Der taiwanische Hardware-Hersteller Giga Computing hat eine Partnerschaft mit dem europäischen Cloud-Anbieter Scaleway geschlossen. Im Rahmen der Fachkonferenz ai-PULSE in Paris kündigten beide Unternehmen am 13. Oktober 2026 den Aufbau einer neuen KI- und Cloud-Plattform an, die auf AMD-Instinct-Grafikprozessoren basiert. Die Gigabyte-Tochter Giga Computing übernimmt dabei die Bereitstellung der Kernserver für Rechenleistung, Speicher und Flüssigkühlung.
Serverarchitektur mit AMD-Technologie
Die technische Basis der Zusammenarbeit bilden Server des Typs Gigabyte G4L3-ZX1-LAT4 DLC. Jedes dieser Systeme verfügt über acht AMD Instinct MI355X GPUs sowie zwei AMD EPYC 9005 CPUs. Die Rechnerarchitektur ist primär auf das Training großer Sprachmodelle und Inferenzanwendungen mit hohem Durchsatz ausgelegt.
Wie Giga-Computing-General-Manager Hou Chih-jen hervorhob, demonstriere der Dienst für Scaleway eine ganzheitliche Integration aus High-Performance-Computing, effizienter Kühlung und einem Infrastruktur-Ökosystem, das auf souveräne KI abzielt. Albane Bruyas, COO von Scaleway, erklärte, Ziel des Projekts sei es, Kunden skalierbare Rechenleistung über eine effiziente Infrastruktur bereitzustellen.
Die verwendeten Beschleuniger der AMD-Instinct-MI350-Familie arbeiten auf Basis der vierten Generation der CDNA-Architektur. Nach Angaben von AMD bietet ein einzelner MI355X-Chip 288 Gigabyte HBM3E-Speicher bei einer Speicherbandbreite von bis zu 8 Terabyte pro Sekunde und erzielt eine theoretische Matrixleistung von bis zu 10,1 Petaflops im MXFP4- und MXFP6-Format. In einer Plattform mit acht Recheneinheiten summiert sich der aggregierte HBM3E-Speicher auf rund 2,3 Terabyte.
Europäische Expansion über Schweden
Scaleway, die Cloud-Tochter der französischen iliad-Gruppe, baut mit dem Projekt ihr erstes System außerhalb Frankreichs auf. Das Vorhaben in Schweden bezeichnet der Anbieter als ersten kommerziellen AMD-KI-Supercomputer Europas.
Nach Medienberichten soll die Anlage in Stockholm 696 AMD MI355X GPUs umfassen und auf der Softwareplattform AMD ROCm aufsetzen. Angaben zu Leistungsaufnahme, Preisgestaltung oder einem konkreten Starttermin wurden bislang nicht veröffentlicht.
Die Standortentscheidung für Schweden begründet das Unternehmen mit einer weitgehend kohlenstoffarmen Stromversorgung, der Kundennähe und den klimatischen Bedingungen vor Ort, die zur Reduzierung des Kühlaufwands beitragen. Den schwedischen Markteintritt vollzog Scaleway im Mai 2026 in Zusammenarbeit mit Tele2.
Für die Errichtung der Infrastruktur arbeitet Scaleway mit einem Netzwerk mehrerer Industriepartner zusammen. Neben AMD als Chiphersteller und Softwarelieferant sowie Giga Computing für die Serversysteme ist Bull für Rackintegration, Installation, Kühlung und Wartung zuständig.
HPE Networking stellt die Ethernet-Netzwerktechnik bereit, VAST Data liefert die Daten- und Speicherplattform, und der Schmierstoffspezialist Motul steuert die Kühlflüssigkeit bei.
Diversifizierung und digitale Souveränität
Scaleway-CEO Damien Lucas verwies am Tag der Ankündigung auf die Nachfrage europäischer Organisationen nach verlässlichen Alternativen und betonte die Immunität gegenüber extraterritorialen Gesetzen. Der Einsatz von AMD-Hardware diene zudem als Redundanz gegenüber einseitigen Risiken, auch wenn die Chips weiterhin in den USA entwickelt werden.
Parallel zum schwedischen Vorhaben gab Scaleway am 13. Oktober 2026 weitere Ausbauschritte bekannt. Dazu zählt eine neue GPU-Zone in Kopenhagen auf Basis von Nvidias HGX B300, zu deren ersten dänischen Kunden die Stadt Kopenhagen und das KI-Unternehmen Corti gehören.
In Mailand eröffnete der Anbieter zwei neue Verfügbarkeitszonen, womit dort drei Zonen aktiv sind. Für das Jahr 2027 plant das Unternehmen je drei Zonen in Frankfurt und Stockholm. Langfristig strebt der Cloud-Betreiber an Standorten wie Paris, Kopenhagen und Stockholm den Einsatz von zehntausenden GPUs und dutzenden Megawatt Rechenleistung an.

