Agentic AI: 52% der Banken nutzen autonome KI-Systeme bereits

Studie zeigt: Finanzinstitute im DACH-Raum stehen vor tiefgreifendem Wandel durch autonome KI-Systeme. Regulatorik und interne Strukturen bremsen die Einführung.

Einer aktuellen Analyse der Unternehmensberatung Wavestone und der Universität St. Gallen zufolge stehen Banken und Versicherer vor einem tiefgreifenden Wandel. Aufgrund der technologischen Fortschritte bei sogenannter Agentic AI – KI-Systemen, die eigenständig Aufgaben planen und ausführen können – müssten Finanzinstitute ihre gesamten Betriebsmodelle grundlegend transformieren. Die Studie verdeutlicht, dass die bloße Implementierung der Technologie nicht ausreiche, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Regulatorische und organisatorische Hürden im DACH-Raum

In einer Untersuchung, für die 30 Führungskräfte aus dem deutschsprachigen Raum befragt wurden, identifizierten Wavestone und die Universität St. Gallen maßgebliche Barrieren für den Einsatz von Agentic AI. Vor allem regulatorische Rahmenbedingungen wie der EU AI Act, die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie der Digital Operational Resilience Act (DORA) bremsen derzeit die Geschwindigkeit der Einführung in Banken und Versicherungsunternehmen. Neben diesen externen Faktoren stellten auch interne organisatorische Strukturen oft ein Hindernis dar.

Die Experten betonten, dass der Erfolg von KI-Projekten weniger von der gewählten Technologie als vielmehr von der Reife des jeweiligen Betriebsmodells abhänge. Erfolgreiche Institute zeichneten sich dadurch aus, dass sie technologische Neuerungen direkt in ihre operativen Prozesse integrierten, anstatt sie als isolierte IT-Lösungen zu betrachten. Frühzeitige Investitionen in diesen Bereichen könnten laut der Analyse signifikante Wettbewerbsvorteile schaffen.

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Hoher Verbreitungsgrad und wachsende Risiken

Daten der Universität Cambridge, die in einem Bericht des Financial Stability Board (FSB) zitiert werden, unterstreichen die Relevanz des Themas: Demnach nutzen bereits 52 Prozent der Finanzunternehmen Agentic AI. Während sich 29 Prozent der Unternehmen noch in der Pilotphase befinden, haben 23 Prozent die Technologie bereits in die Skalierung überführt.

Trotz der hohen Adoptionsrate warnt das FSB vor spezifischen Risiken, die mit dem Einsatz autonom agierender Systeme im Finanzsektor verbunden sind. Dazu zählen insbesondere unautorisierte Aktionen der KI, potenzielle Datenlecks sowie erhöhte Cyber-Risiken. Das Gremium empfahl daher die Etablierung klarer Grenzen und Schutzmaßnahmen für den Einsatz dieser Systeme. Eine entsprechende öffentliche Konsultation zu diesen Sicherheitsfragen wurde bereits im Juli abgeschlossen.

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Fairness und Design-Anforderungen als strategische Aufgabe

Auch Aufsichtsbehörden mahnen zur Vorsicht. Der Gouverneur der indischen Zentralbank RBI, Malhotra, verwies im Rahmen der Branchenveranstaltung FIBAC 2026 auf insgesamt sieben Kernrisiken, die mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz einhergehen. Er hob hervor, dass Fairness bereits als grundlegende Design-Anforderung in die Entwicklung der Systeme integriert werden müsse, um Diskriminierung oder Fehlentscheidungen vorzubeugen.

Parallel zu den strategischen Neuausrichtungen zeigt sich eine Konsolidierung am Markt für spezialisierte KI-Lösungen. Der IT-Dienstleister adesso gab bekannt, die KI-Schadenplattform omni:us zu übernehmen. Das Unternehmen zielt damit darauf ab, die automatisierte Schadenabwicklung für Versicherungen weiter zu stärken und technologische Kompetenzen im Bereich der prozessorientierten Künstlichen Intelligenz zu bündeln. Diese Entwicklung unterstreicht den Trend, dass spezialisierte Anwendungen zunehmend in breitere Dienstleistungsportfolios integriert werden, um die geforderte Transformation der Betriebsmodelle technisch zu unterstützen.