Öffentliche Rechts- und Registerdienste weltweit beschleunigen die Digitalisierung ihrer Zugangswege. Behörden und Gerichte setzen vermehrt auf automatisierte Systeme, künstliche Intelligenz und flexible Zahlungsstrukturen, um Arbeitsrückstände abzubauen und den Zugang zu Dienstleistungen zu erleichtern.
Den Auftakt für eine weitreichende Zentralisierung markierten die USA, wo am 29. September 2026 per präsidialer Durchführungsverordnung die Schaffung eines bundesweiten Portals beschlossen wurde.
Zentraler Zugang für Bundesdienste in den USA
Mit der Executive Order 14432 ordnete der US-Präsident die Einrichtung von America.gov als zentralem, sicherem Zugang zu den Diensten der US-Bundesverwaltung an. Die General Services Administration (GSA) soll das Portal in Zusammenarbeit mit dem Office of Management and Budget (OMB) sowie dem National Design Studio aufbauen und dabei das Authentifizierungssystem Login.gov integrieren.
Die Vorgabe erfasst öffentlich zugängliche Online-Dienste, die über einen Zeitraum von 12 Monaten mehr als 100.000 Nutzer verzeichnen. Ausgenommen von der Verpflichtung sind die Steuererklärungen der Steuerbehörde IRS sowie Angebote des Kriegsministeriums und der Nachrichtendienste.
Das OMB soll innerhalb von 90 Tagen konkrete Umsetzungsanweisungen erlassen. Bestehende behördliche Zugangswege bleiben erhalten, zudem behalten die einzelnen Behörden die Hoheit über ihre Daten und Zuständigkeiten.
Auf bundesstaatlicher Ebene nutzen Behörden bereits ergänzende Technologien. In Michigan startete das Department of Licensing and Regulatory Affairs (LARA) einen Chatbot, der rund um die Uhr häufige Fragen beantwortet, bei Formularen hilft und auf Ressourcen von Michigan.gov verweist. Das System befindet sich in einer frühen Phase; die Behörde empfiehlt Bürgern, keine sensiblen Daten einzugeben.
Auf Ebene der Justiz führten Bundesstaaten wie Rhode Island, Utah, Minnesota und Hawaii eigene E-Filing- und Fallverwaltungssysteme ein. In der Small Claims Division von Rhode Island sank die Bearbeitungszeit von der Einreichung bis zur Zuweisung nach der vollständigen Einführung von Courts Ri Connect um rund 30 Prozent.
Internationale Umstellungen auf digitale Verfahren und KI
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Auch außerhalb der USA treiben Regierungen den Wandel voran. In Indonesien führte das Justizministerium am 1. Oktober 2026 landesweit vollständig papierlose Abläufe für 470 Dienstleistungsarten ein.
Über die Plattform PASTI werden Genehmigungen, Rechtsverwaltungen und Schutzrechtsanträge digital abgewickelt und Bescheide elektronisch ausgestellt. Minister Supratman Andi Agtas erklärte, die Umstellung senke Papierkosten und ermögliche eine Leistungskontrolle in Echtzeit, während menschliche Prüfer weiterhin wichtige Dokumente kontrollieren.
Gleichzeitig modernisieren Justizbehörden ihre Arbeitsabläufe durch künstliche Intelligenz. Am 27. September 2026 stellte das Justizministerium der Vereinigten Arabischen Emirate eine agentische KI vor, welche die Vorprüfung von Rechtsfällen von 18 Arbeitstagen auf rund zwei Stunden verkürzen soll.
Das Modell wurde anhand von über 22.000 Dokumenten trainiert. In Brasilien entwickelt das Gericht des Bundesstaats Rio Grande do Sul (TJRS) eigene KI-Agenten, wobei das System Gaia in Kürze für 350.000 Anwälte freigeschaltet werden soll. Laut dem IT-Direktor des Gerichts gehen bereits täglich 1.500 neue Verfahren über KI-gestützte Kanäle ein.
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Verbesserter Zahlungsverkehr und regionale Verwaltungsinitiativen
Zur Beschleunigung von Verwaltungsverfahren rücken vereinfachte Bezahlmodelle in den Fokus. Auf den Philippinen vereinbarten das Justizministerium und die LandBank am 1. Oktober 2026, amtliche Gebühren für Bescheinigungen über das Online-Portal Link.BizPortal via QR-Code und Mobilfunkdienstleistungen abrechenbar zu machen.
In Namibia stellte FNB Namibia Ende September 42 elektronische Bezahlterminals an Magistratsgerichten bereit, um Bürgern weite Anfahrtswege zu ersparen.
In Europa setzen Verwaltungen ebenfalls auf vernetzte Portale. Estlands Entwicklungsagentur ESTDEV, die e-Governance Academy und die ukrainische Region Schytomyr starteten am 1. Oktober 2026 eine weitere phase zur Digitalisierung kommunaler Dienste mit einer Gesamtförderung von 600.000 Euro.
In Deutschland meldete das Bundesland Hessen für Ende August 2026 unter anderem, dass gewerbliche Anlagengenehmigungen in allen drei Regierungspräsidien digital vorliegen und An- sowie Ummeldungen in über 90 Prozent der hessischen Kommunen online möglich sind.

