AI-RAN dominiert MWC 2026: Mobilfunknetze werden zu KI-Plattformen

Führende Konzerne wie SoftBank und Nokia präsentieren praxistaugliche KI-Integration in Funkmasten, die Netze zu aktiven Rechenplattformen umwandelt und den Weg zu 6G ebnet.

Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona hat eine Zeitenwende eingeläutet. Künstliche Intelligenz wird nicht mehr nur in der Cloud genutzt, sondern direkt in die Funkmasten integriert. Führende Anbieter wie SoftBank, Nokia und Nvidia präsentierten auf der Messe, die am 5. März endete, keine Konzepte mehr, sondern laufende Feldtests und kommerzielle Produkte. Die Ära des AI-RAN (Artificial Intelligence Radio Access Network) hat begonnen und verspricht, Mobilfunknetze von passiven Datenrohren in aktive Rechenplattformen zu verwandeln.

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Vom Datenrohr zur KI-Cloud: SoftBanks strategische Neuausrichtung

In einer bedeutenden Ankündigung skizzierte der japanische Konzern SoftBank am 6. März seine Vision einer KI-nativen Infrastruktur. Das Unternehmen will sich vom reinen Datentransporteur zum Anbieter einer Telco AI Cloud entwickeln. Kern dieser Strategie ist die Integration von KI-Modellen direkt in die Netzinfrastruktur, insbesondere an den Netzwerkrand (Edge).

Durch sogenanntes AI-RAN-basiertes Multi-access Edge Computing (MEC) können Rechenlasten von Endgeräten auf die verteilte Netzinfrastruktur verlagert werden. Das ermöglicht Echtzeit-KI-Anwendungen, etwa für Robotik. In einem gemeinsamen Proof-of-Concept mit Ericsson und Yaskawa Electric zeigte SoftBank, wie Roboter durch Netzwerk-KI sicher mit Menschen in dynamischen Umgebungen interagieren können – ohne auf teure, leistungsstarke Onboard-Hardware angewiesen zu sein.

Feldtests belegen: KI im Mobilfunknetz ist praxistauglich

Die Theorie wird zur Praxis. Mehrere Netzbetreiber demonstrierten in der ersten März-Woche erfolgreiche Tests von AI-RAN in realen Umgebungen. Die AI-RAN Alliance, die mittlerweile 132 Mitglieder zählt, präsentierte Dutzende Anwendungsfälle.

Ein Meilenstein gelang Indosat Ooredoo Hutchison mit dem ersten AI-RAN-gestützten 5G-Anruf der Layer-3-Klasse in Südostasien. Er bewies, dass KI- und Mobilfunk-Workloads gleichzeitig auf einer gemeinsamen GPU-Infrastruktur laufen können. Parallel testete T-Mobile US in seinem Innovationszentrum in Seattle erfolgreich kommerziellen 5G-Betrieb neben KI-Workloads wie Video-Streaming und generativer KI – unterstützt von Nokia-Funktechnik und Nvidia-Servern.

Neue Testverfahren beschleunigen die Markteinführung

Die tiefe Integration von KI in die Funkzugangsnetze stellt die Industrie vor neue Herausforderungen bei der Validierung. Wie testet man Algorithmen unter realistischen, sich ständig ändernden Bedingungen?

Das Unternehmen Keysight Technologies präsentierte gemeinsam mit Samsung und Nvidia eine Antwort: einen durchgängigen Test- und Validierungs-Workflow. Die Lösung beseitigt die bisherige Fragmentierung, bei der Datensammlung, KI-Training und Leistungsprüfung oft isoliert voneinander stattfanden. Mit digitalen Zwillingen in Nvidias Omniverse-Plattform können Ingenieure nun das Verhalten von KI-Modellen für kritische Netzfunktionen kostengünstig im Labor validieren, bevor teure Feldtests starten. Das verkürzt Innovationszyklen erheblich.

Spezial-Hardware treibt die Effizienzrevolution voran

Die rasche Verbreitung von AI-RAN wird durch eine wachsende Spezial-Hardware-Landschaft ermöglicht. Hersteller wie Supermicro, Quanta Cloud Technology und MSI zeigten auf dem MWC maßgeschneiderte Lösungen, die sich nahtlos in Plattformen wie Nvidias AI Aerial einfügen.

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Der Treiber hinter dieser Entwicklung ist betriebliche Effizienz. Netzbetreiber geben Milliarden für Strom und Wartung aus, während die Auslastung ihrer Infrastruktur stark schwankt. KI kann Netzwerke intelligent steuern: Sie regelt die Sendeleistung, schaltet ungenutzte Antennensektoren ab und prognostiziert den Kapazitätsbedarf präzise. Zudem eröffnen sich neue Geschäftsmodelle: Aus Basisstationen werden softwaredefinierte Rechenplattformen, deren freie GPU-Kapazität Unternehmen für Edge-KI-Dienste mit niedriger Latenz anmieten können.

Der direkte Weg zu 6G: KI als Fundament der nächsten Generation

Die Fortschritte auf dem MWC 2026 deuten auf einen beschleunigten Weg zur nächsten Netzgeneration hin. Statt auf traditionelle 6G-Entwicklungszyklen gegen Ende des Jahrzehnts zu warten, legt die Industrie jetzt das Fundament für sichere, offene und KI-native 6G-Systeme.

Diese Dynamik zeigt sich auch im Branchentrend zu offenen Rechen-Frameworks. Die Linux Foundation kündigte die OCUDU Ecosystem Foundation an, um standardisierte, beschleunigte Infrastruktur für Telekom-Workloads via Open-Source-Software zu fördern. Erste kommerzielle Tests umfassender KI-nativer Systeme werden für Ende 2026 erwartet, mit Markteinführungen ab 2027. AI-RAN ist damit mehr als ein Upgrade – es ist die Architektur, die die globale Konnektivität fundamental neu gestalten wird.