Altersdiskriminierung kostet Schweden 70 Milliarden Kronen jährlich

Taiwan verlagert den Gesundheitsfokus auf Vorsorge, während Deutschland bei Prävention und Pflegefinanzierung vor wachsenden Herausforderungen steht.

Angesichts einer kontinuierlich steigenden Lebenserwartung vollzieht die taiwanesische Gesundheitspolitik eine fundamentale Neuausrichtung. Wie Gesundheitsminister Shih Chung-Liang im Rahmen des „Health Taiwan Deep Cultivation Forum“ darlegte, rückt der Fokus künftig von der kurativen Behandlung verstärkt auf die Prävention.

Diese Strategie reagiert auf die demografische Entwicklung: Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Lebenserwartung in Taiwan bei 81,27 Jahren, was einer Steigerung um 0,5 Jahre entspricht. Dabei erreichten Frauen ein Durchschnittsalter von 84,75 Jahren, während Männer auf 77,93 Jahre kamen.

Massive Investitionen in das Gesundheitssystem bis 2029

Um diesen Systemwechsel zu finanzieren, sieht das „Health Taiwan Deep Cultivation Program“ für den Zeitraum von 2025 bis 2029 ein Gesamtbudget von 48,9 Milliarden NT-Dollar vor. Ergänzt wird diese Summe durch gezielte Zuweisungen für spezifische medizinische Bereiche. So stehen 10 Milliarden NT-Dollar für einen speziellen Krebsmedikamenten-Fonds sowie 24 Milliarden NT-Dollar zur Stärkung der Medikamenten-Resilienz bereit.

Weitere Mittel fließen in die Gesundheit indigener Bevölkerungsgruppen (20,8 Milliarden NT-Dollar) sowie in die psychische Gesundheit (5,6 Milliarden NT-Dollar). Für das Jahr 2026 ist zudem ein Krankenversicherungsbudget vorgesehen, das erstmals die Marke von 1,0082 Billionen NT-Dollar überschreitet. Parallel dazu werden die Mittel für die Langzeitpflege im Rahmen des Programms „Long-Term Care 3.0“ auf 115,3 Milliarden NT-Dollar festgesetzt.

Wirtschaftliche Folgen von Altersdiskriminierung und Demografie

Der globale Kontext dieser Entwicklung zeigt sich auch in Europa. In Schweden forderte der Nationale Anti-Altersdiskriminierungsrat unter der Leitung von Ältestenministerin Anna Tenje Maßnahmen gegen den Ausschluss von Senioren vom Arbeitsmarkt.

Der Rat bezifferte den dadurch entstehenden Verlust für das Bruttoinlandsprodukt auf jährlich 70 Milliarden Kronen. Als Gegenmaßnahme solle der Staat eine Vorbildrolle einnehmen und eine statistische Inventur durch die Rentenbehörde Pensionsmyndighet veranlassen.

In der Europäischen Union sind bereits heute über 20 Prozent der Bürger älter als 65 Jahre, ein Anteil, der bis zur Mitte des Jahrhunderts auf etwa ein Drittel anwachsen dürfte.

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Experten wie Jesús Lizcano Álvarez betonen die Notwendigkeit einer demokratisierten Alternsmedizin und fordern einen besseren Zugang zu personalisierter Prävention. Besonders in Spanien werde die Gruppe der Über-65-Jährigen in Kürze die Zahl der unter 18-Jährigen übersteigen.

Deutschlands Defizite bei der Vorsorge und Pflegefinanzierung

Im Vergleich zu diesen internationalen Bestrebungen zeigt sich in Deutschland ein deutliches Gefälle zwischen Gesundheitsausgaben und Präventionserfolg.

Obwohl die Bundesrepublik innerhalb der EU die höchsten Beträge für Gesundheit aufwendet – allein die gesetzlichen Krankenkassen zahlten im vergangenen Jahr über 360 Milliarden Euro –, entfallen lediglich 3 bis 5 Prozent dieser Mittel auf die Vorsorge. Gleichzeitig wird beobachtet, dass die Lebenserwartung sinkt und die Gesundheit der erwachsenen Bevölkerung unter dem EU-Durchschnitt liegt.

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Ein kritisches Feld bleibt die Pflegefinanzierung. Im ersten Jahr eines Heimaufenthalts liegt der durchschnittliche Eigenanteil bundesweit bei 3.364 Euro pro Monat, wie Berichte aus dem Sommer 2026 verdeutlichen. Während der Deutsche Städtetag eine Vollversicherung fordert, sehen Reformpläne der Bundesregierung höhere Beiträge für Gutverdiener und Kinderlose vor.

Regionale Lösungsansätze und finanzielle Risiken

In Bayern setzt das Gesundheitsministerium unter Judith Gerlach verstärkt auf die häusliche Pflege, die derzeit 83 Prozent der 630.000 Pflegebedürftigen im Freistaat betrifft. Seit 2020 wurden über das Programm „Pflege im sozialen Nahraum“ 10.471 Plätze mit insgesamt 486,6 Millionen Euro gefördert.

Bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg auf mindestens 980.000 Pflegebedürftige in Bayern prognostiziert. Ministerin Gerlach forderte in diesem Zusammenhang den Bund auf, bei Reformen auf Einsparungen bei Rentenansprüchen für pflegende Angehörige zu verzichten.

Die langfristige Finanzstabilität der Pflegeversicherung wird jedoch skeptisch beurteilt. Der Bundesrechnungshof kritisierte jüngst die Vergabe von Darlehen zur kurzfristigen Stabilisierung als ungeeignet.

Für das Jahr 2026 ist ein Darlehen von 3,2 Milliarden Euro vorgesehen, dessen Rückzahlung auf die Jahre 2035 bis 2039 verschoben wurde. Ohne strukturelle Reformen werden ab 2029 gravierende Finanzierungslücken erwartet, da derzeitige Puffer in der gesetzlichen Krankenversicherung fehlen.