Eine Welle von Cyberangriffen erschüttert die Gesundheitsbranche – vom Biotech-Riesen bis zur Kleinstadtklinik. Die Angriffe zeigen: Patientendaten sind begehrtes Ziel, und selbst milliardenschwere Konzerne sind nicht sicher.
Amgen meldet schweren Cloud-Diebstahl
Der kalifornische Biotech-Konzern Amgen hat bei der US-Börsenaufsicht SEC einen schwerwiegenden Datenvorfall gemeldet. Bereits am 29. Juli stufte das Unternehmen den Angriff auf seine Cloud-Umgebungen als materiell ein – zwei Tage später folgte die Pflichtmitteilung. Angreifer erbeuteten dabei sowohl Firmengeheimnisse als auch Patientendaten.
Die Täter sind noch nicht identifiziert. Branchenkenner verweisen jedoch auf Warnungen des Gesundheits-ISAC vom Juli, die auf die Gruppe ShinyHunters als wachsende Bedrohung hindeuten. Diese Bande ist bekannt für Vishing-Angriffe, die Übernahme von Single-Sign-On-Zugängen und Datendiebstahl aus Cloud-Plattformen.
Erfreulich für Aktionäre: Amgen erwartet keine Auswirkungen auf die Finanzergebnisse oder Produktionskapazitäten. Die Untersuchung zum vollen Ausmaß des Datendiebstahls läuft allerdings noch.
Kliniken kämpfen mit den Folgen
In West Virginia hat das Mon Health Medical Center einen Phishing-Angriff aus diesem Jahr offengelegt. Bereits am 6. Mai entdeckten Sicherheitsexperten den unbefugten Zugriff auf E-Mail-Konten und stoppten ihn noch am selben Tag. Die Ende Juni abgeschlossene Untersuchung ergab: Namen, Geburtsdaten, Sozialversicherungsnummern und medizinische Unterlagen könnten kompromittiert sein. Betroffene erhalten zwei Jahre kostenlosen Kreditschutz.
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Weiter südlich kämpft das AnMed-Krankenhaus in South Carolina noch immer mit den Folgen einer Ransomware-Attacke. Der Angriff legte weite Teile des Klinikbetriebs lahm – Ärzte und Pfleger mussten auf manuelle Prozesse zurückgreifen. Ab dem 3. August will die Einrichtung eine eigene Hotline für Patienten schalten.
Umstrittene Phishing-Übung erzürnt Pflegekräfte
Ein Sicherheitstraining in Kanada sorgt für Empörung: NL Health Services in Neufundland verschickte eine simulierte E-Mail, die einen bezahlten freien Tag versprach – tatsächlich ein Test zur Identifizierung Phishing-anfälliger Mitarbeiter.
Die Gewerkschaften laufen Sturm. „Das ist respektlos und demoralisierend“, kritisieren die Vorsitzenden Yvette Coffey und Jerry Earle. Einige Beschäftigte erwägen demnach sogar den vorgezogenen Ruhestand. Dr. David Metcalfe von der Ärztekammer warnt vor zusätzlichem Stress für ein ohnehin belastetes Personal. Der Interims-CEO Ron Johnson hat sich inzwischen entschuldigt. Experten fordern mehr Transparenz und Empathie bei Sicherheitstrainings.
Neue Angriffsmethoden und ein Erfolg gegen Hacker
Sicherheitsforscher haben im August neue Phishing-Kampagnen entdeckt, die E-Card-Vorlagen missbrauchen. Sämtliche Links – selbst der Abmeldelink – führen zu Schadsoftware, die Fernzugriff ermöglicht. Besonders tückisch: Die Angriffe umgehen Standard-Authentifizierungsprotokolle wie SPF, DKIM und DMARC.
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Immerhin ein Lichtblick: Am 20. Juli schalteten deutsche Behörden 200 Server ab, die zum Phishing-Kit „Kratos“ gehörten. Das auch als „SneakyLog“ bekannte Werkzeug stiehlt Sitzungscookies, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen. Doch der Erfolg ist relativ: Rund 1.800 Kopien des Kits sollen noch im Umlauf sein. Sicherheitsexperten empfehlen daher vermehrt hardwarebasierte Authentifizierung wie FIDO2.

