Android-Sicherheit: Vier Werbe-SDKs tracken heimlich 3,5 Mrd. Nutzer

Norton 360 führt Android-Sicherheitstest an, während neue KI-Malware und verdeckte Datensammlung durch Werbe-SDKs die Bedrohungslage verschärfen.

Eine aktuelle Branchenanalyse vom 6. August 2026 widmet sich der anhaltenden Debatte darüber, ob dedizierte Antivirensoftware für moderne Android-Geräte weiterhin notwendig ist. Angesichts einer sich wandelnden Bedrohungslandschaft, die von KI-gestützter Malware bis hin zu datenhungrigen Werbe-Softwarepaketen reicht, untersuchen Experten die Effizienz aktueller Sicherheitslösungen und die Relevanz regelmäßiger System-Updates.

Leistungsvergleich aktueller Sicherheitslösungen

Im Rahmen der Untersuchung wurden verschiedene Antiviren-Programme auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft. Als Testsieger im Jahr 2026 ging Norton 360 hervor. Die Software erzielte eine Erkennungsrate von 99,8 % und schloss einen vollständigen Systemscan in 13:22 Minuten ab. Besonders hervorgehoben wurde der Quick-Scan, der lediglich 58 Sekunden beanspruchte. Bei einer Bewertung von 4,8 von 5 möglichen Punkten traten im Test drei Fehlalarme auf. Preislich liegt Norton 360 im ersten Jahr bei 49,99 US-Dollar für fünf Geräte, wobei die Kosten nach dem ersten Jahr auf 124,99 US-Dollar steigen können.

Weitere Marktteilnehmer bieten alternative Preismodelle an. Bitdefender wurde als Lösung mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis identifiziert, da es besonders ressourcensparend arbeitet und ab 24,99 US-Dollar erhältlich ist. Für Nutzer, die kostenlose Optionen bevorzugen, wurde Avast One als führende Wahl genannt. NordVPN Threat Protection Pro kombiniert VPN-Dienste mit Virenschutz für 4,49 US-Dollar pro Monat, während McAfee+ für 49,99 US-Dollar eine unbegrenzte Anzahl an Geräten abdeckt.

Verdeckte Datenerhebung durch Werbe-SDKs

Ein kritischer Aspekt der mobilen Sicherheit wurde Anfang August durch eine Studie der Electronic Frontier Foundation (EFF) beleuchtet. Die Untersuchung identifizierte vier Werbe-Software-Development-Kits (SDKs) – InMobi, BidMachine, Verve HyBid und Huawei Petal Ads –, die heimlich Standortdaten auf Android-Geräten sammeln. Laut der Studie erreicht InMobi rund 2 Milliarden Nutzer, während Verve auf 1,5 Milliarden kommt. Petal Ads sei in etwa 85.000 Apps integriert.

Diese SDKs nutzen demnach eine Methode, bei der sie Berechtigungen der Host-App erben und das sogenannte Sandboxing des Betriebssystems durch Wi-Fi- und Funkzellentriangulation umgehen. So sendeten beispielsweise eine QR-Scanner-App mit 50 Millionen Downloads und eine GPS-Speedometer-App mit 10 Millionen Downloads Standortkoordinaten an BidMachine. Da Android derzeit keine SDK-spezifische Kontrolle über Standortzugriffe ermöglicht, fließen diese Daten häufig ungehindert an Datenbroker, Werbenetzwerke oder Behörden.

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Neue Bedrohungsformen und demografische Sicherheitslücken

Der ESET-Bericht für das erste Halbjahr 2026 weist auf technologische Fortschritte bei Schadsoftware hin. Mit PromptSpy wurde die erste Android-Malware identifiziert, die generative KI nutzt. Zudem nimmt das sogenannte Quishing – Phishing über QR-Codes – zu und macht bereits 11 % aller Phishing-E-Mails aus. Regional zeigen sich unterschiedliche Schwerpunkte: In Indien sind sogenannte SpyLoan-Apps mit einem Anteil von 24,5 % die häufigste Bedrohung. Die Polizei von Rajasthan meldete zuletzt täglich über 130.000 Cyberangriffe und warnte davor, sensible Daten auf Smartphones zu speichern. Dennoch sichern 61 % der Nutzer dort persönliche Dokumente und 34 % ihre Passwörter auf dem Mobilgerät.

Eine Studie von Kaspersky aus dem Frühjahr 2026 verdeutlicht zudem eine Diskrepanz zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Sicherheit bei jüngeren Nutzern. Während sich 59 % der Generation Z online sicher fühlen, verfügen nur 28 % über fortgeschrittene digitale Sicherheitskenntnisse. Trotz einer hohen Betroffenheit – 52 % gaben an, bereits Opfer eines Cyberangriffs geworden zu sein – nutzen nur 27 % der Befragten Antivirensoftware auf ihren Mobilgeräten.

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Reaktion der Hardware-Hersteller

Die Smartphone-Produzenten reagieren mit regelmäßigen Sicherheits-Patches auf die Bedrohungen. Samsung begann im August 2026 mit dem Rollout eines Updates, das insgesamt 56 Schwachstellen behebt, darunter acht als kritisch eingestufte Lücken in Google-Komponenten. Die Aktualisierung wird zuerst für die Modelle Galaxy Z Fold 8 und Flip 8 bereitgestellt. Gleichzeitig wurde für das Galaxy XCover 6 Pro eine Umstellung auf quartalsweise Updates angekündigt, da der Support für dieses Modell in etwa einem Jahr endet. Xiaomi startete ebenfalls mit der Verteilung des Android-Sicherheitspatches für Juli 2026, beginnend mit dem Redmi Pad SE 8.7 in der EWR-Region, um Schwachstellen im Linux-Kernel zu adressieren.

Experten raten bei einem Verdacht auf Malware-Befall zur Vorsicht gegenüber Pop-up-Warnungen, die oft selbst Betrugsversuche darstellen. Zur Entfernung echter Schadsoftware werden der abgesicherte Modus oder ein Scan über Play Protect empfohlen. Bei schwerwiegenden Infektionen durch Banking-Trojaner wie SharkBot bleibt ein Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen oft die einzige sichere Option.