Der US-Konzern plant ein eigenes Satellitennetzwerk für Handys – und fordert damit SpaceX heraus.
Amazon hat bei der US-Regulierungsbehörde FCC den Antrag für ein massives Satelliten-Netzwerk eingereicht. 5.105 Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn sollen künftig Sprach-, Nachrichten- und Datendienste direkt auf handelsübliche Smartphones bringen – ohne spezielle Hardware. Die Einreichung vom 24. und 25. Juli 2026 umfasst Pläne für ein sogenanntes Direct-to-Device-Netzwerk (D2D), das auch Internet-of-Things-Geräte (IoT) versorgen soll.
Die Technik hinter dem Mega-Projekt
Das neue Satellitennetzwerk ergänzt Amazons bestehendes Leo-Breitbandsystem. Die Satelliten nutzen das S- und L-Band-Spektrum, das der Konzern durch die Übernahme von Globalstar erworben hat. Sie sollen in fünf Orbitalringen in 510 bis 580 Kilometern Höhe stationiert werden.
Die technische Ausstattung ist beachtlich: Digitale Beamforming-Technologie, Beam-Hopping und Phased-Array-Antennen ermöglichen flexible Signalausrichtung. Optische Verbindungen zwischen den Satelliten sorgen für schnellen Datentransfer im All. Jeder Satellit hat eine geplante Lebensdauer von sechs bis acht Jahren – danach erfolgt ein kontrolliertes Verglühen, um Weltraumschrott zu vermeiden.
Milliarden-Deal mit Apple im Rücken
Das Herzstück des neuen Telekommunikationsprojekts ist Amazons 11,6 Milliarden Euro schwere Übernahme von Globalstar. Der Deal wurde im April 2026 angekündigt, der finale Abschluss wird für 2027 erwartet.
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Diese Infrastruktur ist die Basis für eine Partnerschaft mit Apple. Das Satellitennetzwerk soll spezielle Funktionen für iPhone und Apple Watch ermöglichen: Notruf SOS, Satelliten-Nachrichten, Ortungsdienste und Pannenhilfe. Die Nutzer brauchen kein spezielles Gerät – das System arbeitet nahtlos mit vorhandenen Smartphones zusammen.
Neben Apple hat Amazon Kooperationen mit Vodafone, DirecTV und HeroTel geschlossen. Mögliche Anwendungen reichen von Flottenmanagement über Katastrophenhilfe bis zu großflächigen IoT-Netzwerken.
Zeitplan und Startvorbereitungen
Der Aufbau des D2D-Netzwerks soll Anfang 2028 beginnen. Bis dahin treibt Amazon sein ursprüngliches Leo-Breitbandprojekt voran: Über 390 Satelliten sind bereits im Orbit. Der erste Breitbanddienst soll noch in diesem Jahr starten.
Die FCC hatte Amazon eine Fristverlängerung für den Start der ersten 1.600 Breitband-Satelliten gewährt – eigentlich wäre die Frist im Juli 2026 abgelaufen. Bis Juli 2029 muss der Konzern jedoch seine gesamte Flotte von 3.232 Satelliten im All haben. Zur Unterstützung hat Amazon am Kennedy Space Center eine 9.300 Quadratmeter große Verarbeitungsanlage für Satelliten errichtet.
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Wettlauf mit SpaceX und Risiken
Mit dem Vorstoß in den D2D-Markt verschärft Amazon den Wettbewerb mit SpaceX. Elon Musks Firma entwickelt einen eigenen Starlink-Mobilfunkdienst. Amazons Vorteil: Durch die Globalstar-Übernahme verfügt der Konzern über exklusive Frequenzbänder.
Doch es gibt Hürden. Die Startkapazität ist ein kritischer Faktor. Blue Origin, das für mehrere Amazon-Starts verantwortlich ist, hatte im Mai 2026 eine Anomalie an der Startrampe seiner New-Glenn-Rakete. Solche Verzögerungen könnten den ambitionierten Zeitplan gefährden.
Die Satellitenbranche befindet sich in einer Konsolidierungswelle. Neben Amazons Globalstar-Deal wurde kürzlich Rocket Labs Übernahme von Iridium für acht Milliarden Euro abgeschlossen – ein Zeichen für das rasante Wettrennen um die Vorherrschaft im Weltraum-Telekommunikationsmarkt.

