Altersverifikation: EU bestätigt mobiles System mit Zero-Knowledge

EU führt datenschutzfreundliche Altersverifikation per Smartphone ein. TikTok-Verstoß und nationale Verbote verschärfen den Druck auf Plattformen.

Der Schutz von Minderjährigen im digitalen Raum hat innerhalb der Europäischen Union eine neue Phase erreicht. In aktuellen Mitteilungen haben EU-Vertreter die technische Einsatzbereitschaft eines neuen, mobilbasierten Programms zur Altersverifikation bestätigt. Dieses System orientiert sich technologisch an bereits etablierten Anwendungen zur Gesundheitsverfolgung und soll eine einheitliche Lösung für den digitalen Binnenmarkt bieten. Die Entwicklung geht auf eine Initiative der Europäischen Kommission zurück, die bereits im Jahr 2025 mit der Erarbeitung eines harmonisierten Systems begonnen hatte.

Technologische Grundlage und Datenschutzmechanismen

Die Architektur des Verifikationssystems basiert auf einem Modell, das bereits Mitte April 2026 von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgestellt wurde. Nutzer können dabei Dokumente wie einen Reisepass oder einen Personalausweis hochladen, um ihr Alter zu bestätigen. Ein zentraler Bestandteil der Anwendung ist die Verwendung sogenannter Zero-Knowledge-Proofs, konkret unter Anwendung des Ligero-Protokolls.

Dieses Verfahren ermöglicht es, die Volljährigkeit oder ein bestimmtes Mindestalter nachzuweisen, ohne dass dabei personenbezogene Daten gespeichert oder an die jeweiligen Plattformbetreiber übertragen werden müssen. Die Bestätigung erfolgt anonym, womit die Europäische Kommission den Anforderungen an eine datenschutzfreundliche Umsetzung begegnen will.

Regulatorischer Druck durch den Digital Services Act

Die Notwendigkeit eines solchen Systems wird durch aktuelle Aufsichtsverfahren unterstrichen. Am 24. Juli 2026 stellte die Europäische Kommission fest, dass die Videoplattform TikTok gegen Bestimmungen des Digital Services Act (DSA) verstoßen hat. In dem Verfahren wurde bemängelt, dass die Privatsphäre von Minderjährigen unzureichend geschützt war, da Profile von Jugendlichen für Erwachsene einsehbar blieben.

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Dieser Vorfall reiht sich in eine Serie regulatorischer Bemühungen ein. Bereits im November 2025 verabschiedete das Europäische Parlament eine Resolution, in der ein generelles Mindestalter von 16 Jahren für die Nutzung bestimmter Dienste gefordert wurde.

Nationale Vorstöße und zivilgesellschaftliche Initiativen

Parallel zur europäischen Ebene verschärfen einzelne Mitgliedstaaten ihre Gesetzgebung. Das französische Parlament stimmte am 21. Juli 2026 mit einer Mehrheit von 279 zu 81 Stimmen für ein Verbot sozialer Medien für Jugendliche unter 15 Jahren. Diese Regelung sieht vor, dass für neue Konten bereits ab dem 1. September 2026 strenge Vorgaben gelten, während bestehende Konten bis zum 1. Januar 2027 angepasst werden müssen.

Gleichzeitig formiert sich zivilgesellschaftlicher Widerstand gegen herkömmliche Identifikationsmethoden. Am 22. Juli 2026 registrierte die Europäische Kommission die Europäische Bürgerinitiative (ECI) „Stop Killing The Internet“. Die Organisatoren fordern eine verbindliche, aber datenschutzfreundliche Altersverifikation auf Basis von Zero-Knowledge-Proofs. Um eine rechtliche Prüfung durch die Kommission zu erzwingen, müssen innerhalb von zwölf Monaten eine Million Unterschriften aus mindestens sieben Mitgliedstaaten gesammelt werden.

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Empfehlungen für künftige Plattformpflichten

Ein EU-Expertengremium, dem unter anderem Fachleute wie Fegert und Melchior angehören, legte am 13. Juli 2026 einen Bericht vor, der über die reine Altersprüfung hinausgeht. Die Experten empfehlen darin eine deutliche Verschärfung der Plattformpflichten. Neben der verpflichtenden Altersverifikation sprachen sich die Autoren für ein Verbot von Mechanismen aus, die eine Suchtwirkung entfalten können, wie etwa das „unendliche Scrollen“ (Infinite Scrolling). Diese Empfehlungen könnten als Grundlage für künftige regulatorische Anpassungen auf EU-Ebene dienen, um die Sicherheit junger Nutzer nachhaltig zu erhöhen.