AllFaith-Benchmark: 14 KI-Modelle zeigen religiöse Voreingenommenheit

Forschung belegt systematische Verzerrung bei KI-Bewertungen religiöser Fragen. Grok von xAI weist stärkste Voreingenommenheit auf.

Neue Forschungsergebnisse belegen: Führende KI-Systeme bevorzugen das Christentum und vernachlässigen andere Glaubensrichtungen.

Wissenschaftler des CEFE-AI-Konsortiums – einem Forschungsverbund aus Brigham Young University, Baylor University, Notre Dame und Yeshiva University – präsentierten diese Woche auf dem Athener Gipfel für KI-Ethik alarmierende Ergebnisse. Die Untersuchung von 14 großen Sprachmodellen (LLMs) wie GPT, Claude, Gemini und Grok zeigt eine systematische Verzerrung bei der Bewertung religiöser Fragestellungen.

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Der AllFaith-Benchmark und die Bekehrungs-Verzerrung

Am 26. Mai 2026 stellten die Forscher den sogenannten AllFaith-Benchmark vor. Dieses Testverfahren misst, wie KI-Modelle auf religiöse Anfragen reagieren. Das Ergebnis: Die Systeme zeigen eine konsistente „Bekehrungs-Verzerrung“ (conversion bias). Sie bewerten den Katholizismus deutlich positiver, während Gruppen wie die Zeugen Jehovas systematisch schlechter abschneiden.

Besonders auffällig: Grok, das Modell von xAI (Elon Musks KI-Unternehmen), wies die stärkste Voreingenommenheit auf. Es zeigte positive Assoziationen mit Katholizismus, Protestantismus und Judentum, reagierte jedoch negativ auf den Baha’i-Glauben, Buddhismus, Hinduismus, Islam und die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen). Die Modelle von Anthropic und Meta schnitten dagegen am besten ab – sie zeigten die geringsten religiösen Verzerrungen.

Die Studie offenbart zudem ein erschreckendes Forschungsdefizit: Von rund 12.000 wissenschaftlichen Arbeiten zu KI-Verzerrungen befassen sich gerade einmal 0,2 Prozent mit religiösen Perspektiven.

Glaube wird in ethischen Fragen ignoriert

Ein zweiter Befund der Studie, die sogenannte „Auslassungs-Verzerrung“ (omissive bias), ist nicht weniger brisant. Werden KI-Modelle mit ethischen Fragen zu Lebensentscheidungen oder Trauer konfrontiert, ignorieren sie religiöse Standpunkte nahezu vollständig. Die Systeme liefern fast ausschließlich säkulare Antworten.

Dies widerspricht den Erwartungen der Bevölkerung. Eine begleitende Umfrage unter 1.125 Amerikanern ergab: Die Mehrheit erwartet von KI-Systemen, dass sie bei ethischen Dilemmata auch religiöse Perspektiven berücksichtigen. In einer spezifischen Analyse enthielten lediglich zwei Prozent der KI-Antworten sinnvolle religiöse Bezüge. Die meisten Modelle verfielen in rein säkulare Argumentationsmuster.

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Papst-Enzyklika fordert internationale Regulierung

Die Veröffentlichung der Studie fällt mit einem bedeutenden politischen Statement aus dem Vatikan zusammen. Am 25. Mai 2026 veröffentlichte Papst Leo XIV. seine erste Sozialenzyklika mit dem Titel „Magnifica Humanitas: Über den Schutz der menschlichen Person im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“. Das 42.300 Wörter umfassende Dokument warnt vor der Konzentration von KI-Macht in den Händen weniger Technologiekonzerne und kritisiert scharf, was der Papst als „Götzendienst des Profits“ bezeichnet.

Die Enzyklika fordert die „Entwaffnung der KI von der Logik des Krieges und des Ausschlusses“. Konkret warnt das Papstschreiben vor autonomen Waffensystemen und Algorithmen, die Menschen den Zugang zu Gesundheitsversorgung oder Arbeit verweigern – im Namen von Kosteneinsparungen. Papst Leo XIV. stellte das Dokument gemeinsam mit Christopher Olah, einem Mitbegründer der KI-Firma Anthropic, vor. Seine Botschaft: Technologie muss dem Gemeinwohl dienen, nicht den engen ideologischen Vorurteilen ihrer Entwickler.

Politik reagiert auf KI-Ethik-Debatte

Der Ruf nach strengeren ethischen Standards findet zunehmend Gehör in der internationalen Politik. Am 27. Mai 2026 unterstützte die US-Vizepräsidentin die Position des Vatikans. Die Enzyklika zeige ein „hochdifferenziertes Verständnis“ der Herausforderungen, die KI für Arbeitsmarkt, Datenschutz und menschliche Werte mit sich bringe.

Gleichzeitig mehren sich im US-Kongress die Stimmen für eine Regulierung. Senator Bernie Sanders fordert verstärkte Kontrollen, um zu verhindern, dass KI als Werkzeug für massenhafte Arbeitsplatzverlagerung missbraucht wird. Der Kongress debattiert derzeit über Gesetze zur Transparenz und zur Verhinderung von Algorithmen-Missbrauch.

Zwar gibt es auch positive Beispiele: Eine Studie vom November 2025 zeigte, dass ein Chatbot half, den Glauben an antisemitische Verschwörungstheorien bei Teilnehmern zu reduzieren. Doch die aktuellen Daten des AllFaith-Benchmarks machen deutlich: Eine neutrale Darstellung religiöser Inhalte bleibt für die KI-Industrie eine enorme Hürde.