AMDs nächste Prozessor-Generation „Olympic Ridge“ soll mit bis zu 24 Kernen einen Quantensprung bringen. Doch der Launch verzögert sich wohl um ein Jahr. Neue Details zur Architektur deuten auf eine massive Aufrüstung für High-End-PCs hin. Gleichzeitig berichten Insider von einer Verschiebung des Desktop-Starts auf 2027 – ein strategischer Schachzug, der den Wettlauf mit Intel neu justiert.
Neues Chiplet-Design ermöglicht Rekord-Kernzahl
Das Herzstück des Fortschritts ist ein fundamental neues Chiplet-Design. Bisher baut AMD seine Ryzen-CPUs aus Modulen mit je acht Kernen, den Core Complex Dies (CCD). Für Zen 6 sollen diese durch 12-Kern-CCDs ersetzt werden. Diese grundlegende Änderung öffnet die Tür für bisher unerreichte Konfigurationen.
Einem Leak des bekannten Informanten HXL zufolge plant AMD sieben verschiedene Kern-Layouts. Das Spektrum reicht von Einzel-CCD-Modellen mit sechs bis zwölf Kernen bis zu Dual-CCD-Varianten mit 16, 20 und schließlich 24 Kernen für das neue Flaggschiff. Damit würde AMD die seit Generationen bestehende 16-Kern-Grenze auf dem Mainstream-AM5-Sockel durchbrechen. Zur Unterstützung der höheren Kerndichte soll auch der L3-Cache pro CCD um 50 Prozent auf 48 MB steigen – ein Boon für cache-sensitive Anwendungen wie Games.
Launch verzögert sich: Server-Chips haben Priorität
Doch die Vorfreude muss gedämpft werden. Enthusiasten werden länger warten müssen als erhofft. Berichten des Industrieportals Benchlife folgend, wird der Launch der Zen-6-Desktop-CPUs nicht 2026, sondern erst 2027 erfolgen.
Was steckt hinter der Verschiebung? Die Gründe sind vielfältig. Die Industrieanalyse legt nahe, dass AMD die wertvollen 2-nm-Chips von TSMC zunächst für seine profitablen EPYC-Serverprozessoren reserviert. Auch die nach wie vor hohen Kosten für schnellen DDR5-Arbeitsspeicher spielen eine Rolle. Der DIY-PC-Markt ist eine Hochburg für Ryzen – ein strategischer Warteschritt, bis die Speicherpreise sich stabilisieren, könnte den Markterfolg der neuen Plattform absichern.
AM5-Sockel bleibt: Upgrade-Pfad für bestehende User
Trotz aller Neuerungen setzt AMD auf Kontinuität beim Sockel. Die Berichte bestätigen die weitere Unterstützung für den AM5-Sockel. Besitzer von Mainboards für Ryzen-7000-, 8000- und 9000-Serien haben damit einen direkten Upgrade-Pfad auf die Zen-6-CPUs. Diese Plattform-Langlebigkeit ist ein zentrales Verkaufsargument des Unternehmens.
Technisch wird Zen 6 mehr als ein kleines Update. Es handelt sich um einen kompletten Neuanfang auf TSMCs 2-nm-Prozess, der Leistungssteigerungen pro Takt (IPC) und mehr Energieeffizienz verspricht. Neue Befehlssätze und zusätzliche KI-Beschleuniger sollen Machine-Learning-Aufgaben vorantreiben. Die nächste Plattform wird voraussichtlich auch einen neuen Client-I/O-Die (cIOD) einführen, der noch höhere DDR5-Taktraten unterstützt.
AMDs Zen‑6‑CPUs sollen offenbar eigene KI‑Beschleuniger mitbringen — ein Thema, das für Entwickler und Unternehmen schnell regulatorische Fragen aufwirft. Die neue EU‑KI‑Verordnung verlangt u. a. Klassifizierung, Dokumentation und Kennzeichnung von KI‑Systemen. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt kompakt, welche Pflichten jetzt gelten und wie Sie KI‑Hardware und -Software rechtskonform einsetzen. Jetzt kostenlosen KI-Leitfaden herunterladen
Wettlauf mit Intel: Wer setzt den nächsten Schachzug?
Die Spekulationen um Zen 6 bereiten den Boden für eine große Konfrontation auf dem CPU-Markt. Ein 24-Kern-Consumer-Prozessor wäre die schlagkräftige Antwort auf Intels eigene High-Core-Count-Angebote. Doch eine Verzögerung bis 2027 könnte dem Rivalen ein entscheidendes Zeitfenster öffnen. Intels konkurrierende Architektur „Nova Lake“ wird für einen ähnlichen Zeitraum erwartet.
Die strategische Entscheidung, Server-Chips zu priorisieren, unterstreicht das immense Wachstum und die Bedeutung des Data-Center-Marktes. Dieser erhält oft als Erster Zugang zur neuesten Prozesstechnologie. Die potenzielle Verzögerung zeigt auch, wie sensibel der Consumer-Desktop-Markt auf externe Faktoren wie Speicherpreise reagiert.
Die Branche blickt nun auf AMD und erwartet eine offizielle Bestätigung der Zen-6-Roadmap. Diese könnte auf Großevents wie der Computex 2026 oder der CES 2027 kommen. Während die Desktop-Varianten auf sich warten lassen, könnte die Zen-6-Architektur ihr Debüt wohl früher im Server-Sektor mit den Epyc-„Venice“-Prozessoren geben – ein Vorgeschmack auf die kommende Technologie.





