AMD setzt auf Rechenzentren: Was die Neuausrichtung für Radeon-Grafikkarten bedeutet

Im dritten Quartal 2026 stiegen AMDs Rechenzentrumserlöse auf 8,5 Milliarden US-Dollar, während das Gaming-Segment deutlich nachgab.

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Der Halbleiterkonzern AMD richtet seinen strategischen Schwerpunkt künftig primär auf das Geschäft mit Großrechenzentren aus. Konzernchefin Lisa Su bezeichnete das Unternehmen in einem Interview als Organisation, bei der Rechenzentren an erster Stelle stehen.

Die Priorisierung der Hardware für Server und künstliche Intelligenz gegenüber Grafikkarten für Endverbraucher nährt an den Märkten Sorgen über die künftige Verfügbarkeit und die Preisentwicklung im Bereich der High-End-Grafikhardware.

Massives Wachstum im Segment für künstliche Intelligenz

Hintergrund dieser Ausrichtung ist die starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Nach Angaben der Unternehmensführung soll das Geschäft mit Rechenzentren im vierten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorquartal um 50 Prozent zulegen und sich im Jahr 2027 mehr als verdoppeln.

Su betonte, dass AMD der beste Partner für die weltweit größten Nutzer von Rechenleistung sein wolle, und verteidigte die hohen Ausgaben gegen kurzfristige Skepsis an den Finanzmärkten.

Rechenleistung entspreche Intelligenz, weshalb die getätigten Investitionen auf drei bis fünf Jahre und darüber hinaus angelegt seien. Als Beleg für die Dynamik im Markt verwies die Konzernchefin auf eine Anwendung, die innerhalb von 45 Tagen mehr als zehn Millionen Aktivierungen erreichte.

Finanzchefin Jean Hu stellte in Aussicht, dass der Umsatz mit KI-Beschleunigern für Rechenzentren bereits im vierten Quartal die Erlöse aus klassischen Serverprozessoren übertreffen werde. Mit Blick auf 2027 soll das Segment Rechenzentren laut Hu mehr als 80 Prozent des gesamten Konzernumsatzes ausmachen. Marktbeobachter von Counterpoint Research schätzen das Rechenzentrumsvolumen für AMD im Jahr 2027 auf rund 77 Milliarden US-Dollar.

Rekordergebnis im dritten Quartal und Verschiebung der Umsatzanteile

Die Neuausrichtung schlägt sich bereits deutlich in den Bilanzen nieder. Im dritten Quartal 2026 erzielte AMD einen Rekordumsatz von 13,4 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Der Bereich Data Center steuerte dazu den Rekordwert von 8,5 Milliarden US-Dollar bei – ein Plus von 97 Prozent im Vorjahresvergleich. Damit entfielen 64 Prozent der Konzernerlöse auf das Rechenzentrumsgeschäft, nachdem dieser Anteil im Vorjahr noch bei 47 Prozent gelegen hatte.

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Die operative Marge der Sparte kletterte von 25 Prozent im Vorjahr auf 34 Prozent, während der operative Gewinn des Segments um 168 Prozent auf 2,88 Milliarden US-Dollar anzog.

Demgegenüber verzeichneten die traditionellen Verbrauchersparten ein gedämpftes Bild: Die Client-Sparte mit Ryzen-Prozessoren wuchs um sieben Prozent auf 2,95 Milliarden US-Dollar.

Die Gamingsparte verbuchte dagegen einen Umsatzeinbruch um 40 Prozent auf 773 Millionen US-Dollar, was das Management vor allem auf geringere Verkäufe von Semi-Custom-Chips im fortgeschrittenen Konsolenzyklus zurückführte. Im Segment Embedded stiegen die Erlöse um 29 Prozent auf 1,1 Milliarden US-Dollar.

Lieferengpässe und die Zukunft für PC-Spieler

Für das vierte Quartal stellt AMD einen Gesamtumsatz von rund 17 Milliarden US-Dollar mit einer Spanne von plus/minus drei Prozent in Aussicht, was einem Zuwachs von etwa 66 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspräche. Damit würde das Unternehmen bei den Quartalserlösen voraussichtlich erstmals am Konkurrenten Intel vorbeiziehen, dessen Prognosekorridor bei 15 bis 16 Milliarden US-Dollar liegt.

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Trotz der klaren Priorisierung von Großkunden wie Anthropic, Meta, Microsoft, OpenAI und Oracle, bei denen erste Helios-Serversysteme mit dem Beschleuniger MI455X in Betrieb genommen wurden, kündigte AMD keine Einstellung der Ryzen-Prozessoren oder Radeon-Grafikkarten an.

Das Unternehmen verwies auf fortlaufende Investitionen in Verbraucherprodukte, darunter neue Ryzen-Modelle mit 3D V-Cache, die Unterstützung der AM4-Plattform, Erweiterungen der Upscaling-Technologie FSR sowie eine Partnerschaft mit Microsoft für ein Xbox-Projekt.

Gleichzeitig trüben sich die Aussichten für den gesamten PC-Markt ein. Für das Jahr 2027 geht die Konzernführung von einem zweistelligen prozentualen Rückgang der PC-Markt-Stückzahlen aus, da gestiegene Kosten für Speicher und weitere Komponenten die Nachfrage dämpfen.

Zudem verschärfen anhaltende Engpässe bei Halbleiterspeichern wie HBM die Lage für die gesamte Chipindustrie. Zulieferer wie SK Hynix gehen davon aus, dass die Speicherknappheit noch bis zum Jahr 2030 anhalten könnte.