Alzheimer: Leqembi verlangsamt Krankheit um 6–9 Monate

In Magdeburg erhalten frühe Alzheimer-Fälle Lecanemab. Der Nutzen bleibt umstritten, während bundesweit rund 1.500 Patienten behandelt werden.

Mit der Einführung antikörperbasierter Therapien gegen die Alzheimer-Krankheit haben spezialisierte Zentren in Deutschland neue Behandlungswege eingeschlagen. Die Universitätsmedizin Magdeburg begann im September 2025 als zweites Zentrum bundesweit nach der Berliner Charité mit der Verabreichung des Antikörpers Lecanemab, der unter dem Handelsnamen Leqembi vertrieben wird.

Wie der Mitteldeutsche Rundfunk in einem Bericht vom 21. September 2026 darlegte, behandelt die Magdeburger Klinik seither entsprechende Patientengruppen im Rahmen dieses neuartigen Therapieansatzes.

Behandlungsschema im frühen Krankheitsstadium

Das Medikament Leqembi ist seit September 2025 auf dem deutschen Markt verfügbar. Die Zulassung beschränkt sich auf Betroffene in einem frühen Krankheitsstadium, konkret bei einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI) oder einer diagnostizierten leichten Alzheimer-Demenz. Das therapeutische Verfahren erfordert eine kontinuierliche klinische Betreuung über einen längeren Zeitraum.

An der Uniklinik Magdeburg unterzieht sich unter anderem der 57-jährige Patient Ingo Fischer dieser Medikation. Fischer erhält alle zwei Wochen eine einstündige Infusion. Der vorgesehene Behandlungsplan umfasst insgesamt rund 40 Infusionen und erstreckt sich bis März 2027.

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Bundesweite Verbreitung und fachliche Kontroversen

Die praktische Umsetzung der neuen Behandlungsmethoden bleibt vorerst auf eine begrenzte Gruppe von Betroffenen beschränkt. Nach Angaben des Alzheimer-Forschers Frank Jessen von der Uniklinik Köln werden deutschlandweit derzeit rund 1.500 Patienten mit der neuartigen Therapie versorgt.

Präparate wie Lecanemab und der Wirkstoff Donanemab sind inzwischen seit gut einem Jahr in Deutschland verfügbar. Daten aus den ersten drei Anwendungsjahren zeigen, dass die Medikamente das Fortschreiten von Alzheimer um rund sechs bis neun Monate verlangsamen können.

Dennoch wird der therapeutische Nutzen in der Fachwelt nicht einhellig bewertet. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kam bei seiner Bewertung zu dem Ergebnis, dass Lecanemab und Donanemab keinen belegten Zusatznutzen gegenüber den bisher etablierten Standardbehandlungsmethoden aufweisen.

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Demografischer Druck und regionale Unterschiede

Die Diskussion um die Wirksamkeit und Finanzierung neuer Demenzmedikamente findet vor dem Hintergrund stark steigender Fallzahlen statt. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft leben in Deutschland gegenwärtig fast 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Sollten keine wirksamen Behandlungsmethoden greifen, prognostiziert die Organisation bis zum Jahr 2050 einen Anstieg auf 2,3 bis 2,6 Millionen Betroffene.

Besonders ausgeprägt ist die demografische Betroffenheit in den ostdeutschen Bundesländern. Bei den Menschen ab einem Alter von 65 Jahren verzeichnen Sachsen und Sachsen-Anhalt mit jeweils 2,6 Prozent die bundesweit höchste Demenzrate, dicht gefolgt von Thüringen mit einem Anteil von 2,5 Prozent.

Vor diesem regionalen Hintergrund kommt universitären Behandlungszentren wie jenen in Magdeburg und Berlin bei der praktischen Erprobung und Evaluierung der Antikörpertherapien eine Schlüsselrolle zu.