Amazon plant mit „Transformer“ die Rückkehr ins Smartphone-Geschäft

Amazon entwickelt unter dem Codenamen Transformer ein KI-gesteuertes Smartphone, das auf Apps verzichtet und Alexa als zentrale Schnittstelle nutzt. Das Projekt wird von erfahrenen Hardware-Veteranen geleitet.

Mehr als ein Jahrzehnt nach dem spektakulären Flop des Fire Phone wagt sich Amazon erneut auf den hart umkämpften Smartphone-Markt. Unter dem Codenamen „Transformer“ entwickelt der Konzern ein KI-gesteuertes Mobilgerät, das herkömmliche Betriebssysteme überflüssig machen soll. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf interne Quellen.

Alexa im Zentrum einer neuen Geräte-Philosophie

Das Projekt, das sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet, stellt einen radikalen Strategiewechsel dar. Statt auf Apps setzt Amazon vollständig auf künstliche Intelligenz. Die eigene Sprachassistentin Alexa soll zur zentralen Schnittstelle werden und den Nutzer durch den Tag begleiten.

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Die Vision: Ein persönlicher digitaler Assistent, der nahtlos in Amazons Ökosystem eingebettet ist. Nutzer könnten per Sprachbefehl Essen bestellen, Prime-Video-Inhalte streamen oder direkt im Amazon-Marktplatz einkaufen. Das Gerät soll Bedürfnisse antizipieren, anstatt auf manuelle App-Nutzung angewiesen zu sein. Für den Konzern birgt dieser Ansatz einen entscheidenden Vorteil: Er umgeht die etablierten App-Stores von Apple und Google und bindet Kunden enger an eigene Dienste.

Erfahrene Hardware-Veteranen führen das Projekt

Die Entwicklung des „Transformer“ leitet die interne Einheit ZeroOne, die vor einem Jahr gegründet wurde, um bahnbrechende Konsumelektronik zu entwickeln. Die Führungspositionen besetzen zwei Schwergewichte der Branche.

Die gesamte Devices- und Services-Sparte leitet Panos Panay, der Ende 2023 von Microsoft zu Amazon wechselte. Er soll die Profitabilität der Hardware-Produkte steigern. Das ZeroOne-Team führt direkt J Allard an, ein Veteran, der maßgeblich an der Xbox und dem Zune-Player von Microsoft beteiligt war. Seine Ernennung 2024 unterstreicht, wie ernst es Amazon mit der Überwindung seines Hardware-Images ist.

Zwei Geräte-Strategie: Vom Flaggschiff zum „Dumbphone“

Interessant ist Amazons taktischer Ansatz: Statt auf ein einziges Gerätemodell setzt der Konzern auf eine Dual-Formfaktor-Strategie.

Zum einen arbeitet das Team an einem vollwertigen Flaggschiff-Smartphone, das mit aktuellen Top-Geräten konkurrieren soll. Parallel wird ein minimalistischer Begleiter entwickelt – eine Art „Dumbphone“ im Stil des 700-Dollar-teuren Light Phone. Dieses Gerät würde auf Webbrowser und Social Media verzichten und sich auf Grundfunktionen wie Kamera, Kalender und Kartendienste konzentrieren.

Diese Strategie trifft den Nerv der Zeit. Laut Marktforscher Counterpoint machten Minimal-Handys und Klapphandys 2025 bereits 15 Prozent des weltweiten Absatzes aus. Ein solches Gerät könnte als Zweithandy für Nutzer dienen, die ihre Bildschirmzeit reduzieren wollen – eine wachsende Zielgruppe, besonders in datenschutzsensiblen Marken wie Deutschland.

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Lehren aus der Vergangenheit und der aktuelle KI-Trend

Amazons Rückkehr ist ein Wagnis mit historischem Ballast. Der Fire Phone von 2014 wurde nach nur 14 Monaten und einem Verlust von 170 Millionen Dollar eingestellt. Das Gerät litt unter Akkuproblemen und einem Mangel an populären Apps.

Doch die Ausgangslage hat sich fundamental geändert. Die gesamte Tech-Branche befindet sich im KI-Hardware-Rausch. Während frühe KI-Gadgets wie der Humane AI Pin oder das Rabbit R1 noch an Akzeptanzproblemen litten, arbeiten nun alle großen Player – von Apple über Meta bis OpenAI – an eigenen KI-Integrationen.

Amazon bringt entscheidende Trümpfe mit: Eine weltweit führende Cloud-Infrastruktur und eine kürzlich mit generativer KI aufgerüstete Alexa. Ein eigenes Smartphone würde dem Konzern zudem direkten Zugang zu wertvollen Nutzerdaten verschaffen, die bisher über rivalisierende Betriebssysteme fließen.

Unklarer Zeitplan und europäische Chancen

Trotz der detaillierten Berichte steht ein Marktstart noch in den Sternen. Amazon hat nach Reuters-Informationen noch keine Gespräche mit Mobilfunkanbietern geführt. Budgets und Zeitpläne sind nicht finalisiert. Das Projekt könnte bei strategischen Kurswechseln auch still eingestellt werden.

Sollte der „Transformer“ Realität werden, könnte er die Mobilfunkbranche neu justieren. Besonders der minimalistisch-entschleunigende Ansatz könnte in Europa auf Interesse stoßen – vorausgesetzt, das Gerät erfüllt die strengen EU-Datenschutzstandards. Für Amazon wäre es der lang ersehnte Durchbruch im Hardware-Geschäft.