Sicherheitsexperten des Unternehmens SOCRadar haben eine spezialisierte Betrugsplattform namens AnonyMousKIT identifiziert, die eine neue Stufe der Kriminalität im Bereich des Smartphone-Diebstahls markiert.
Die Plattform agiert nach dem Modell „Phishing-as-a-Service“ und ermöglicht es Kriminellen, mittels künstlicher Intelligenz (KI) generierte Sprachnachrichten einzusetzen. Ziel dieser Angriffe ist es, Besitzer gestohlener Mobiltelefone, insbesondere iPhones, zu täuschen und zur Preisgabe von Zugangsdaten zu bewegen, um die geräteseitigen Sicherheitssperren zu deaktivieren.
Preisstruktur und automatisierte Täuschungsmethoden
Die technische Infrastruktur von AnonyMousKIT ist darauf ausgelegt, den Prozess der Geräteentsperrung zu skalieren und zu automatisieren. Nutzer der Plattform können verschiedene Dienstleistungen erwerben, die über ein Credit-System abgerechnet werden.
Der Versand einer Phishing-E-Mail kostet demnach 1,5 Credits, während eine einfache aufgezeichnete Sprachnachricht für 1 Credit angeboten wird. Hochwertigere, KI-gestützte Anrufe, die in der Lage sind, Support-Mitarbeiter täuschend echt zu imitieren, werden mit 2 Credits berechnet.
Analysen von SOCRadar verdeutlichen die Kosteneffizienz dieser Methode: So kosteten etwa 200 automatisierte Anrufe und die dazugehörigen 55 Transkripte insgesamt 19,24 US-Dollar. Die Plattform ist laut den Sicherheitsexperten bereits seit Anfang 2024 aktiv.
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Bis August 2026 wurden über das System insgesamt 6.092 Phishing-E-Mails versendet. Von den rund 5.000 im System registrierten Geräten, die online waren, konnten etwa 1.000 erfolgreich gesperrt werden.
Fokus auf Brasilien und Reaktion der Hersteller
Ein signifikanter Teil der kriminellen Aktivitäten konzentrierte sich zuletzt auf den südamerikanischen Raum. Den Untersuchungen zufolge gingen 179 der analysierten Anrufe nach Brasilien.
In einem Zeitraum von August 2025 bis Mai 2026 erhielten dort 176 Personen entsprechende KI-gestützte Anrufe. Neben Opfern in São Paulo berichteten auch Betroffene in England von versuchten Zugriffen auf ihre Konten oder Ortungsmeldungen ihrer entwendeten Geräte aus China.
Apple erklärte im Zusammenhang mit diesen Berichten, dass die integrierte Aktivierungssperre der Geräte durch die Plattform nicht technisch umgangen worden sei. Stattdessen setzen die Betreiber von AnonyMousKIT auf Social Engineering.
Indem sie sich als Mitarbeiter des offiziellen Supports ausgeben, verleiten sie die rechtmäßigen Eigentümer dazu, ihre Anmeldedaten selbst preiszugeben, was den Tätern schließlich die vollständige Kontrolle über das Gerät ermöglicht.
Zunahme von Betrugsversuchen durch Schockanrufe
Die Entdeckung von AnonyMousKIT fällt in eine Phase, in der die Polizei auch im deutschsprachigen Raum vor einer massiven Welle von Betrugsversuchen am Telefon warnt. Während die KI-Plattform technische Geräte fokussiert, nutzen andere Tätergruppen ähnliche psychologische Druckmittel bei sogenannten Schockanrufen.
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In Dachau verlor eine 88-jährige Rentnerin kürzlich Sachwerte und Bargeld in Höhe von insgesamt 138.000 Euro, nachdem sich Betrüger als Polizisten ausgegeben hatten. Nur das Eingreifen eines aufmerksamen Bankangestellten verhinderte dort eine noch höhere Schadenssumme.
In Eichenau im Landkreis Fürstenfeldbruck übergab eine 73-jährige Frau Bargeld und Schmuck im Wert von etwa 60.000 Euro an Unbekannte. Auch hier war ein vermeintlicher Polizist der Auslöser, der telefonisch vor Einbrüchen gewarnt hatte.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat beispielsweise die Polizei Oberpfalz die Aktion „Sicherheit auf Rezept“ ins Leben gerufen. Dabei werden Broschüren im Rezept-Format in Arztpraxen verteilt und Schulungen für Taxifahrer sowie Bankpersonal durchgeführt, um für die Maschen des Enkeltricks und der Schockanrufe zu sensibilisieren.
Experten raten dazu, bei unerwarteten Anrufen von angeblichen Behörden oder Support-Abteilungen grundsätzlich misstrauisch zu sein, keine persönlichen Daten preiszugeben und im Zweifelsfall das Gespräch sofort zu beenden sowie die offizielle Notrufnummer oder bekannte Servicenummern der Hersteller zu kontaktieren.

