AMD und Nvidia im Kampf um die KI-Racks der Zukunft

Gerüchte um Verzögerungen bei AMDs MI455X-Chip treffen auf Spekulationen über einen früheren Start von Nvidias "Vera Rubin". Der Kampf um die KI-Server der Zukunft ist eröffnet.

Der Wettlauf um die nächste Generation von KI-Servern spitzt sich zu. Konkurrierende Berichte über den Zeitplan von AMD für seine neuen Superchips haben die Märkte diese Woche in Aufregung versetzt und den Fokus auf den erbitterten Kampf mit Marktführer Nvidia gelegt.

Rückschlag oder Gerücht? AMD weist Verzögerungsvorwürfe zurück

Die Kontroverse begann mit einem Bericht der Analysefirma SemiAnalysis. Dieser behauptete, die Serienproduktion von AMDs kommendem KI-Beschleuniger Instinct MI455X und dem darauf basierenden „Helios“-Rack-System könnte sich bis Mitte 2027 verzögern. Als Gründe wurden komplexe Integrationshürden und mögliche Ausbeuteprobleme mit dem neuen HBM4-Speicher genannt.

AMD reagierte umgehend und wies die Vorwürfe entschieden zurück. Das Unternehmen betonte, der Zeitplan für den Start in der zweiten Hälfte 2026 stehe fest. Für AMD ist der MI455X von entscheidender Bedeutung: Das System soll mit bis zu 2,9 ExaFLOPS pro Rack die erste echte Alternative zu Nvidias Architektur bieten. Eine Verzögerung würde eine gefährliche Lücke auf dem Markt reißen, genau dann, wenn Cloud-Giganten auf die nächste Chippeneration umsteigen.

Nvidia könnte mit „Vera Rubin“ das Tempo anziehen

Während AMD seinen Zeitplan verteidigt, mehren sich die Hinweise, dass Nvidia seinen Vorsprung sogar ausbauen könnte. Gerüchte aus der Lieferkette deuten darauf hin, dass Nvidias Nachfolger für die „Blackwell“-Generation, die „Vera Rubin“ VR200-Plattform, früher als erwartet kommen könnte – vielleicht schon im zweiten Quartal 2026.

Das System kombiniert einen neuen Arm-basierten „Vera“-CPU mit „Rubin“-GPUs und soll eine gewaltige Speicherbandbreite von etwa 22 Terabyte pro Sekunde bieten. Ein möglicher Game-Changer: Nvidia plant angeblich, vollständig integrierte „Level 10“-Compute-Trays direkt an Hyperscaler zu liefern. Das würde die Wertschöpfung traditioneller Serverhersteller schmälern und sie zu reinen Integratoren degradieren.

Der technische Kernkampf: HBM4 und Rack-Maßstab

Der Wettbewerb konzentriert sich auf zwei Schlüsseltechnologien: den neuen Hochgeschwindigkeitsspeicher HBM4 und die Integration auf Rack-Ebene. Beide Unternehmen bewegen sich weg von einzelnen Servern als Leistungsmaßstab hin zum gesamten Rack als riesigem, zusammengeschalteten Supercomputer.

  • AMDs Ansatz: Das „Helios“-Rack setzt auf den offenen Verbindungsstandard UALink, um 72 GPUs zu einem einzigen Beschleuniger zu vernetzen. Das Unternehmen preist dies als kosteneffizientere und offenere Lösung an.
  • Nvidias Ansatz: Das VR200-System nutzt das proprietäre NVLink-Netzwerk und integriert CPUs und GPUs enger. Nvidia argumentiert, dies sei für die nächste Generation komplexer KI-Modelle essenziell. Der enorme Stromverbrauch von bis zu 200 Kilowatt pro Rack erfordert fortschrittliche Flüssigkühlung.
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Märkte reagieren sensibel auf Gerüchte

Die Finanzmärkte zeigten sich äußerst nervös. AMDs Aktie verlor nach dem Bericht über die angebliche Verzögerung etwa fünf Prozent an Wert. Trotz der Dementi blieb die Stimmung vorsichtig. Analysten wie Stacy Rasgon von Bernstein betonen das enge Zeitfenster: Sollte Nvidia tatsächlich Mitte 2026 liefern, müsste AMDs Chip gegen ein etabliertes Produkt antreten, anstatt eine rechtzeitige Alternative zu sein.

Nvidias Aktien profitierten dagegen von den Gerüchten über einen vorgezogenen Start und die höheren Margen durch den Verkauf kompletter Systeme. Der Markt rechnet offenbar damit, dass Nvidia seine dominante Position im Hochleistungs-KI-Segment mindestens bis 2027 halten wird.

Entscheidende Monate liegen voraus

Die kommenden Monate werden für beide Konzerne richtungsweisend sein. Alle Blicke richten sich auf die Computex 2026 im Juni, wo erste funktionierende Muster der Rack-Systeme erwartet werden. Für AMD geht es darum, die Verzögerungsgerüchte mit einem überzeugenden Live-Demo zu entkräften. Für Nvidia besteht die Herausforderung darin, die gewaltigen Anforderungen an Strom und Kühlung für einen breiten Einsatz zu meistern.

In einem Markt, in dem KI-Modelle immer größer werden, entscheidet die pünktliche Lieferung dieser Exascale-Systeme mit funktionierender Software darüber, welches Unternehmen die nächste Welle der künstlichen Intelligenz antreibt. Der Kampf um die Infrastruktur der Zukunft ist in vollem Gange.