Der KI-Boom treibt die Preise für Grafikkarten in die Höhe – doch in Japan signalisieren jetzt sinkende Preise für AMD-Modelle eine erste Konsumenten-Revolte. Die künstliche Intelligenz hat den Markt für Grafikkarten erfasst und lässt die Preise explodieren. Jetzt zeigt sich in einem Schlüsselmarkt erstmals Widerstand.
Japan als Vorbote: Preise fallen um bis zu 20 Prozent
Nach monatelangen Steigerungen dreht sich der Trend in Japan. Händler haben die Preise für die High-End-Modelle Radeon RX 9070 XT und RX 9060 XT 16GB um 15 bis 20 Prozent gesenkt. Grund ist eine nachlassende Nachfrage. Diese regionale Entwicklung steht im krassen Gegensatz zum globalen Bild: Weltweit stieg der Preis für die RX 9060 XT in den letzten drei Monaten um 15 Prozent, in den USA sogar um 21 Prozent. Ein klares Zeichen dafür, dass die Schmerzgrenze der Käufer erreicht sein könnte.
Der Preistreiber: KI löste eine Speicher-Krise aus
Die Ursache für die allgemeine Preisspirale liegt in einer dramatischen Verknappung von Hochleistungs-Arbeitsspeicher. Die für Gaming-Grafikkarten essenziellen GDDR6- und GDDR7-Speicherchips sind auch das Herzstück von KI-Beschleunigern. Die Nachfrage aus Rechenzentren hat die Kosten explodieren lassen. Der Speicher macht inzwischen bis zu 80 Prozent der Herstellungskosten einer Grafikkarte aus.
Allein der Preis für ein 16-Gigabit-Speichermodul stieg in der zweiten Hälfte 2025 von rund 5 auf über 20 US-Dollar. Diese Kosten geben AMD und der Konkurrent Nvidia an die Kunden weiter. Analysten warnen seit Monaten vor den Folgen des „unersättlichen“ KI-Hungers für die gesamte Elektronikbranche.
Die Konsumenten wehren sich – doch wie lange?
Die japanischen Preisnachlässe sind ein Signal: Während die gewinnträchtige KI-Industrie hohe Kosten schluckt, reagieren Privatkunden zunehmend preissensibel. Der durchschnittliche Grafikkarten-Preis ist branchenweit in drei Monaten um 15 Prozent gestiegen. Die aktuelle Volatilität zeigt den Konflikt: Die Industrienachfrage setzt eine hohe Kostengrundlage, aber der Endverbraucher bestimmt den Ladenpreis – und dessen Zahlungsbereitschaft scheint zu schwinden.
AMDs Strategie: Fokus auf günstigere 8GB-Modelle?
Angesichts dieser Marktdynamik passt AMD offenbar seine Strategie an. Berichten zufolge konzentriert sich das Unternehmen vermehrt auf Karten mit 8 GB VRAM, wie die Radeon RX 9060 XT. Die Produktion der teureren 16GB-Varianten für den Massenmarkt wird wohl zurückgefahren. Das Ziel: Gamern, die aus dem High-End-Segment gepreist werden, noch erschwingliche Produkte anbieten.
Breitere Branchengerüchte deuten zudem an, dass AMD und Nvidia 2026 die Einführung neuer Consumer-Grafikkarten reduzieren könnten. Die Priorität liege auf der Entwicklung hochprofitabler KI- und Server-Chips. Für Gamer könnte das weniger Auswahl und längere Lebenszyklen der aktuellen Generation bedeuten – was die Preise für bestehende Modelle stabil halten würde.
Ausblick: Anhaltende Volatilität statt Entspannung
Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Der globale Speicher-Engpass, angetrieben durch die KI, wird voraussichtlich bis 2027 oder 2028 bestehen bleiben, bis neue Fabriken anlaufen. Für Verbraucher bedeutet das: Die Ära vorhersehbarer Preis-Leistungs-Verbesserungen mit jeder Generation ist vorbei.
Die Preise werden weiter schwanken, getrieben vom Wettstreit zwischen industrieller Nachfrage und der Kauflaune der Gamer. AMDs Geschäftserfolg hängt zunehmend vom Rechenzentren-Geschäft ab. Für die treue Gaming-Community hingegen beginnt eine Phase der Ungewissheit. Der Traum von der High-End-Grafikkarte könnte auf absehbare Zeit ein Luxus bleiben.





