Sicherheitsforscher beobachten Anfang August eine neuartige Form von Schadsoftware für das Android-Betriebssystem, die eine ungewöhnliche Methode zur Umgehung von Sicherheitsmechanismen nutzt. Berichten zufolge ist die Malware in der Lage, eigenständig neue Einträge in das Adressbuch der infizierten Geräte einzufügen. Diese Kontakte werden als vertrauenswürdig markiert, was mutmaßlich dazu dient, spätere Kommunikationsversuche der Angreifer an Filtern für Spam oder unbekannte Absender vorbeizuschleusen.
Gezielte Angriffe auf Reisende und Infrastruktur
Diese Entdeckung steht in einem Kontext zunehmender Bedrohungen für mobile Endgeräte. Microsoft warnte in diesem Zusammenhang vor einer großangelegten Kampagne namens CaptiveCrunch. Diese Operation, die bereits seit Mai des laufenden Jahres aktiv ist, konzentriert sich auf die Kompromittierung von Hotel-WLAN-Netzwerken weltweit. Die Angreifer manipulieren dabei DNS- und HTTP-Anfragen, um Nutzer auf gefälschte Anmeldeseiten oder vermeintliche Software-Updates umzuleiten.
Ziel dieser Kampagne sind unter anderem Android-Geräte, auf denen die Schadsoftware über manipulierte Installationsdateien (APK) verbreitet wird. Zum Einsatz kommen dabei spezialisierte Werkzeuge wie der Fernzugriff-Trojaner CornFlake. Diese in der Programmiersprache Go verfasste Malware ist in der Lage, Cookies und Passwörter zu entwenden, Screenshots anzufertigen und Audio- sowie Videoaufzeichnungen zu starten. Ein weiteres Modul namens ChocoShell wird eingesetzt, um spezifische Zugriffstoken für Microsoft-365-Dienste zu stehlen. Als Urheber dieser Angriffe werden Gruppen identifiziert, die in Sicherheitskreisen unter den Bezeichnungen Storm-2945 oder Midnight Blizzard geführt werden.
Phishing-Welle erreicht Rekordniveau
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Die Zunahme solcher Angriffe spiegelt sich auch in aktuellen Marktanalysen wider. Laut Daten von Cisco Talos machten Phishing-Versuche im zweiten Quartal des Jahres mehr als 50 Prozent aller registrierten Sicherheitsvorfälle aus. Im Vergleich zum Vorquartal, in dem der Anteil noch bei 33 Prozent lag, entspricht dies einer deutlichen Steigerung. Besonders besorgniserregend ist die Zunahme von Angriffen über den sogenannten Device-Code-Flow. Innerhalb von nur vier Wochen wurden rund 7 Millionen solcher Angriffe registriert, wobei sich 99 Prozent gegen Microsoft-Dienste richteten.
Neben der technischen Manipulation von Netzwerken setzen Kriminelle verstärkt auf soziale Ingenieurskunst und aktuelle Ereignisse. Forscher von CloudSEK warnten Ende Juli vor einer Betrugswelle im Zusammenhang mit Steuerfristen. Dabei werden über Messenger-Dienste wie WhatsApp gefälschte Steuerbescheide versendet. Die angehängten ZIP-Dateien enthalten Spyware für Android und Windows, die unter anderem SMS-Nachrichten mit Einmalpasswörtern (OTP) abfängt und Tastatureingaben protokolliert. Auch der bevorstehende Start von populären Videospielen wie GTA 6 wird für die Verbreitung von Malware genutzt, indem gefälschte Beta-Test-Websites präpariert werden.
Massive Botnetze und wirtschaftliche Schäden
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Das Ausmaß der Bedrohung verdeutlicht die Fuyao-Operation, bei der Sicherheitsforscher die Kompromittierung von rund 10 Millionen Android-TV-Boxen feststellten. Ziel dieser Operation ist vor allem Werbebetrug, der Schätzungen zufolge Tageseinnahmen von etwa 42.000 Euro generiert. Der potenzielle Jahresumsatz wird auf bis zu 36 Millionen Euro beziffert. Parallel dazu operiert das Kimwolf-Botnet mit über 2 Millionen infizierten Android-Geräten, das für massive DDoS-Angriffe mit Spitzen von 29,7 Terabit pro Sekunde verantwortlich gemacht wird.
Angesichts dieser Gefahrenlage raten Experten zur Nutzung von mobilen Hotspots statt öffentlicher WLAN-Netzwerke sowie zum konsequenten Einsatz von VPN-Verbindungen. In Unternehmensumgebungen wird empfohlen, den Device-Code-Flow technisch zu unterbinden, um Phishing-Angriffe auf Multifaktor-Authentifizierungen zu erschweren. Nutzer sollten zudem auf verdächtige Änderungen in ihren Kontaktlisten achten und nur Apps aus offiziellen Quellen installieren.

