Chipriese setzt bei „Olympic Ridge“ auf KI statt Grafik – und spart Kosten.
AMD bereitet einen grundlegenden Strategiewechsel für seine Desktop-Prozessoren vor. Die kommende Ryzen-10000-Serie mit dem Codenamen „Olympic Ridge“ könnte erstmals auf eine integrierte Grafikeinheit (iGPU) verzichten. Stattdessen soll ein spezieller KI-Chip, eine sogenannte Neural Processing Unit (NPU), Einzug halten. Das geht aus Branchenkreisen hervor, die Details zu den Plänen des US-Chipherstellers durchsickern ließen.
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KI-Pflicht statt Grafik-Komfort
Der Schritt ist strategisch kalkuliert: Mit einer NPU, die mehr als 40 Billionen Operationen pro Sekunde (TOPS) leisten soll, will AMD die Anforderungen von Microsofts Copilot+-Zertifizierung für KI-PCs erfüllen. Der Verzicht auf die iGPU – in den letzten Ryzen-Generationen ein Standardmerkmal – schafft Platz auf dem Chip und senkt die Herstellungskosten. Beobachter erinnert das an die erfolgreiche AM4-Ära, als AMD ebenfalls auf integrierte Grafik verzichtete und damit Kosten und Komplexität reduzierte.
Die „Olympic Ridge“-Plattform setzt auf einen neu gestalteten Client-I/O-Die (cIOD), der im N2P-Verfahren bei TSMC gefertigt wird. Technische Spezifikationen, die derzeit die Runde machen, versprechen bis zu 24 Kerne und 48 Threads sowie 96 Megabyte L3-Cache. Die Prozessoren sollen zudem CUDIMMs und CAMMs unterstützen, ebenso wie die neue Speicherübertaktungstechnik EXPO 1.2. Auffällig: Native USB4-Controller sind offenbar nicht vorgesehen. Die Zen-6-Desktop-Chips werden für 2027 erwartet und treten dann gegen Intels „Nova Lake S“-Architektur an.
Strix Halo zeigt, was lokal möglich ist
Während Zen 6 noch in der Entwicklung steckt, treibt AMD die lokale KI-Verarbeitung bereits mit der „Strix Halo“-Plattform voran. Der Ryzen AI Max+ 395 – ausgestattet mit 16 Zen-5-Kernen, einer Radeon 8060S mit 40 Compute Units und einer XDNA-2-NPU mit 50 TOPS – kann massive Sprachmodelle lokal ausführen. Möglich macht das der einheitliche Speicher: Bis zu 128 Gigabyte LPDDR5X-8000 stehen zur Verfügung.
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In Tests lief das Modell Qwen3-235B mit rund elf Tokens pro Sekunde – und übertraf in mathematischen und Programmieraufgaben sogar cloudbasierte Lösungen. Erste Mini-PCs wie der GMKtec EVO-X2 (ab 1.350 Euro) oder Highend-Modelle für rund 3.600 Euro kommen bereits auf den Markt. Ein erweitertes Modell Max+ PRO 495 mit 192 Gigabyte Speicher soll im dritten Quartal 2026 folgen.
Alte Architekturen für günstige Geräte
Um steigenden PC-Preisen entgegenzuwirken, reaktiviert AMD derzeit ältere Chip-Architekturen für den Budget-Markt. Im laufenden Quartal bringt der Hersteller drei „neue“ Prozessoren für OEM-Partner auf den Markt:
- Ryzen 7 4700LE: Zen 2, 8 Kerne, 16 Threads, 65 Watt, ohne Grafik
- Ryzen 5 3501U: Zen+ „Picasso“, 4 Kerne, 8 Threads, mit Vega-8-Grafik
- Ryzen 3 3100U: Zen+, 2 Kerne, 2 Threads, Einstiegsniveau
Gefertigt werden die Chips im 12-Nanometer-Verfahren von GlobalFoundries. Sie sind für günstige Laptops in Bildung und Büro vorgesehen.
BIOS-Update bringt Effizienzgewinne
Für die aktuelle AM5-Plattform hat AMD im Juni 2026 das BIOS-Update AGESA 1.3.0.1b veröffentlicht. Tests mit einem Ryzen 7 7800X3D zeigen deutliche Verbesserungen bei der Energieeffizienz und Wärmeentwicklung. Die SOC-Spannung sank von 1,35 auf 1,24 Volt, die CPU-Temperaturen fielen spürbar. Neu ist zudem die Unterstützung für EXPO Ultra-Low-Latency (ULL), das die DDR5-Speicherleistung weiter verfeinert.

