Android-Sicherheit: NFC-Angriffe um 188% gestiegen auf 35.600

Angesichts rasant steigender NFC-Angriffe veröffentlicht Kaspersky Schutzanleitungen. Neue Malware WindRelay bedroht Bankdaten, während WhatsApp und Google ihre Sicherheitsfunktionen ausbauen.

Angesichts einer sich verschärfenden Bedrohungslage für mobile Endgeräte sind detaillierte Anleitungen zur Aktivierung von Safe Browsing und der Live-Bedrohungserkennung für das Android-Betriebssystem veröffentlicht worden.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Systemsicherheit präventiv zu erhöhen und Nutzer vor komplexen Angriffsvektoren zu schützen. Die Veröffentlichung erfolgt in einem Umfeld, in dem spezialisierte Schadsoftware und Phishing-Kampagnen zunehmend raffinierte Methoden anwenden, um Sicherheitsmechanismen zu umgehen.

Massive Zunahme bei NFC-Angriffen und neuer Schadsoftware

Aktuelle Analysen von Sicherheitsexperten unterstreichen die Notwendigkeit verstärkter Schutzmaßnahmen. Das Unternehmen Kaspersky registrierte allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 weltweit 35.600 abgewehrte Angriffe auf die Nahfeldkommunikation (NFC). Dies entspricht einer Steigerung von 188 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders im Fokus steht dabei die neu entdeckte Android-Malware WindRelay, die von Group-IB identifiziert wurde.

WindRelay ist in der Lage, die NFC-Kommunikation von Bankkarten in Echtzeit an Kriminelle weiterzuleiten. Der Infektionsweg beginnt häufig mit einem Telefonanruf, bei dem die Opfer zur Installation der Spionagesoftware SpyNote verleitet werden. Sobald die Nutzer anschließend ihre Karte an das Smartphone halten, erfolgt der Datenabgriff.

VirusTotal erfasste zwischen November 2025 und Juli 2026 bereits 23 Varianten dieser spezifischen Schadsoftware. Parallel dazu wurde mit dem WordlistLoader ein weiterer Malware-Loader entdeckt, der Schadcode hinter gewöhnlichen englischen Wörtern verbirgt, um Sicherheitssoftware zu täuschen und den Infostealer Amatera zu verbreiten.

WhatsApp und Google erweitern Sicherheitsvorkehrungen

Auch App-Entwickler und Plattformbetreiber reagieren auf die Sicherheitslage. Der Messenger-Dienst WhatsApp hat neue Funktionen angekündigt, die den Schutz der über eine Milliarde Nutzer verbessern sollen. Hierzu gehört die Möglichkeit, mehrere Passkeys pro Konto zu hinterlegen.

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Zudem wird die Zwei-Schritt-Verifizierung von einer sechsstelligen PIN auf ein alphanumerisches Passwort mit mindestens acht Zeichen umgestellt. Für Android-Nutzer sollen künftig zudem erweiterte Informationen zu unbekannten Anrufern bereitgestellt werden.

Google wiederum hat damit begonnen, die System-App Android Pulse automatisch auf Millionen von Geräten zu installieren. Die Anwendung, die im Play Store bereits über 10 Millionen Downloads verzeichnet, überwacht im Hintergrund den Verbrauch von Akku, Arbeitsspeicher und Prozessorleistung anderer Apps.

Während die App auf Pixel-Geräten bereits bestätigt wurde und sich deaktivieren, aber nicht deinstallieren lässt, steht eine offizielle Stellungnahme von Google zu diesem automatischen Rollout noch aus.

Im Bereich der Hardwarehersteller bereitet das Unternehmen Nothing die Veröffentlichung von Nothing OS 5.0 vor. Die auf Android 17 basierende Software soll über 80 Neuerungen enthalten, darunter KI-gestützte Funktionen wie den Essential Apps Builder und Echtzeit-Transkriptionen. Eine Open Beta für das Phone (3) ist für den 26. August 2026 um 12:00 Uhr MESZ angekündigt.

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Defizite beim Nutzerverhalten und Forderungen nach Rechtsreform

Trotz der technischen Schutzmöglichkeiten weisen Marktuntersuchungen auf Lücken im Sicherheitsbewusstsein der Anwender hin. Laut einer Umfrage von Kaspersky löschen zwar 77 Prozent der Befragten regelmäßig Browserdaten, jedoch ändern lediglich 39 Prozent ihre Passwörter in festen Intervallen. Nur 38 Prozent erstellen Backups ihrer Daten, und lediglich 18 Prozent überprüfen die Berechtigungen ihrer installierten Apps.

Gleichzeitig warnt die Verbraucherzentrale vor einer Welle von Phishing-Mails. Betrüger nutzen dabei bekannte Namen wie Postbank BestSign, Spotify, N26, die Sparkasse oder Behörden wie das Bundeszentralamt für Steuern und die IHK als Köder. Typische Merkmale dieser Angriffe sind extrem kurze Fristen und die Androhung von Kontosperrungen.

Vor dem Hintergrund dieser Bedrohungen fordert die Gesellschaft für Informatik (GI) eine Reform des Computerstrafrechts. Die sogenannten Hackerparagrafen 20a-c würden derzeit Sicherheitsforscher kriminalisieren, die Werkzeuge für Analysen einsetzen. Die GI schlägt vor, eine explizite Schädigungsabsicht als Tatbestandsmerkmal einzuführen, um die Arbeit von Sicherheitsexperten rechtlich abzusichern.