Amazon macht seinen KI-Assistenten Alexa+ vom Sprach- zum Schreibtischpartner. Mit einem neuen Web-Interface greift der Konzern die Marktführer ChatGPT und Google Gemini direkt an.
Las Vegas — Der Tech-Riese Amazon hat seine KI-Strategie grundlegend neu ausgerichtet. Auf der Technikmesse CES 2026 stellte das Unternehmen am Montag eine browserbasierte Arbeitsumgebung für seinen Premium-Assistenten Alexa+ vor. Das „Productivity Hub“ auf Alexa.com verwandelt den einstigen Sprachassistenten in einen visuellen Alleskönner für den Desktop. Die Botschaft ist klar: Amazon will im lukrativen Markt für generative KI nicht länger nur Zuschauer sein.
Vom Lautsprecher zum digitalen Kommandozentrum
Der Start markiert eine strategische Kehrtwende. Seit über einem Jahrzehnt war Alexa untrennbar mit smarten Lautsprechern verbunden. Jetzt löst Amazon seine KI von der eigenen Hardware und macht sie über jeden Standard-Webbrowser zugänglich. Frühe Nutzer im „Alexa+ Early Access“-Programm können die Oberfläche seit dieser Woche testen.
Die neue Web-Oberfläche setzt auf Text und ist für komplexe Aufgaben designed, die per Sprachbefehl oft umständlich sind. Ein zentrales Feature ist eine permanente Navigationsleiste. Sie vereint Smart-Home-Steuerung, Dokumentenverwaltung und Familienorganisation in einem Fenster mit dem KI-Chat. „Kunden wollen Alexa, wo immer sie sind“, erklärte Amazon. Die Plattform verbinde Informationen mit Handlungen in der realen Welt.
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Die Kernfunktionen: Mehr als nur ein Chatbot
Alexa+ im Browser setzt auf einen entscheidenden Vorteil: die tiefe Verzahnung mit Amazons Ökosystem aus physischen Produkten, Logistik und Smart Home. Während Konkurrenten wie ChatGPT vor allem Informationen verarbeiten, positioniert Amazon seinen Hub als handlungsorientierten Agenten.
Zu den Start-Funktionen gehören:
- Vereinte Smart-Home-Steuerung: Nutzer können Thermostate regeln, Ring-Kamera-Bilder ansehen oder Türen verriegeln – alles ohne den Browser-Tab zu verlassen.
- Dokumenten-Analyse: Das System kann PDFs, Tabellen und E-Mails zusammenfassen. Aus einem Schul-Newsletter extrahiert es etwa Termine und trägt sie direkt in den Familienkalender ein.
- Nahtlose Shopping-Integration: Die KI erstellt auf Basis von Ernährungsvorlieben aus dem Chat automatisch Menüpläne und füllt den Warenkorb bei Amazon Fresh oder Whole Foods.
- Geräteübergreifende Nutzung: Ein „persistenter Kontext“ sorgt dafür, dass ein am Laptop begonnenes Gespräch per Stimme auf einem Echo-Gerät oder in der mobilen App fortgesetzt werden kann.
Preispolitik als Hebel für Prime
Der Zugang zum Web-Hub ist aktuell auf das Early-Access-Programm beschränkt. In einem klaren Schachzug zur Bindung von Stammkunden erhalten Prime-Mitglieder kostenlosen Zugang. Für alle anderen kostet der Dienst 19,99 Euro im Monat – ein Preis, der mit den Premium-Versionen von ChatGPT Plus und Claude Pro vergleichbar ist.
Analysen deuten darauf hin, dass diese Taktik bewusst gewählt ist. Indem Amazon die fortschrittliche KI in Prime einbettet, erhöht es den Wert der Mitgliedschaft massiv. Gleichzeitig unterbietet es damit die Preise eigenständiger KI-Abos für seine riesige bestehende Nutzerbasis. „Der Web-Start ist ein Wendepunkt. Assistenten befreien sich von Lautsprechern“, kommentierte ein Bericht von FindArticles. „Amazon wettet darauf, dass Nutzer in einer Umgebung, in der sie ohnehin recherchieren, auch einkaufen und vergleichen.“
Analyse: Der Kampf um die „agentische“ KI
Der Start fällt in eine Phase, in der sich der Tech-Krieg verlagert. Es geht nicht mehr nur um „generative“ KI, die Texte oder Bilder erstellt. Der Fokus liegt nun auf „agentischer“ KI – Systemen, die mehrstufige Aufgaben im Auftrag des Nutzers ausführen können.
Während Google und Microsoft KI in ihre Office-Pakete integrieren, greift Amazon den Markt von der Konsumenten-Seite aus an. Der Konzern versucht, eine Brücke zu schlagen, die rein digitale Wettbewerber nur schwer bauen können: die Verbindung der digitalen Intelligenz eines Sprachmodells mit der physischen Steuerung des Smart Homes und dem Logistiknetzwerk des weltgrößten Online-Händlers.
Doch der Weg ist steinig. OpenAI und Google setzen mit ihren Reasoning-Modellen und der tiefen Office-Integration hohe Maßstäbe. Kritiker haben in der Vergangenheit die fragmentierte „Skills“-Landschaft von Alexa bemängelt. Der Erfolg des neuen Hubs wird maßgeblich davon abhängen, wie zuverlässig die KI komplexe, multimodale Befehle ausführen kann, ohne die Nutzer zu frustrieren.
Was kommt als Nächstes?
Amazon signalisierte, dass die Web-Expansion nur die erste Phase einer größeren Rollout-Strategie für 2026 ist. Auf der CES deuteten Manager tiefere Integrationen mit Drittanbietern an. Künftig könnte der Web-Agent vielleicht Restaurant-Reservierungen vornehmen, Reisen managen oder mit nicht-amazonischen Diensten koordinieren.
Eine internationale Expansion über den US-Markt hinaus wird für die kommenden Quartale erwartet, ein konkreter Zeitplan wurde jedoch nicht genannt. Eines ist sicher: 2026 wird zum Jahr, in dem KI-Assistenten von der Frage-Antwort-Maschine zum Manager des Alltags werden. Amazon hat seinen Claim auf dem Desktop nun abgesteckt.
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