Im Rahmen der Branchenveranstaltung „Advancing AI“ hat der Halbleiterhersteller AMD eine deutliche strategische Kampfansage an den Marktführer Nvidia formuliert. Laut AMD-Führungskräften verliere die proprietäre Softwareplattform CUDA, die bisher als wesentlicher Wettbewerbsvorteil von Nvidia galt, zunehmend an Bedeutung für Betreiber großer Rechenzentren. Parallel dazu präsentierte das Unternehmen mit dem Helios-System eine neue Infrastruktur-Lösung, die in direkter Konkurrenz zu Nvidias neuester Chip-Generation steht.
Andrew Dieckman, Corporate Vice President bei AMD, erläuterte in einem Briefing zur Veranstaltung, dass das Thema CUDA für Großkunden mittlerweile zu einem Randaspekt geworden sei. Dieckman zufolge finden derzeit fast keine Gespräche mehr über diese Software-Barriere statt. Grund dafür sei die Entwicklung, dass Unternehmen vermehrt auf höheren Abstraktionsebenen programmieren. Zudem würden verstärkt KI-Agenten eingesetzt, um Anwendungen gezielt für die AMD-Plattform zu optimieren. Damit greift der Konzern das bisherige Hauptargument für Nvidias Marktmacht – das tief verwurzelte Software-Ökosystem – frontal an.
Helios-System soll neue Leistungsmaßstäbe setzen
Zentraler Bestandteil der Produktoffensive ist das Helios Rack-Scale-KI-System, das sich laut Unternehmensangaben bereits in Produktion befindet. Die Auslieferungen sollen im dritten Quartal 2026 beginnen. Das System integriert die neuen Instinct MI455X-Beschleuniger mit Epyc 9006 „Venice“-Prozessoren und nutzt Pensando-Networking-Technologie sowie die hauseigene ROCm-Software.
Die technischen Spezifikationen des MI455X-Beschleunigers unterstreichen AMDs Ambitionen im High-End-Segment: Der Chip verfügt über 320 Milliarden Transistoren und bietet einen HBM4-Speicher von 432 GB bei einer Bandbreite von 23,3 TB/s. Die Rechenleistung wird mit 40,26 PF MXFP4 angegeben. Ein einzelnes Helios-Rack verbindet 72 dieser Grafikeinheiten und stellt damit eine Gesamtkapazität von 31 TB HBM4 zur Verfügung.
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Wettbewerbsvergleich und wirtschaftliche Ziele
AMD verglich die Leistungsdaten des neuen Systems explizit mit der Konkurrenzplattform Nvidia Vera Rubin NVL72. Dabei beansprucht das Unternehmen für Helios eine um 15 % höhere KI-Rechenleistung sowie jeweils 50 % mehr Speicher und Scale-Out-Bandbreite. Auch bei der Wirtschaftlichkeit sieht sich AMD im Vorteil und gibt an, dass das System rund 30 % mehr Tokens pro investiertem Dollar generiere als das Vergleichssystem von Nvidia. Die Epyc Venice-CPUs mit 256 Kernen sollen zudem den 2,2-fachen Durchsatz im Vergleich zur Vera-Lösung erzielen, die über 88 Kerne verfügt.
Als Kunden für das Helios-System nannte AMD namhafte Technologiekonzerne, darunter Microsoft, Meta, Oracle, OpenAI und Anthropic. In Anthropic hat AMD zudem eine Investition von bis zu 5 Milliarden US-Dollar getätigt. CEO Lisa Su betonte, dass der Konzern einen eigenständigen Weg verfolge, der auf einer Chiplet-Architektur und einem offenen Ökosystem basiere, um die Marktposition von Nvidia herauszufordern.
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Trotz der technologischen Fortschritte und der Prognose, dass der Markt für KI-Beschleuniger bis zum Jahr 2030 auf ein Volumen von 1,4 Billionen US-Dollar anwachsen wird, reagierten die Anleger zunächst vorsichtig. Die Aktie von AMD verzeichnete am Tag der Ankündigungen einen Rückgang von 2 %. Für die weitere Planung gab das Unternehmen bekannt, dass die erste Ausbaustufe der Helios-Systeme mit einer Leistung von einem Gigawatt in der ersten Jahreshälfte 2027 ans Netz gehen soll. Für das gleiche Jahr ist zudem die Einführung der nachfolgenden MI500-Serie vorgesehen.

