Alphabet: Erstes Minus beim Cashflow seit Börsengang vor 22 Jahren

Alphabets Rekordausgaben für KI-Infrastruktur führen zu historisch negativem freien Cashflow und einem deutlichen Kursverlust der Aktie.

Die Milliarden-Investitionen in Künstliche Intelligenz belasten die Kasse des Google-Mutterkonzerns schwer. Alphabet meldete für das zweite Quartal 2026 einen negativen freien Cashflow von umgerechnet rund 5,5 Milliarden Euro – ein Novum seit dem Börsengang vor 22 Jahren. Die Aktie verlor daraufhin massiv an Wert.

Rekordausgaben für KI-Infrastruktur

Der Grund für den historischen Kassensturz: Die Investitionsausgaben (CapEx) haben sich im Jahresvergleich auf umgerechnet rund 42 Milliarden Euro verdoppelt. Der Löwenanteil fließt in den Ausbau der KI-Infrastruktur. Das Management um Finanzchefin Anat Ashkenazi hob die Prognose für das Gesamtjahr 2026 auf umgerechnet 182 bis 191 Milliarden Euro an – und kündigte bereits weitere Steigerungen für 2027 an.

Um die gewaltigen Summen zu stemmen, hat Alphabet bereits rund 65 Milliarden Euro durch Aktien- und Anleiheverkäufe eingesammelt. Die langfristigen Verbindlichkeiten haben sich dadurch auf rund 92 Milliarden Euro verdoppelt.

Gewinn mit Schönheitsfehler

Auf den ersten Blick präsentierte Alphabet einen Rekordgewinn von umgerechnet rund 105 Milliarden Euro. Doch der Schein trügt: Rund 92 Milliarden Euro stammen aus nicht realisierten Buchgewinnen – also reinen Wertsteigerungen von Beteiligungen, die noch nicht verkauft wurden.

Das operative Kerngeschäft zeigt dagegen ein anderes Bild. Der Umsatz stieg zwar um 24 Prozent auf umgerechnet rund 112 Milliarden Euro, getragen von einem 17-prozentigen Plus bei der Google-Suche (rund 59 Milliarden Euro) und einem sprunghaften Anstieg der Google-Cloud-Erlöse um 82 Prozent auf rund 23 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag jedoch bei umgerechnet etwa 2,66 Euro – der Rest war reine Buchhaltungsmagie.

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Kurssturz und Warnungen von Ratingagenturen

Die Anleger reagierten nervös. Die Alphabet-Aktie fiel nach der Veröffentlichung um rund sieben Prozent. In der Woche bis zum 26. Juli 2026 verlor der Konzern damit umgerechnet rund 308 Milliarden Euro an Börsenwert. Vom Allzeithoch ist der Kurs inzwischen rund 20 Prozent entfernt.

Die Ratingagentur Moody’s schlug bereits Ende Juli Alarm. Die aggressiven Investitionszyklen der großen Hyperscaler – also der Betreiber riesiger Rechenzentren – könnten deren Bonität unter Druck setzen. Die kombinierten Investitionsausgaben der Branchenriesen sollen 2026 umgerechnet rund 733 Milliarden Euro erreichen und 2027 auf knapp eine Billion Euro zulegen. Allein Alphabets vertragliche Verpflichtungen beliefen sich Ende Juni auf umgerechnet rund 758 Milliarden Euro.

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Cloud-Geschäft boomt trotz Belastungen

Trotz der finanziellen Anspannung wächst das Cloud-Geschäft rasant. Der Auftragsbestand der Google Cloud erreichte umgerechnet rund 480 Milliarden Euro. Die KI-Anwendung Gemini verzeichnete 950 Millionen aktive Nutzer monatlich. Um den steigenden Bedarf an Rechenleistung zu decken, schloss Alphabet milliardenschwere Deals ab: einen Dark-Fiber-Vertrag mit Verizon im Wert von über einer Milliarde Euro sowie monatliche Rechenleistungs-Mieten bei SpaceX von umgerechnet rund 860 Millionen Euro.

Einige Produktpläne mussten jedoch verschoben werden – darunter der Start von Gemini 3.5 Pro. Die Analysten sind gespalten: Die einen sehen in dem Kursrückgang eine Kaufgelegenheit, die anderen warnen, dass Alphabets traditionell starke Bilanz unter der Last der Investitionen zunehmend leidet.