Amazon-Lager: Beschäftigte berichten EU-Abgeordneten von KI-Überwachung

Nach Besuchen in Deutschland und Polen verlangen EU-Abgeordnete verbindliche Regeln für algorithmische Arbeitssteuerung.

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Eine Delegation des Beschäftigungsausschusses des Europäischen Parlaments hat nach Besuchen europäischer Amazon-Logistikzentren schwere Vorwürfe gegen den Onlinekonzern erhoben. Die Abgeordneten untersuchten am 26. und 27. Oktober 2026 Standorte in Deutschland und Polen, darunter Logistikzentren in Dortmund, Mönchengladbach und Sosnowiec mit insgesamt rund 5.000 Beschäftigten.

Im Mittelpunkt der parlamentarischen Erkundung standen Zeugenaussagen von Arbeitern über erheblichen psychischen und physischen Druck, der durch den Einsatz künstlicher Intelligenz und algorithmischer Systeme zur Arbeitsüberwachung entstehe.

Leistungsdruck und Überwachung im Arbeitsalltag

Die Kontrolle der Beschäftigten in den Lagern erfolgt nach Angaben von Arbeitern lückenlos über Sicherheitskameras, Scans der Zugangsausweise und fortlaufend registrierende Handscanner.

Eine Umfrage der Gewerkschaft UNI Europa aus dem Jahr 2023 belegt, dass etwa die Hälfte der Amazon-Beschäftigten über negative Auswirkungen dieser Praxis auf ihre psychische und körperliche Gesundheit berichtete. Agata Wypiór, Funktionärin der Gewerkschaft Solidarność, erklärte, dass der permanente Bewertungsdruck für die Angestellten psychisch kaum noch zu bewältigen sei.

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Eine gewerkschaftliche Petition verweist zudem darauf, dass die algorithmischen Bewertungssysteme technische Ausfälle, Gerätefehler und Lieferverzögerungen systematisch ignorierten und die Verantwortung einseitig auf das Personal abwälzten.

Die Leiterin der parlamentarischen Delegation, Li Andersson von der Fraktion Die Linke, beschrieb die Situation vor Ort als digitales Überwachungssystem, in dem Leistungsvorgaben durch intransparente Algorithmen unsichtbar geregelt würden.

Beschäftigte, die ihr Tempo steigerten, sähen sich unmittelbar mit noch höheren Zielvorgaben konfrontiert, ohne Einsicht in die Erhebung ihrer Leistungsdaten zu erhalten. Andersson bezeichnete die Praxis als bedenkliches Beispiel für das US-amerikanische Arbeitsmarktmodell und betonte, dass Gewerkschaftsmitglieder und Streikende unter Druck gesetzt oder entlassen würden.

Forderung nach verbindlichen EU-Regularien

Unterstützung erhielt die Delegationsleiterin von weiteren Ausschussmitgliedern, darunter Estelle Ceulemans von der sozialdemokratischen Fraktion S&D. Ceulemans verwies auf überhöhte Produktivitätsziele und forderte verbindliche europäische Vorgaben sowie die Einführung eines Gesetzes für hochwertige Arbeitsplätze.

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Auch Oliver Roethig von der Gewerkschaft UNI Europa stellte fest, dass Amazon überdurchschnittlich hohe Krankheitsraten aufweise und auf krankheitsbedingte Fehlzeiten mit Einschüchterung und Sanktionen reagiere. Beschäftigte berichteten den Abgeordneten zudem, dass das Management Tarifverhandlungen wiederholt verweigert habe.

Amazon-Sprecherin Natalia Yakimiuk hatte die Vorwürfe zur Arbeitsplatzüberwachung bereits bei einer früheren Anhörung am 28. Januar zurückgewiesen. In Polen zahlt das Unternehmen seit dem 1. Oktober Monatsgehälter zwischen 6472 und 8404 Złoty brutto inklusive einer 15-prozentigen Anwesenheitsprämie und plant für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft den Einsatz von über 10.000 Saisonkräften.

Zuspitzung im Vorfeld neuer Gesetzesinitiativen

Der Konflikt zwischen dem EU-Parlament und dem Handelsriesen reicht mehrere Jahre zurück. Nach Auseinandersetzungen über Arbeitsbedingungen während der Pandemie und der Weigerung von Unternehmensvertretern, an parlamentarischen Anhörungen teilzunehmen, entzog das Parlament den Lobbyisten des Konzerns am 27. Februar 2024 die Zugangsausweise. Seit Anfang 2026 läuft ein Prozess zur Wiederherstellung der Akkreditierung.

Die Delegationsreise markiert den Auftakt zu weiteren arbeitsrechtlichen Schritten auf EU-Ebene. Gewerkschaften bereiten für den 27. November 2026 weltweite Proteste unter dem Motto Make Amazon Pay vor.

Auf europäischer Ebene wird der Gesetzesvorschlag der EU-Kommission für hochwertige Arbeitsplätze für Dezember erwartet. Arbeitnehmervertreter fordern darin strenge Schutzmaßnahmen gegen die algorithmische Steuerung am Arbeitsplatz sowie Vorkehrungen gegen die Risiken der Digitalisierung für soziale Sicherungssysteme.