Altern: Gene beeinflussen Lebenserwartung nur zu 30 Prozent

Die Performance „Aging Masters“ verknüpft Cranachs Jungbrunnen mit Mahlers Trauermusik und rückt Altersbilder in Kunst und Wissenschaft ins Zentrum.

Wie fühlt sich das Altern an, wenn es zur Bühne wird? Diese Frage stellt sich bei der Performance „Aging Masters“ von Ersan Mondtag und Nadim Samman, die im Rahmen der Berlin Art Week in der Gemäldegalerie Berlin am Matthäikirchplatz 4 gezeigt wird.

Die Aufführungen laufen in 30-Minuten-Zyklen, unter anderem von 13:00 bis 14:30 Uhr, mit weiteren Terminen um 10:30, 13:00 und 15:30 Uhr, jeweils zugänglich mit dem regulären Gemäldegalerie-Ticket.

Die Arbeit ist von Lucas Cranachs Gemälde „Der Jungbrunnen“ aus dem Jahr 1546 inspiriert und unterlegt mit Musik aus Gustav Mahlers „Kindertotenliedern“, die zwischen 1901 und 1904 entstanden. Damit reiht sich das Projekt in eine Vielzahl kultureller Auseinandersetzungen mit dem Altern ein, die derzeit über verschiedene Formate hinweg sichtbar werden – von Fernsehserien über Literatur bis zur bildenden Kunst.

Altern im Bild: Von Cranach bis zur Gegenwart

Die Wahl von Cranachs „Jungbrunnen“ als Referenzpunkt für „Aging Masters“ ist kein Zufall: Das Motiv des Jungbrunnens, in dem alte Menschen verjüngt wieder herauskommen, gehört zu den ältesten bildlichen Auseinandersetzungen mit dem Wunsch, Alterungsprozesse rückgängig zu machen.

Mondtag und Samman greifen diesen historischen Stoff auf und verbinden ihn mit Mahlers Klage über den Verlust von Kindern – eine Gegenüberstellung von Verjüngungsphantasie und Trauer über Vergänglichkeit, die im musealen Raum der Gemäldegalerie eine zusätzliche Bedeutungsebene erhält.

Altersbilder auch jenseits der Bühne im Fokus

Parallel zu solchen künstlerischen Projekten beschäftigen sich auch andere Bereiche der Kultur- und Wissenschaftslandschaft mit dem Thema Altern. Die Psychologin und Altersforscherin Jana Nikitin betonte, dass Altersbilder den tatsächlichen Alterungsprozess beeinflussen und dass Kontakt zu anderen Altersgruppen dazu beitragen kann, Stereotype abzubauen. Sie verwies zudem darauf, dass ältere Menschen im Durchschnitt emotional stabiler und ausgeglichener seien, und empfahl Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und eine sinnvolle Aufgabe als Faktoren für ein gutes Altern.

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Der Kölner Alternsforscher Björn Schumacher ordnet ein, was wirklich zählt: Gene beeinflussen die Lebenserwartung nur zu rund 30 Prozent, und das biologische Alter weicht oft vom Kalenderalter ab. Wer heute ansetzt, kann selbst einiges bewegen. Kostenlosen Ratgeber für gesundes Altern anfordern

Auch die ARD-Krimireihe „Die Diplomatin“ mit Natalia Wörner, die im kommenden Jahr 60 wird und seit zehn Jahren die Hauptrolle spielt, greift mit einer neuen, in Rom gedrehten Folge ein Thema auf, das indirekt mit Fragen von Vergänglichkeit und Bewahrung verknüpft ist: den illegalen Handel mit archäologischen Fundstücken.

Literarische und musikalische Perspektiven

Der Autor Wolfgang Herles veröffentlichte seinen achten Roman „Poseidons Zorn“ im Verlag Langenmüller (278 Seiten, 24,00 Euro), in dem sechs Personen im „sterbefähigen Alter“ auf einem Segeltörn durch die Ägäis unterwegs sind. Herles nutzte das Werk auch, um Altersdiskriminierung im Arbeitsleben zu thematisieren.

Auch aus der Musik kommen aktuelle Beiträge zum Thema: Schauspieler Anthony Hopkins veröffentlichte das Album „Life Is a Dream“, aufgenommen in London mit Dirigent Gustavo Dudamel und dem Philharmonia Orchestra, mit zwölf Stücken – darunter „My Fatherland“ und „And the Waltz Goes On“, das 2011 durch André Rieu bekannt wurde. Es ist nicht Hopkins‘ erstes musikalisches Werk; bereits 2012 erschien „Anthony Hopkins: Composer“.

Die Sängerin Annett Louisan wiederum thematisiert auf ihrem Album „Sehnsucht“ weibliche Altersarmut, unter anderem mit der Zeile „Ein schöner Po ersetzt kein Depot“.

Wissenschaftlicher Hintergrund

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Nicht die Gene entscheiden allein: Altersforscherin Jana Nikitin betont, dass unsere Altersbilder den tatsächlichen Alterungsprozess beeinflussen — und dass Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und eine sinnvolle Aufgabe zu einem guten Altern beitragen. Checkliste für gesundes Altern jetzt sichern

Der Kölner Alternsforscher Björn Schumacher vom CECAD Exzellenzcluster der Universität zu Köln erklärte, dass Gene die Lebenserwartung nur zu 30 Prozent beeinflussen und dass der größte Risikofaktor für Erkrankungen das Altern an sich sei. Das biologische Alter weiche demnach oft vom kalendarischen Lebensalter ab – ein Befund, der auch für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema relevant erscheint, da er die Vorstellung eines starren, unveränderlichen Alterungsprozesses infrage stellt.

Formate wie „Aging Masters“ fügen sich damit in ein breiteres kulturelles Geschehen ein, in dem Altern nicht länger nur als biologischer Prozess, sondern zunehmend als gestaltbares, verhandelbares Thema in Kunst, Literatur und Musik verstanden wird.