Kriminelle nutzen die Jobsuche zunehmend als Einfallstor für Schadsoftware. Wie Sicherheitsexperten von Malwarebytes warnen, verbreiten Angreifer derzeit Android-Schadprogramme über manipulierte Bewerbungs- und Interviewprozesse.
Betroffene werden dabei über vermeintliche Stellenangebote auf der Plattform Indeed dazu verleitet, eine Android-Installationsdatei (APK) mit dem Namen „MyInterview“ oder ähnliche vermeintliche Interview-Anwendungen herunterzuladen.
Gefälschte Anwendungen spionieren Mobilgeräte aus
Nach Angaben von Malwarebytes imitieren die betrügerischen Programme den Auftritt von Indeed, stammen jedoch keineswegs von dem Jobportal. Die Experten stufen die Anwendungen als sogenannte Trojan-Dropper ein: Nach der erfolgreichen Installation laden die Programme eigenständig Spyware auf das Smartphone nach.
Zudem versuchen die Angreifer, tiefgehende Zugriffsrechte über die Bedienungshilfen (Accessibility-Rechte) des Betriebssystems zu erlangen. Gelingt dies, kann die Schadsoftware unter anderem ihre eigene Deinstallation durch den Nutzer gezielt blockieren.
Das Unternehmen Indeed stellte klar, dass es keine offizielle Anwendung unter der Bezeichnung „Indeed Interview“ gebe. Zudem seien APK-Dateien zu keinem Zeitpunkt Teil des regulären Bewerbungsprozesses auf der Plattform.
Rekrutierungsbetrug trifft vor allem junge Menschen
Die Masche reiht sich in einen allgemeinen Trend ein, bei dem die Not oder Hoffnung von Jobsuchenden ausgenutzt wird. Virgin Media O2 verzeichnete zuletzt einen spürbaren Anstieg solcher Betrugsdelikte, die mittlerweile zu den zehn am häufigsten gemeldeten Betrugsformen zählen.
Nahezu jeder dritte junge Mensch im Vereinigten Königreich zählte bereits zu den Opfern eines solchen Rekrutierungsbetrugs – der höchste Anteil über alle Altersgruppen hinweg. Laut dem britischen Statistikamt ONS befinden sich dort fast 1 Million 16- bis 24-Jährige weder in Arbeit noch in Schule oder Ausbildung.
Murray Mackenzie, Director of Fraud Prevention bei Virgin Media O2, erklärte, Kriminelle machten sich die Hoffnungen der Suchenden zunutze und gäben sich gezielt als namhafte Unternehmen oder Personalvermittler aus.
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Neben Vorauszahlungen für angebliche Arbeitsausrüstung oder Registrierungsgebühren würden Bewerber vermehrt zur Installation präparierter Apps gedrängt. Kontaktaufnahmen sollten daher stets über unabhängig recherchierte Firmendaten verifiziert werden.
Auch internationale Behörden schlagen Alarm. Die indische Polizei in Palwal warnt ebenfalls vor Cyberkriminellen, die nach gefälschten Einstellungszusagen Gebühren für Prüfungen, Depots oder Schulungen verlangen. Deepti Garg, Superintendent of Police in Palwal, berichtete, dass Täter über Social Media, WhatsApp, Telegram und gefälschte Jobportale mit hochdotierten Angeboten für Heimarbeit gezielt Erwerbslose ins Visier nehmen.
Warnsignale erkennen und Schadsoftware entfernen
Sicherheitsforscher weisen auf typische Symptome hin, die auf eine bestehende Infektion des Smartphones hindeuten können. Dazu zählen unerwartete Werbeeinblendungen außerhalb von Anwendungen, neu auftauchende unbekannte Apps, spürbare Leistungseinbrüche, Programmabstürze, Überhitzung des Geräts, auffälliger Datenverbrauch sowie Spam-Nachrichten, die unbemerkt an eigene Kontakte versendet werden.
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Zur Abwehr empfiehlt Google bei Verdachtsmomenten, unbekannte Anwendungen umgehend zu entfernen, das Google-Konto zu überprüfen und das Smartphone im Zweifelsfall auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen. Sicherheitsforscher raten auf Android-Geräten zudem zu einer Überprüfung über Google Play Protect sowie zum Einsatz von Antiviren-Software.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt bei ungewöhnlichem Akkuverbrauch oder verdächtigen Apps, zuletzt installierte Programme zu löschen, Scans mehrfach durchzuführen oder das Gerät im abgesicherten Modus zu bereinigen.
Bringen diese Schritte keinen Erfolg, bleibt der Werksreset – laut Forschern idealerweise mit einer Neueinrichtung ohne alte Backups, da gesicherte Daten Schadprogramme wieder einspielen könnten. Zugangsdaten zu sensiblen Diensten wie Online-Banking sollten in diesem Fall umgehend über ein Zweitgerät geändert werden.

