Alphabet sammelt 80 Milliarden Euro für KI-Ausbau ein

Alphabet holt sich 80 Milliarden Euro für KI-Ausbau. Investoren wie Dalio und Burry warnen vor einer neuen Tech-Blase.

Der Google-Mutterkonzern sammelt 80 Milliarden Euro für den Ausbau seiner KI-Infrastruktur ein – und schürt damit Ängste vor einer neuen Tech-Blase.

Alphabet hat die Weichen für die Zukunft gestellt – und zwar mit einem Paukenschlag. Der Konzern kündigte Anfang der Woche an, rund 80 Milliarden Euro über eine Kombination aus Aktienemissionen und Privatplatzierungen einzusammeln. Es ist die größte Transaktion dieser Art in der Geschichte der Kapitalmärkte. Das Geld fließt direkt in den Ausbau der Künstlichen Intelligenz. Doch während Alphabet auf Hochtouren investiert, mehren sich die Warnungen prominenter Investoren: Der KI-Boom erinnere zunehmend an die Exzesse der Dotcom-Ära.

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Ein Finanzierungspaket der Superlative

Das am 1. Juni vorgestellte Paket ist komplex. Es umfasst eine öffentliche Emission von 30 Milliarden Euro, aufgeteilt in Stammaktien und wandelbare Vorzugsaktien. Hinzu kommt ein sogenanntes „At-the-Market“-Programm über 40 Milliarden Euro, das im dritten Quartal starten soll.

Die Überraschung des Deals: Warren Buffetts Berkshire Hathaway steigt mit einer Privatplatzierung von zehn Milliarden Euro ein. Fünf Milliarden entfallen auf Klasse-A-Aktien, fünf Milliarden auf Klasse-C-Aktien – beide mit einem Abschlag auf den jüngsten Börsenkurs. Für Alphabet ist es der erste größere Aktienverkauf seit 2006.

Das frische Kapital ist dringend nötig. Alphabet hat seine Investitionsprognose für 2026 auf umgerechnet 180 bis 190 Milliarden Euro nach oben geschraubt – fast eine Verdopplung zum Vorjahr. Und die Prognosen für 2027 deuten auf noch höhere Ausgaben hin. Der Kampf um die Vorherrschaft im KI-Sektor verschlingt Milliarden.

Warnsignale aus der Finanzwelt

Während die Konzerne um die wette investieren, schrillen bei einigen der klügsten Köpfe der Branche die Alarmglocken. Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Bridgewater Associates, sieht klassische Anzeichen einer Blase. Die zugrundeliegende Technologie sei zwar revolutionär, doch viele Firmen jagten derzeit Marktanteile hinterher, statt Gewinne zu erwirtschaften. Es entstehe „Papierwohlstand“, dem keine ausreichenden Cashflows gegenüberstünden.

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Auch Michael Burry, bekannt aus dem Film „The Big Short“, schlägt Alarm. In einer Analyse vom 2. Juni zeigt er auf, dass der aktuelle Kursanstieg bei Halbleiter- und Technologieaktien verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Höhenflug des Jahres 2000 aufweist. Der Philadelphia-Halbleiterindex lag zuletzt nur sieben Prozent unter seinem damaligen Allzeithoch. Burry warnt vor einer „Memory Mania“ – einer Speicher-Euphorie – im Chip-Sektor. Langfristige Lieferverträge könnten die zyklischen Risiken nur kaschieren.

David Solomon, CEO von Goldman Sachs, beobachtet einen Stimmungswandel an den Märkten. Die Anleger seien in einen „Gier-Modus“ verfallen, in dem die Bereitschaft für Großemissionen jede Vorsicht überlagere. Optimistischere Stimmen, etwa von der Investmentbank Wedbush, halten dagegen: Der Markt unterschätze weiterhin das langfristige Potenzial, besonders bei etablierten Playern wie Microsoft.

Der IPO-Boom und die Jagd nach Milliarden

Die Welle der KI-Investitionen schwappt längst auf die Privatmärkte über. Der KI-Startup Anthropic reichte am 1. Juni vertrauliche Unterlagen für einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Das Unternehmen hatte erst im Mai die Rekordsumme von 50 Milliarden Euro eingesammelt – mehr als die Hälfte der gesamten globalen Venture-Capital-Finanzierung in diesem Monat (92 Milliarden Euro).

Weitere Schwergewichte stehen in den Startlöchern. SpaceX von Elon Musk peilt bei seinem Börsengang, der bereits am 12. Juni erwartet wird, eine Bewertung von bis zu 1,8 Billionen Euro an. Und aus China kommt die Meldung, dass das Startup DeepSeek eine Finanzierungsrunde über sieben Milliarden Euro abschließt – zu einer Bewertung von fast 60 Milliarden Euro. Als mögliche Investoren gelten Tencent und CATL.

Globale Kapitalströme in Bewegung

Der KI-Boom verändert auch die globalen Kapitalströme. Morgan Stanley beobachtet, dass ausländische institutionelle Anleger Gelder aus Märkten wie Indien abziehen und nach Nordasien umschichten – vor allem nach Südkorea und Taiwan, um von den Lieferketten der KI-Industrie zu profitieren.

Die schiere Menge an Schulden, die für den Bau von Rechenzentren und die Produktion von Hardware aufgenommen wird, hinterlässt auch am Anleihemarkt ihre Spuren. Tech-Konzerne wie Meta und Oracle haben 2026 weltweit bereits rund 250 Milliarden Euro an neuen Schulden aufgenommen. Die Folge: Die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterten im Mai auf den höchsten Stand seit 2007. Investoren verlangen schlichtweg höhere Risikoprämien für die langen Laufzeiten.

Die globalen KI-bezogenen Investitionsausgaben werden in diesem Jahr auf 900 Milliarden Euro geschätzt. Morgan Stanley rechnet für 2027 mit einem Anstieg auf 1,25 Billionen Euro. Ob sich diese Wetten auszahlen oder in einer Enttäuschung enden – das ist die alles entscheidende Frage der kommenden Jahre.