Google und Apple statten ihre Betriebssysteme mit neuen Abwehrfunktionen aus. Der Grund: Kriminelle nutzen raffinierte Methoden wie „Shoulder Surfing“, um an die PIN ihrer Opfer zu gelangen. Mit Gerät und Code haben sie dann vollen Zugriff auf das digitale Leben.
„Shoulder Surfing“ macht die Bildschirmsperre wirkungslos
Die Taktik ist einfach und effektiv. Diebe beobachten ihre Opfer an Bahnhöfen oder in Cafés und spähen die Entsperr-PIN ab. Dann stehlen sie das Gerät. Mit dieser Kombination aus Smartphone und Code können sie innerhalb weniger Minuten Konten leeren und Passwörter ändern. Die klassische Bildschirmsperre ist dann nutzlos. Laut Polizeistatistik gab es 2024 über 107.000 Taschendiebstähle – viele davon gehen auf professionelle Banden zurück.
Googles KI erkennt den Handtaschenraub
Als Reaktion auf diese Bedrohung hat Google sein Android-Update mit intelligentem Diebstahlschutz ausgestattet. Eine KI-Funktion soll erkennen, wenn das Telefon aus der Hand gerissen wird, und sperrt den Bildschirm sofort. Zudem erschwert eine drastisch reduzierte Anzahl an Fehleingaben das Erraten der PIN. Eine verbesserte Fernsperre mit Sicherheitsfrage soll zusätzlich schützen.
Apple setzt mit „Schutz für gestohlene Geräte“ auf einen ähnlichen Ansatz. Ist die Funktion aktiv und das iPhone nicht an einem vertrauten Ort, greifen schärfere Regeln: Für den Zugriff auf Passwörter oder das Ändern des Apple-ID-Kennworts ist dann zwingend Face ID oder Touch ID nötig. Die PIN allein reicht nicht mehr aus. Bei kritischen Aktionen tritt zudem eine einstündige Sicherheitsverzögerung in Kraft.
Der beste Schutz ist immer noch das eigene Verhalten
Trotz der technischen Hilfen bleibt die Eigenverantwortung entscheidend. Sicherheitsexperten raten zu einfachen, aber wirksamen Maßnahmen. Dazu gehört die Aktivierung der neuen Schutzfunktionen und der Verzicht auf einfache vierstellige Pins. Biometrische Verfahren wie Fingerabdruck-Scanner sind sicherer.
Vor einer Reise sollte ein vollständiges Backup der Daten erstellt werden. Notieren Sie sich außerdem die 15-stellige IMEI-Nummer des Geräts – sie hilft der Polizei bei der Identifizierung. In der Öffentlichkeit gilt: Das Smartphone nie unbeaufsichtigt lassen und nicht in leicht zugänglichen Außentaschen transportieren.
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Der Kampf um die digitale Identität
Der Wert eines gestohlenen Smartphones hat sich verlagert. Es geht längst nicht mehr um den Wiederverkauf der Hardware, sondern um die digitale Identität des Besitzers. Ein entsperrtes Telefon öffnet den Zugang zu Banking-Apps, E-Mails und Cloud-Speichern.
Die neuen Funktionen von Google und Apple zielen genau darauf ab, diesen Zugang auch bei bekannter PIN zu blockieren. Durch biometrische Hürden und Zeitverzögerungen gewinnen Opfer wertvolle Minuten, um ihr Gerät fernzusperren und Konten zu sichern. Das macht gestohlene Smartphones für Diebe deutlich weniger lukrativ.





