Amazon bricht mit seiner bisherigen Strategie und will seine hauseigenen KI-Chips künftig direkt an andere Unternehmen verkaufen. Bisher waren die Trainium-Prozessoren nur über die Cloud-Sparte AWS verfügbar.
Der Schritt markiert eine Zeitenwende für Amazon Web Services. Statt eines geschlossenen Cloud-Ökosystems wird der Konzern zum direkten Hardware-Lieferanten – und tritt damit in direkte Konkurrenz zum Branchenprimus Nvidia. Peter DeSantis, Amazons Vizepräsident für KI, bestätigte am Donnerstag und Freitag, dass das Unternehmen Gespräche mit potenziellen Käufern für die Trainium-Chip-Reihe führt.
Warum Amazon den Kurs wechselt
Anzeige: Amazon öffnet den Direktverkauf seiner Trainium-Chips – ein Wendepunkt für Rechenzentren, die sich von Nvidias CUDA-Plattform lösen wollen. Doch die Produktion ist begrenzt, und erste Kapazitäten sind bereits ausverkauft. Wer jetzt handelt, sichert sich einen Wettbewerbsvorteil. Jetzt kostenlosen Strategie-Report anfordern
Hintergrund der Entscheidung ist der weltweit explodierende Bedarf an KI-Infrastruktur. Hinzu kommt die wachsende Nachfrage nach sogenannten „souveränen Cloud-Lösungen“, besonders in Europa. DeSantis betonte, dass der externe Verkauf der Chips dem Cloud-Geschäft nicht schaden werde. Er sprach von einer globalen Unterversorgung bei KI-Rechenleistung.
Mit diesem Schritt folgt Amazon dem Vorbild von Alphabet. Der Google-Mutterkonzern bietet seine Tensor Processing Units (TPUs) bereits externen Partnern an.
Milliardenmarkt in Sicht
Die finanziellen Dimensionen sind gewaltig. Amazons CEO Andy Jassy hatte bereits im April bekannt gegeben, dass die hauseigene Chip-Sparte – zu der neben Trainium auch die Graviton- und Nitro-Familien gehören – einen annualisierten Umsatz von rund 20 Milliarden Dollar erzielt. Jassy spekulierte damals, dass ein eigenständiger Chip-Anbieter sogar auf 50 Milliarden Dollar kommen könnte.
Noch beeindruckender: Der Gesamtwert gesicherter Verträge für Trainium-Projekte soll bereits 225 Milliarden Dollar übersteigen. Die Anleger reagierten begeistert: Nach Bekanntgabe der Pläne legte die Amazon-Aktie um knapp drei Prozent auf 244,39 Dollar zu.
Lieferengpässe als Bremse
Doch der Expansionskurs hat ein Problem: Die Produktionskapazitäten sind begrenzt. Die aktuelle Trainium-3-Generation gilt bereits als weitgehend ausverkauft. Das Interesse verlagert sich schon jetzt auf den Nachfolger Trainium 4, der erst nächstes Jahr erscheinen soll – und ebenfalls bereits stark vorgebucht ist.
Amazon muss sich zudem die Fertigungskapazitäten bei TSMC mit Nvidia teilen, das dort der mit Abstand größte Kunde ist. Um sich abzuheben, setzt der Konzern auf Leistungsdaten: Das KI-Startup Odyssey erreichte auf Trainium-3-Hardware eine Auslastung von 80 Prozent – deutlich über dem Branchenschnitt von 40 bis 50 Prozent.
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Große Namen setzen auf Amazon-Chips
Mehrere bekannte Tech-Firmen nutzen bereits Trainium-Prozessoren. Anthropic setzt rund 500.000 Chips für seine KI-Projekte ein. OpenAI hat angekündigt, ab 2027 eine Kapazität von zwei Gigawatt auf Trainium-Basis zu sichern. Auch Uber und spezialisierte Startups wie Neura Robotics und Poolside gehören zu den Nutzern.
Trotz aller Ambitionen: Nvidia hat mit seiner etablierten CUDA-Software-Plattform einen tiefen Wettbewerbsvorteil. Doch der KI-Infrastruktur-Markt fragmentiert zunehmend. Amazons Vorstoß, eigene Chips direkt an Rechenzentren zu verkaufen, läutet eine neue Phase des Wettbewerbs ein. Weitere Details erwartet der Markt am 30. Juli, wenn Amazon seine Quartalszahlen vorlegt.

