AMD erhöht GPU-Preise um 10%: Grafikspeicher verdreifacht sich

AMD hebt Grafikprozessor-Preise wegen explodierender Speicherkosten an. Branchenweite Knappheit und teure KI-Nachfrage belasten den gesamten Hardware-Markt.

Die angespannte Lage auf dem Halbleitermarkt verschärft sich weiter. Wie das Unternehmen AMD am 31. Juli mitteilte, werden die Preise für Radeon-Grafikprozessoren (GPUs) und GDDR6-Speicherkits ab August 2026 um mindestens 10 Prozent angehoben. Damit reagiert der Chiphersteller auf massiv gestiegene Materialkosten und folgt dem Wettbewerber Nvidia, der seine Preise bereits zuvor angepasst hatte.

Massive Kostensteigerungen bei Grafikspeicher und Materialien

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der drastische Preisanstieg bei Grafikspeicher. Die Spotpreise für GDDR6-Module sind seit Ende 2025 von etwa 2,50 US-Dollar auf rund 7,50 US-Dollar pro Gigabyte gestiegen, was einer Verdreifachung entspricht. Branchenexperten weisen darauf hin, dass der Speicher bei bestimmten Grafikkartenmodellen mittlerweile über 80 Prozent der gesamten Materialkosten ausmacht.

Für AMD ist dies bereits die zweite Preisanpassung im laufenden Jahr, nachdem bereits im Juli eine Erhöhung vorgenommen wurde. Die Auswirkungen für Endverbraucher sind deutlich: Während die unverbindliche Preisempfehlung (MSRP) für eine Radeon RX 9050 bei 279 US-Dollar liegt, werden im Handel bereits reale Preise von über 450 US-Dollar aufgerufen. Bei Modellen von Board-Partnern werden teilweise über 500 US-Dollar fällig. Auch die RX 9070 XT, deren Listenpreis mit 599 US-Dollar angegeben wird, wird am Markt aktuell für 700 bis 750 US-Dollar gehandelt.

Wettbewerber Nvidia und die globale Speicherknappheit

AMD ist mit dieser Strategie nicht allein. Nvidia hat die Preise für die RTX-50-Serie bereits zum dritten Mal in diesem Jahr angehoben, wobei Steigerungen von bis zu 30 Prozent verzeichnet wurden. Eine RTX 5090, ursprünglich mit einem MSRP von 1.999 US-Dollar angekündigt, kostet derzeit zwischen 4.300 und 5.000 US-Dollar. Als Grund nennt das Unternehmen unter anderem die hohen Kosten für den neuen GDDR7-Speicher. Ein 2GB-Modul wird hier mit etwa 20 US-Dollar veranschlagt, während 3GB-Module zwischen 60 und 70 US-Dollar liegen.

Die globale Speicherknappheit, in Fachkreisen bereits als „RAMaggedon“ bezeichnet, resultiert vor allem aus der hohen Nachfrage nach HBM-Speicher für KI-Anwendungen. Führende Hersteller wie Samsung und SK Hynix konzentrieren ihre Kapazitäten auf diesen Bereich. Samsung hat die Preise für DRAM bereits um 20 Prozent erhöht. Laut Einschätzungen von Analysten der Yorkville Ives & Co. übersteigt die Nachfrage nach KI-Chips das Angebot derzeit im Verhältnis von 15 zu 1. Da Kapazitäten bei Auftragsfertigern wie TSMC und Speicherbestände von SK Hynix, Samsung und Micron für die nächsten 12 bis 15 Monate weitgehend ausgebucht sind, wird vor Ende 2026 keine Entspannung erwartet.

Lieferkettenprobleme belasten den gesamten Hardware-Sektor

Zusätzlich zur Speicherproblematik belasten geopolitische Konflikte in Westasien die Produktion von Leiterplatten (PCBs). Ein Angriff im Iran traf einen wichtigen Lieferanten für Spezialchemikalien, der 80 Prozent des Weltmarktes abdeckt. In der Folge stiegen die Preise für Epoxidharz um 70 Prozent, während sich Glasgewebe preislich verdoppelte. Weltweit haben sich PCBs dadurch um mehr als 20 Prozent verteuert.

Diese kumulierten Kostensteigerungen betreffen nicht nur den PC-Markt. Ab dem 1. September steigen auch die Preise für Spielkonsolen: Die Xbox Series X wird auf 799,99 US-Dollar angehoben, die Nintendo Switch 2 soll für 499,99 US-Dollar in den Handel kommen. Marktforscher von Omdia prognostizieren zwar ein Wachstum des Halbleiterumsatzes von 94,1 Prozent bis Ende 2026, warnen jedoch gleichzeitig vor anhaltenden Engpässen. Der CEO von SK Hynix bezeichnete das Jahr 2027 bereits als das voraussichtlich schwierigste Jahr für die Angebotsseite, eine vollständige Normalisierung wird erst für 2028 in Aussicht gestellt.