Android-Malware Manic: 169 Apps im Visier von Spionage-Attacken

Die Android-Schadsoftware Manic spioniert Banking-Apps aus und leitet Daten über infizierte Geräte weiter, um eine Entdeckung zu umgehen.

Sicherheitsforscher des IT-Unternehmens ThreatFabric haben die Entdeckung einer neuen, hochentwickelten Android-Malware bekanntgegeben. Das Programm mit der Bezeichnung „Manic“ ist darauf ausgelegt, infizierte Mobilgeräte zur Datenspionage zu nutzen und diese als Relaisstationen für Angriffe auf weitere Endgeräte einzusetzen. Die Schadsoftware zeichnet sich durch ungewöhnliche Übertragungswege aus, die eine Entdeckung und Unterbindung des Datenabflusses erschweren.

Strategische Ziele und Verteilungswege

Nach Erkenntnissen der Experten ist die Schadsoftware bereits seit Februar 2026 aktiv. Die Verbreitung erfolgt dabei nicht über offizielle Kanäle wie den Google Play Store, sondern gezielt über manipulierte Phishing-Webseiten. Einmal auf das Gerät gelangt, tarne sich die Malware als gewöhnliche Systemkomponente, um im Hintergrund aktiv zu bleiben, ohne das Misstrauen des Nutzers zu wecken.

Das Angriffsziel von Manic ist breit gefächert, aber dennoch sektoral fokussiert. Die Forscher identifizierten insgesamt 169 Apps, die von der Malware gezielt überwacht werden. Ein Schwerpunkt liege dabei auf Anwendungen ukrainischer Banken sowie Regierungs- und Militär-Apps.

Darüber hinaus stünden Finanzinstitute in Russland und in verschiedenen europäischen Ländern im Visier der Hintermänner. Dies deutet auf ein hohes Interesse der Angreifer an sensiblen Finanzdaten und staatlichen Kommunikationswegen hin.

Technischer Missbrauch von Eingabehilfen

Um an die gewünschten Informationen zu gelangen, macht sich Manic die sogenannten Accessibility-Dienste (Eingabehilfen) des Android-Betriebssystems zunutze. Über diesen Weg ist es der Software möglich, weitreichende Berechtigungen zu erlangen und Nutzerinteraktionen mitzulesen. Laut ThreatFabric werden auf diese Weise PIN-Codes, Passwörter und SMS-Nachrichten gestohlen.

Besonders kritisch ist der Diebstahl von Einmalcodes für die Zwei-Faktor-Authentisierung sowie von sogenannten Recovery-Phrasen, die für den Zugang zu Kryptowährungs-Wallets entscheidend sind. Um die Eingabe dieser Daten zu erfassen, lege die Malware transparente Overlays über die digitalen Tastaturen der infizierten Geräte. Für den Anwender bleibt dieser Vorgang unsichtbar, während jede Eingabe direkt an die Angreifer übermittelt wird.

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Dezentrale Datenübertragung ohne Internetverbindung

Ein technisches Alleinstellungsmerkmal von Manic ist die Methode der Datenexfiltration. Die Malware nutzt Wi-Fi Direct und Bluetooth, um gestohlene Informationen an andere infizierte Geräte in der physischen Umgebung weiterzuleiten.

Dieser Prozess funktioniert ähnlich wie ein Mesh-Netzwerk: Die Daten können über bis zu vier Zwischenstationen, sogenannte Hops, von einem Gerät zum nächsten gesendet werden, bis sie schließlich einen Command-and-Control-Server der Angreifer erreichen.

Dieser Mechanismus ermöglicht es der Software, Daten auch dann zu entwenden, wenn das primär infizierte Gerät über keine eigene Internetverbindung verfügt oder der Datenverkehr über herkömmliche Mobilfunknetze blockiert wird. Die dezentrale Übertragung erschwert zudem die Rückverfolgung der Angriffsstruktur für Sicherheitsanalysten erheblich.

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Abwehr und Empfehlungen für Nutzer

Angesichts der Bedrohungslage hat Google bereits Maßnahmen ergriffen. Das integrierte Sicherheitssystem Google Play Protect blockiere derzeit bekannte Versionen der Malware. Dennoch mahnen die Sicherheitsforscher zur Vorsicht.

Nutzer sollten die Installation von Anwendungen aus unbekannten Quellen oder von inoffiziellen Drittanbietern strikt vermeiden, da die Verteilung von Manic über sogenannte „untrusted APKs“ ein hohes Sicherheitsrisiko darstellt.

Die Verwendung aktueller Sicherheitssoftware und die kritische Prüfung von Berechtigungsanfragen, insbesondere für Eingabehilfen, bleibe ein wesentlicher Bestandteil der mobilen Gerätesicherheit.