Google weitet die Kontrollmöglichkeiten für Verlage aus: Digitale Anbieter können ihre Inhalte nun global von KI-Zusammenfassungen ausschließen. Die neuen Einstellungen in der Search Console betreffen die Funktionen AI Overviews, AI Mode und Discover AI.
Nach dem Start in Großbritannien am 3. Juni 2026 folgte im Juli die internationale Einführung. Der Schritt kommt nicht zufällig: Verlage und Regulierungsbehörden üben seit Monaten Druck auf den Suchmaschinenriesen aus. Sie kritisieren, dass KI-generierte Antworten den klassischen Suchverkehr und damit Werbeeinnahmen massiv reduzieren.
Doch der Opt-out hat einen Haken: Wer sich abmeldet, könnte nicht nur aus KI-Antworten verschwinden, sondern auch aus prominenten Nachrichtenkarussells.
Der Preis der Abmeldung
Analysen von NewzDash zeigen ein Dilemma für Nachrichtenportale. Die sogenannten „Top Stories“-Karussells – ein entscheidender Traffic-Treiber für Publisher – erscheinen mittlerweile innerhalb der KI-Übersichten. Bei 15,5 Prozent der trendenden Nachrichtensuchen in den USA ist das der Fall, in Großbritannien sogar bei 17,46 Prozent. Wer die neuen Einstellungen nutzt, fliegt womöglich automatisch aus diesen Karussells – und verliert damit doppelt.
Die britische Wettbewerbsbehörde CMA hatte hier eine zentrale Rolle gespielt. Nach einer Beschwerde verpflichtete sie Google, sicherzustellen, dass der Verzicht auf KI-Funktionen keine negativen Auswirkungen auf das reguläre Suchranking hat. Zudem muss der Konzern bis Dezember 2026 Klick-Daten mit Verlagen und der Behörde teilen. Das Ziel: Transparenz darüber, wie KI-Zusammenfassungen den Traffic beeinflussen.
Verlage schlagen Alarm
Der globale Rollout kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Mehrere bekannte Publisher beklagen sinkende Erlöse durch KI-gesteuerte Suche. Reddit-CEO Steve Huffman kritisierte die Auswirkungen der AI Overviews scharf: Klassische Suchergebnisse hätten der Plattform früher deutlich mehr Wert gebracht.
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Die Zahlen sind bemerkenswert: Trotz eines Umsatzplus von 61 Prozent auf 804,9 Millionen Dollar im zweiten Quartal 2026 stürzte die Reddit-Aktie um über 20 Prozent ab. Grund sind die schwankenden Suchverweise. Das Unternehmen überprüft derzeit seinen 60-Millionen-Dollar-Datenlizenzvertrag mit Google.
Auch andere Medienhäuser denken laut über einen Bruch nach: Reuters, The Economist, Politico und USA Today prüfen offenbar, ihre Datenpartnerschaften mit dem Suchgiganten zu kündigen oder anzupassen. Unterstützung kommt aus der Forschung: Eine Pew-Studie deutet darauf hin, dass KI-Übersichten die Verweis-Traffics um etwa 50 Prozent reduzieren könnten. Google bestreitet diese Zahlen.
E-Commerce spürt den Wandel
Besonders hart trifft der KI-Trend den Online-Handel. Laut Daten von Tinuiti erscheinen AI Overviews mittlerweile bei rund 65 Prozent der kommerziellen Suchanfragen in den USA. Die Folge: Die Klickraten für Shopping-Anzeigen in den Bereichen Bekleidung, Elektronik und Haushaltswaren sind im Jahresvergleich um 18 bis 23 Prozent eingebrochen.
Die finanzielle Dimension wird in Googles Quartalszahlen sichtbar: Das Wachstum der Suchwerbeeinnahmen verlangsamte sich auf 9 Prozent – im Vorjahr waren es noch 14 Prozent gewesen. Als Gegenmaßnahme testet der Konzern KI-gestützte Anzeigenplatzierungen innerhalb der Übersichten. Ein breiter Rollout wird bis Ende 2026 erwartet.
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Neue Messmethoden gefragt
Suchanalysten dokumentieren den Wandel mit eindrücklichen Zahlen: Ahrefs und Amsive berichten von Rückgängen der Klickraten für Top-Rankings um 34,5 beziehungsweise 15,49 Prozent. Marketingagenturen raten ihren Kunden deshalb zunehmend, ihre Traffic-Quellen zu diversifizieren.
Einige Firmen haben neue Messsysteme entwickelt – etwa einen „GEO Visibility Index“, der die Markenpräsenz in KI-gesteuerten Ergebnissen erfasst. Herkömmliches Klick-Tracking greift dort kaum noch. Die Empfehlung der Experten: Direkte Nutzerbindung aufbauen und alternative Plattformen erschließen. Denn je besser KI-Antworten werden, desto seltener klicken Nutzer überhaupt noch auf einzelne Webseiten.

