Alibaba verwandelt seinen KI-Chatbot in einen handlungsfähigen Assistenten, der Einkäufe und Reisen erledigt. Die App zählt bereits über 100 Millionen Nutzer.
In einem strategischen Schwenk macht der chinesische Tech-Riese Alibaba aus seinem KI-Chatbot Qwen einen handelnden Alltagshelfer. Die neue Version der App kann nun direkt Aufgaben in Alibabas Ökosystem erledigen – vom Pizza-Bestellen über Flugbuchungen bis zur Bezahlung. Dieser Schritt von einer reinen Konversations-KI zu einer „agentischen“ KI, die im Namen des Nutzers agiert, ist Alibabas bisher aggressivster Vorstoß im Konsumentenmarkt. Die App hat in nur zwei Monaten seit dem Beta-Start über 100 Millionen monatlich aktive Nutzer erreicht.
Vom Reden zum Handeln: Die neue Qwen-Erfahrung
Die neueste Version von Qwen vollzieht einen fundamentalen Wandel. Statt nur Fragen zu beantworten, führt die KI nun aktiv Aufträge aus. Nutzer in China können in der öffentlichen Testphase komplexe Aktionen starten, ohne zwischen Apps wechseln zu müssen. Ein einfacher Sprachbefehl wie „Bestell mir einen Kaffee“ genügt: Qwen sucht über Taobao Instant Commerce nach Angeboten in der Nähe, wendet Rabatte an und bereitet die Zahlung vor.
Diese Funktionalität erstreckt sich auch auf Reisedienste. Die Buchung eines Flugs oder Hotels übernimmt die KI durch Anbindung an die Reiseplattform Fliggy. Das Ziel ist ein nahtloser Ablauf, bei dem die KI die Koordination zwischen den Diensten im Hintergrund übernimmt – von der Absicht des Nutzers bis zur erledigten Aufgabe in einem Gesprächsfluss.
Passend zum Thema agentische KI: Seit August 2024 gelten neue Regeln für KI‑Systeme in der EU, die Entwicklung, Kennzeichnung und Dokumentation betreffen. Unser kostenloses E‑Book fasst die EU‑KI‑Verordnung kompakt und praxisnah zusammen – von Risikoklassen über Kennzeichnungspflichten bis zu notwendigen Dokumentationsschritten. Ideal für Produktverantwortliche, Entwickler und Compliance‑Teams, die KI‑Funktionen planen oder betreiben. Gratis-Leitfaden zur EU-KI-Verordnung herunterladen
Ein nahtloses Ökosystem unter einem Dach
Die Stärke des upgegradeten Qwen liegt in der tiefen Integration der Kernpfeiler von Alibabas Digitalimperium. Die KI ist nun direkt mit dem E-Commerce-Riesen Taobao, dem Zahlungssystem Alipay, dem Reisedienst Fliggy und der Navigations-App Amap verbunden. Sie wird so zur zentralen Schnittstelle, die diese Plattformen intelligent koordiniert.
Ein entscheidender Baustein ist die Integration von Alipay. Nutzer können Transaktionen direkt im Qwen-Chat autorisieren und abschließen – eine bisherige Hürde fällt weg. Zunächst ist diese Ende-zu-Ende-Bezahlfunktion auf Lieferdienste und Instant Commerce fokussiert, soll aber laut Alibaba bald auf weitere Services ausgeweitet werden. Die KI agiert so als „Gehirn“, das mit den „Gliedmaßen“ des Ökosystems verbunden ist.
Rasantes Wachstum und neue High-End-Funktionen
Die Resonanz der Nutzer ist enorm: Über 100 Millionen monatlich aktive Nutzer in nur zwei Monaten seit der öffentlichen Beta im November 2025. Auf dieser Basis rollt Alibaba nun die agentenähnlichen Features aus. Parallel wurde ein neuer „Task Assistant“ vorgestellt, der aktuell einer ausgewählten Nutzergruppe in einer Einladungs-Beta zur Verfügung steht.
Dieser fortschrittliche Assistent soll noch komplexere persönliche und berufliche Abläufe managen. Berichten zufolge kann er etwa telefonisch Restaurant-Reservierungen vornehmen, bis zu 100 Dokumente gleichzeitig verarbeiten und zusammenfassen oder mehrstoppige Reiserouten planen. Die Vision der Konzernführung ist klar: Die KI soll einen signifikanten Teil solcher digitalen Aufgaben übernehmen und den Nutzer entlasten.
Wettlauf um die handelnde KI
Alibabas strategische Aufrüstung von Qwen platziert das Unternehmen mitten im globalen Rennen um sogenannte „agentische KI“. Tech-Konzerne weltweit, darunter OpenAI und Meta, arbeiten an Systemen, die mehrstufige Aufgaben autonom ausführen können. Der Update ist zudem ein entscheidender Schachzug im hart umkämpften chinesischen Heimatmarkt. Damit positioniert sich Alibaba besser gegen Rivalen wie ByteDance und Tencent, die im Konsumenten-KI-Bereich bislang als agiler galten.
Bislang konzentrierte sich Alibabas KI-Engagement vor allem auf Unternehmensdienstleistungen über seine Cloud-Sparte. Die entschiedene Hinwendung zu einer konsumentenorientierten „Super-App“ zeigt den Willen, ein tragfähiges Geschäftsmodell für seine leistungsstarken Basismodelle zu schaffen. Indem Transaktionsfähigkeiten direkt in die KI eingebettet werden, will Alibaba den massiven Nutzerverkehr in konkreten Umsatz verwandeln – und so eines der Schlüsselprobleme der KI-Branche lösen: die Monetarisierung.
Die langfristige Vision ist, Qwen nicht nur als Werkzeug, sondern als unverzichtbaren „Chefberater“ und Betriebssystem für das digitale Leben der Nutzer zu etablieren. Analysten gehen davon aus, dass die flächendeckende Akzeptanz und Umsatzgenerierung durch ausgefeilte KI-Agenten Zeit brauchen wird. Doch Alibabas großer Update ist ein deutlicher Schritt in eine Zukunft, in der KI-Assistenten die Logistik unseres Alltags nahtlos managen.
PS: Wenn Unternehmen oder Entwickler KI-Agenten einsetzen, sind Fristen und Dokumentationspflichten keine Ferndiskussion mehr. Unser Umsetzungsleitfaden erklärt konkret, wie Sie Ihr System richtig klassifizieren, welche Nachweise nötig sind und welche Übergangsfristen jetzt gelten – praxisnah und verständlich aufbereitet, damit Sie rechtzeitig handeln können. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung sichern





