AI Act: EU fordert Auskünfte von mehr als 30 KI-Anbietern

Die EU prüft Unterlagen globaler KI-Entwickler; bei Verstößen gegen den AI Act drohen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro.

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Die Europäische Kommission und das europäische Büro für Künstliche Intelligenz haben formelle Auskunftsersuchen an mehr als 30 weltweite Anbieter von Allzweck-KI-Modellen gerichtet. Zu den Adressaten der Anfragen gehören führende US-Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und Google sowie mehrere in China ansässige Technologiekonzerne.

Die Behörden verlangen von den Entwicklern detaillierte Rechenschaftsberichte zu Sicherheitskonzepten, externen Evaluationen, Prozessen der Marktbeobachtung nach Veröffentlichung sowie Zusammenfassungen der genutzten Trainingsdaten.

Pflichten und drohende Strafen nach dem AI Act

Der aufsichtsrechtliche Vorstoß stützt sich auf die Pflichten für Allzweck-KI-Modelle im Rahmen des europäischen KI-Gesetzes, die seit dem 2. August 2026 gelten. Seit diesem Monat ist die Durchsetzung der Regelungen rechtlich möglich.

Die Anfragen betreffen unter anderem Aspekte des Urheberrechts, der Cybersicherheit sowie allgemeine Sicherheitsstandards. Die angesprochenen Anbieter sind zur Beantwortung verpflichtet; unvollständige oder fehlerhafte Auskünfte können geahndet werden.

Bei Verstößen sieht der gesetzliche Rahmen Geldbußen von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor, wobei der jeweils höhere Betrag gilt. Einzelne Branchenberichte verweisen bei gravierenden Pflichtverletzungen sogar auf Strafen von bis zu sieben Prozent des globalen Jahresumsatzes.

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Derzeit ist kein KI-Modell auf dem europäischen Markt blockiert. Das KI-Büro besitzt jedoch die Befugnis, Korrekturmaßnahmen oder Markt-Beschränkungen anzuordnen. Der Fokus der Ermittlungen liegt auf den Originalanbietern im EU-Markt, während nachgelagerte Feinabstimmungen bisher als regulatorische Grauzone eingestuft werden.

Prüfung der Berichte und Sondersitzung zu Spitzenmodellen

Die EU-Behörden haben mit der Auswertung der eingereichten Unterlagen begonnen. EU-Tech-Kommissarin Henna Virkkunen prüft die Rückmeldungen der über 30 Unternehmen; sollten sich Hinweise auf Regelverstöße ergeben, drohen vertiefte Untersuchungen.

Virkkunen erklärte, dass das EU-Gesetz den gesamten Lebenszyklus der KI-Modelle abdecke und als Instrumentarium gegen Risiken unkontrollierter KI ausreiche.

Zugleich wies sie darauf hin, dass der intensive Marktwettbewerb Anbieter dazu verleiten könne, unzureichend geprüfte Modelle zu veröffentlichen. Die akuten Risiken beträfen gegenwärtig vor allem die Cybersicherheit, weshalb internationale Sicherheitsmechanismen notwendig seien.

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Begleitet wird das Verfahren von einem wissenschaftlichen Beratungsgremium aus 60 Experten. Am 9. Oktober 2026 befasste sich das Gremium in einer Sondersitzung mit der Sicherheit hochentwickelter KI und analysierte jüngste Vorfälle im Zusammenhang mit Kontrollverlusten bei Systemen.

Geopolitische Abhängigkeiten und Personalfragen

Die regulatorischen Maßnahmen bewegen sich in einem komplexen geopolitischen Umfeld. Virkkunen sprach sich für Initiativen aus, um die europäische Abhängigkeit von US-amerikanischer und asiatischer Technologie zu verringern.

Außereuropäische Unternehmen stellen derzeit über 80 Prozent der digitalen Produkte, Dienstleistungen, Infrastrukturen und Schutzrechte im Block bereit. Geplante Maßnahmen, wie der Vorzug europäischer Firmen bei sensiblen Cloud- und KI-Aufträgen der öffentlichen Hand, müssen noch zwischen dem Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten abgestimmt werden.

Aus dem Europäischen Parlament kommen derweil Forderungen nach einer personellen und strukturellen Stärkung der Aufsichtsbehörden. Der EU-Abgeordnete Brando Benifei warnte, dass fallengelassene Haftungsregeln Lücken bei Forschung, Entwicklung und Tests hinterlassen könnten. Er forderte mehr Unabhängigkeit sowie zusätzlichen personellen Rückhalt für das KI-Büro der EU, das gegenwärtig über rund 125 Mitarbeiter verfügt.