Der Münchner KI-Robotik-Pionier Agile Robots hat die Übernahme des Automatisierungsgeschäfts von thyssenkrupp abgeschlossen. Die Transaktion schafft einen neuen europäischen Schwergewichtler für intelligente Fertigung.
Mit dem heutigen Abschluss des im November 2025 angekündigten Deals übernimmt Agile Robots das Automatisierungs-Engineering-Geschäft von thyssenkrupp. Die Einheit firmiert künftig als Krause Automation – ein Name, der auf die Gründung der Johann A. Krause Maschinenfabrik 1950 zurückgeht. Rund 650 Spezialisten und zehn internationale Standorte wechseln damit in die Agile Robots Group. Das Unternehmen verdoppelt damit praktisch seine Ingenieurskapazitäten und gewinnt starke Produktionsstandorte in den USA und Europa.
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Brückenschlag zwischen Industrie-Erbe und KI
Die Übernahme ist mehr als ein einfacher Asset-Transfer. Sie vereint die hochpräzise Welt des klassischen Anlagenbaus mit moderner Software-Intelligenz. Krause Automation bringt über 75 Jahre Erfahrung in komplexen Produktionssystemen, vor allem für die globale Automobilindustrie, mit. Diese industrielle DNA verschafft Agile Robots Zugang zu proprietären Maschinendaten und etablierten Beziehungen zu großen Automobilherstellern.
„Die Kombination aus klassischem Maschinenbau und KI-basierter Robotik ist entscheidend für die nächste Phase der industriellen Transformation“, betont die Unternehmensführung. Gründer und CEO Zhaopeng Chen sieht in der sogenannten Physical AI das Potenzial für erhebliche Produktivitätssprünge in der Industrie.
Die Strategie zielt auch auf die strukturellen Veränderungen im Automobilsektor. Während sich die thyssenkrupp-Einheit historisch auf Antriebsstrang- und Montagelinien spezialisierte, soll das Geschäft nun breiter aufgestellt werden. Durch den Einsatz KI-gesteuerter Software auf etablierten Hardware-Architekturen will Agile Robots Innovationszyklen verkürzen und flexiblere, modularere Automationssysteme anbieten.
KI-Turbo durch globale Partnerschaften
Der Deal folgt einer Reihe technologischer Meilensteine von Agile Robots in diesem Jahr. Erst Ende März kündigte das Unternehmen eine strategische Forschungspartnerschaft mit Google DeepMind an. Ziel ist die Integration von Gemini-Robotik-Modellen in die industrielle Hardware von Agile Robots. Die neu hinzugewonnenen Produktionsanlagen von Krause Automation bieten nun ein riesiges Reallabor für diese KI-Modelle.
Auf der NVIDIA GTC-Konferzeinz präsentierte das Unternehmen zudem seinen humanoiden Roboter Agile ONE, der auf einer cloud-basierten KI-Infrastruktur läuft. Als Anchor Customer für Europas erste Industrial AI Cloud – eine Milliarden-Euro-Einrichtung von Deutscher Telekom und NVIDIA – verfügt Agile Robots über die nötige Rechenpower, um die Foundation-Models für die Krause-Anlagen zu trainieren.
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Fokus über die Automobilindustrie hinaus
Ein zentrales Ziel der Übernahme ist die Diversifizierung. Agile Robots drängt aggressiv in Wachstumssegmente wie Konsumelektronik, Medizintechnik und Logistik. Das Unternehmen hat bereits über 20.000 Robotiklösungen weltweit installiert, oft im Rahmen kompletter Modernisierungen von Fertigungslinien.
Der humanoide Roboter Agile ONE, Ende 2025 vorgestellt, ist ein Eckpfeiler dieser Strategie. In Kombination mit der Anlagenbau-Expertise von Krause Automation sollen nun End-to-End-Lösungen entstehen, die bisher schwer zu automatisieren waren.
Die Expansion ist global: Im Januar 2026 unterzeichnete Agile Robots eine Absichtserklärung mit dem indischen Industriekonglomerat Bharat Forge, um Automationslösungen für den indischen Markt zu entwickeln. Die Standorte Bremen und Chemnitz aus dem thyssenkrupp-Deal bilden die technische Basis für diese internationalen Vorstöße.
Neuer Player im globalen Automationswettlauf
Die Transaktion fällt in eine Phase starken Wachstums für Agile Robots. Seit der Ausgründung aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) 2018 hat das Unternehmen seinen Umsatz jährlich verdoppelt und erreichte 2024 rund 200 Millionen Euro. Mit der thyssenkrupp-Einheit, die im selben Zeitraum einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich erzielte, entsteht ein neuer europäischer Wettbewerber im globalen Robotikmarkt.
Für thyssenkrupp ist der Verkauf Teil der strategischen Neuausrichtung. Der Konzern kann sich nun stärker auf seine Kernbereiche Fahrwerk, Komponenten und Aftermarket konzentrieren. Gleichzeitig findet die Belegschaft der Automatisierungssparte in Agile Robots einen technologieorientierten, langfristigen Partner.
Die Branche wird nun gespannt auf die ersten gemeinsamen Projekte der integrierten Einheit blicken. Der nächste große öffentliche Auftritt ist für den Robotics Summit & Expo im Mai 2026 geplant, wo Agile Robots neue Daten zur Leistung seiner KI-integrierten Fertigungslinien präsentieren will.





