Airbus hat bestätigt, 70 seiner kritischsten Anwendungen von Amazon Web Services (AWS) auf den französischen Anbieter Scaleway zu migrieren. Insgesamt sollen rund 900 Anwendungen – darunter ERP-, CRM- und Fertigungssysteme – unter europäische Kontrolle gebracht werden.
Catherine Jestin, Digitalchefin von Airbus, begründete den Schritt mit dem Streben nach strategischer Autonomie. „Wir brauchen die Kontrolle über unsere Daten und Systeme“, so Jestin. Scaleway habe zudem ein wettbewerbsfähiges Angebot vorgelegt. Für bestimmte Plattformen wie Skywise und den Case Management Assistant bleibt Airbus allerdings vorerst bei AWS.
Quantensichere Verschlüsselung für die Cloud
Parallel zur Airbus-Migration haben nLighten und Arqit Quantum einen Meilenstein im sicheren Cloud-Computing erreicht. In einem Proof of Concept im Genfer Rechenzentrum von nLighten demonstrierten die Unternehmen, wie regulierte Branchen – etwa Finanzdienstleister oder Pharmaunternehmen – öffentliche Cloud-Dienste nutzen können, ohne sensible Daten preiszugeben.
Das Modell setzt auf Arqits Symmetric Key Agreement (SKA)-Plattform und quantensichere Kryptografie in Kombination mit Intel Trust Domain Extensions (TDX). Die kryptografischen Schlüssel verbleiben in einer lokalen Edge-Umgebung – ein Zugriff von außen ist damit ausgeschlossen. nLighten plant, dieses souveräne Modell auf über 30 Edge-Rechenzentren in sieben europäischen Ländern auszuweiten.
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EU-Regulierung treibt den Wandel
Der Markt für souveräne Cloud-Lösungen boomt. Analysten von Gartner prognostizieren für 2026 ein Wachstum von 83 Prozent bei den europäischen Ausgaben für Cloud-Infrastruktur als Dienstleistung (IaaS).
Den entscheidenden Schub liefert die Politik. Der am 3. Juni 2026 vorgeschlagene EU-Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz führt vier verschiedene Sicherheitsstufen ein. Ziel ist es, den rechtlichen Konflikt zwischen dem US-Cloud-Act – der US-Behörden den Zugriff auf Daten bei US-Anbietern erlaubt, unabhängig vom Serverstandort – und europäischen Regelungen wie der DSGVO zu lösen.
Hinzu kommt: Das Europäische Datengesetz schafft ab Januar 2027 die Wechselkosten zwischen Cloud-Anbietern ab. Das dürfte die Migration zu regionalen Plattformen weiter beschleunigen. Bereits im Juni 2026 veröffentlichte die EU ihr Cloud-Souveränitäts-Rahmenwerk mit acht Kernzielen – von rechtlicher und Lieferketten-Sicherheit bis zu technologischer und ökologischer Nachhaltigkeit.
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Stabilitätsprobleme der Hyperscaler
Die Nachfrage nach Souveränität wird auch durch jüngste Ausfälle bei den großen US-Anbietern befeuert. AWS erlebte im Oktober 2025 einen Ausfall durch eine Race-Condition und im Mai 2026 eine Störung aufgrund eines thermischen Ereignisses. Solche Vorfälle zeigen die Risiken zentralisierter Cloud-Infrastruktur.
Lokale Hürden: Energieeffizienz und Bürokratie
Doch der Ausbau europäischer Infrastruktur hat auch ihre eigenen Herausforderungen. In Deutschland gilt seit Juli 2026 das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) mit strengen Vorgaben zur Abwärmenutzung und Energieeffizienz für Rechenzentren. Diese Auflagen, kombiniert mit langwierigen Genehmigungsverfahren, bremsen die Entwicklung. Erst kürzlich zog sich Stack Infrastructure aus einem Rechenzentrumsprojekt in Babenhausen zurück – Grund waren administrative Verzögerungen.
Trotz dieser Hindernisse investiert der europäische öffentliche Sektor massiv in unabhängige Infrastruktur. Ein Auftrag über 180 Millionen Euro für eine souveräne Cloud wurde im April 2026 an ein Konsortium aus Post Telecom, STACKIT, Scaleway und Proximus vergeben. Die Umsetzungsleitlinien für die neuen EU-Souveränitätswerkzeuge waren zuvor im Frühsommer veröffentlicht worden.

