originalquellcode bei KI-Systemen jedoch schwer zu führen sei. Ein IT-Anwalt stufte die Nachbauten von Programmen der Anbieter Adobe und Microsoft als potenziell rechtmäßig ein.