Agentic AI in der Autoindustrie: 68 Prozent nutzen oder testen die KI

68 Prozent der befragten Organisationen nutzen oder testen KI-Agenten; BMW will den Einkauf schrittweise stärker automatisieren.

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In der weltweiten Automobilindustrie gewinnt der Einsatz autonom handelnder Softwareassistenten rasant an Bedeutung. Laut einem Bericht des Capgemini Research Institute vom 13. Oktober 2026 nutzen oder erproben bereits 68 Prozent der Organisationen im Automobilsektor sogenannte Agentic AI im Bereich der Produktentwicklung.

Während 33 Prozent der befragten Unternehmen entsprechende KI-Agenten bereits aktiv einsetzen, führen weitere 35 Prozent derzeit Pilotprojekte durch. Die Erhebung basiert auf einer im Juli 2026 durchgeführten Befragung von 800 Führungskräften in zwölf Ländern, darunter 400 Fahrzeughersteller, 160 Zulieferer und 240 Technologieunternehmen.

Effizienzgewinne treffen auf Lücken bei Strategie und Steuerung

Die Erwartungen an die Technologie sind hoch: 83 Prozent der befragten Führungskräfte gehen davon aus, durch autonome Systeme wieder mehr Zeit für die eigentliche Kernentwicklung zu gewinnen. In indirekten Entwicklungsbereichen soll der Anteil der KI-Nutzung nach Einschätzung der Unternehmen von aktuell 26 Prozent innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre auf 68 Prozent steigen.

Bei Vorreitern zeigen sich laut dem Bericht bereits messbare Resultate: Diese erzielen um 17 Prozent schnellere Entwicklungszyklen, eine um 19 Prozent höhere Produktivität sowie eine um 19 Prozent kürzere Zeitspanne bis zur Marktreife. Zudem sehen sechs von zehn Führungskräften bestehende Verzögerungen primär durch Ineffizienzen in Prozessen und nicht durch technische Ursachen begründet.

Gleichzeitig offenbart die Erhebung strukturelle Defizite. Lediglich fünf Prozent der Unternehmen verfügen über eine vollständig ausgereifte Governance für künstliche Intelligenz, während 45 Prozent weder eine definierte KI-Strategie noch eine Roadmap für den Entwicklungsbereich vorweisen können.

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Auch geografisch zeigen sich Differenzen: In den USA setzen 53 Prozent der Fahrzeughersteller KI-Initiativen um und 18 Prozent verfügen über eine umfassende Strategie. In Europa liegen diese Werte bei 46 beziehungsweise 16 Prozent.

In China befinden sich vier von zehn Herstellern in der Umsetzung, während sieben Prozent als strategisch reif eingestuft werden. Zudem variiert das Vertrauen je nach Anwendungsfeld stark: Während 59 Prozent der Befragten KI in der Forschung und Konzeptphase vertrauen, sind es in der sicherheitskritischen Entwicklung lediglich 40 Prozent.

Bei der Datennutzung gaben 64 Prozent an, Fahrzeugdaten primär für künftige Generationen zu verwenden. Kooperative Entwicklungsmodelle nutzen bislang 30 Prozent der Unternehmen, während zehn Prozent auf eine gemeinsame Verantwortung über den gesamten Lebenszyklus setzen.

BMW forciert Transformation im Einkauf

Wie die Umsetzung in der Praxis aussieht, zeigt der Fahrzeughersteller BMW, der laut Berichten vom 13. Oktober 2026 plant, bis 2028 im Rahmen des Betriebskonzepts Operating Model 3.0 zu einem KI-orchestrierten Unternehmen zu werden.

Als Vorreiter innerhalb des Konzerns dient der Einkauf, der ein jährliches Beschaffungsvolumen von 80 Milliarden Euro verwaltet, 31 Werksstandorte versorgt, rund 2.600 Hauptzulieferer umfasst und täglich die Logistik für mehr als 36 Millionen Teile steuert.

Rund 70 Prozent der unternehmerischen Wertschöpfung entstehen über das Zulieferernetzwerk, während die Fixkosten der Einkäufer im mittleren dreistelligen Millionenbetrag liegen.

Der Konzern setzt im Einkauf auf vier spezialisierte KI-Agenten namens Mr. Flexibility, Ms. Resilience & Risk Management, Ms. Product Quality und Mr. MatKo.

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Der Agent Mr. Flexibility beantwortet komplexe Kapazitätsfragen – etwa zu einer zusätzlichen Fertigung von 10.000 Einheiten des Modells iX3 im Jahr 2028 – innerhalb von Minuten und schlägt Optionen wie Vorproduktion, Lieferungen aus China oder Kapazitätstausche vor, wobei die Implementierungskosten im sechsstelligen Bereich lagen. Das Einsparungsziel liegt zunächst bei mindestens einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag und langfristig im Milliardenbereich.

Der Münchner Autobauer verfolgt dabei einen Drei-Phasen-Plan: Nach der reinen KI-Assistenz in Stufe eins sollen Agenten in Stufe zwei eigenständig Prozesse übernehmen, bevor ab 2028 in Stufe drei abteilungsübergreifend agierende Agenten folgen.

Bis zum Jahresende ist die Bewertung von Schlüsselkomponenten für die Modellarchitektur der Neuen Klasse vorgesehen. Branchenberater verweisen mit Blick auf ähnliche Softwareprojekte auf Einsparpotenziale zwischen 17 und 35 Prozent je Unternehmensbereich und empfehlen in diesem Zusammenhang die konsequente Umsetzung standardisierter Prozesse.