Android-Malware Keenadu infiltriert Geräte ab Werk

Eine Schadsoftware wurde über die Lieferkette in die Firmware von Smartphones eingeschleust und ermöglicht umfassenden Datenzugriff. Betroffen sind weltweit Tausende Geräte.

Eine gefährliche Backdoor namens „Keenadu“ wurde vorinstalliert auf neuen Android-Geräten entdeckt. Die Malware gelangte über eine Lieferketten-Attacke in die Firmware verschiedener Hersteller. Betroffen sind laut Sicherheitsexperten derzeit weltweit rund 14.000 Smartphones und Tablets.

So nistet sich die Schadsoftware ein

Die Malware versteckt sich in einer kritischen Systembibliothek und infiziert einen zentralen Android-Prozess namens „Zygote“. Von dort aus wird der Schadcode in jede startende App kopiert – ob Banking-Client, Messenger oder Social-Media-Anwendung. Diese Methode umgeht die Sicherheitsbarrieren des Betriebssystems vollständig.

Die Angreifer erhalten so theoretisch uneingeschränkten Zugriff auf alle App-Daten. Die Infektion kann sowohl ab Werk vorliegen als auch durch manipulierte, aber offiziell signierte System-Updates nachträglich erfolgen.

Vom Werbebetrug zur totalen Kontrolle

Aktuell nutzen die Kriminellen die Backdoor vor allem für Werbebetrug. Die Malware manipuliert Browser-Suchen, fälscht App-Installationen für Werbeeinnahmen und klickt heimlich auf Anzeigen. Besonders dreist: Bei einigen Nutzern legte Keenadu eigenständig Artikel in Amazon-Warenkörbe.

Sicherheitsexperten warnen jedoch vor dem vollen Potenzial der Bedrohung. Die Architektur ermöglicht jederzeit den Diebstahl von Bankdaten, Passwörtern oder umfangreiche Spionage. Der Schritt vom lästigen Betrug zur ernsten Gefahr ist fließend.

Diese Geräte sind betroffen – und das hilft

Nach Untersuchungen der Cybersicherheitsfirma Kaspersky sind oft Geräte kleinerer Hersteller betroffen. Explizit genannt wird die chinesische Marke Alldocube, insbesondere das Tablet-Modell „iPlay 50 mini Pro“.

Die Beseitigung ist für Nutzer extrem schwierig. Ein einfacher Werksreset reicht nicht, da die Malware tief in der Firmware sitzt. Die einzigen Lösungen sind das technisch anspruchsvolle Aufspielen einer sauberen Firmware oder im Zweifel der Austausch des gesamten Geräts.

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Lieferketten-Angriffe werden zur neuen Normalität

Keenadu ist ein Paradebeispiel für die wachsende Gefahr durch Supply-Chain-Attacken. Kriminelle kompromittieren dabei nicht den Endnutzer, sondern einen Punkt in der Produktionskette. Das Ergebnis: Schadsoftware wird mit neuer Hardware ausgeliefert und untergräbt das Grundvertrauen in fabrikneue Geräte.

Die Methode erinnert an frühere Vorfälle wie den Triada-Trojaner. Die Tatsache, dass Keenadu auch über offizielle Updates verbreitet werden kann, verschärft das Problem. Für Nutzer ist kaum erkennbar, ob ein Update sauber oder bösartig ist.