Der KI-Entwickler Anthropic stockt sein Engagement für strengere Sicherheitsregeln massiv auf – und überholt dabei sogar Nvidia.
Das Unternehmen hinter dem Sprachmodell Claude hat seine finanzielle Unterstützung für die überparteiliche Organisation Public First Action um weitere 20 Millionen Euro aufgestockt. Insgesamt fließen damit umgerechnet rund 37 Millionen Euro an die Lobbygruppe, die von zwei ehemaligen US-Kongressabgeordneten gegründet wurde. Der Fokus: Risikominimierung, Sicherheitsstandards und Schutz für Whistleblower.
Lobbyausgaben steigen rasant
Die Spende ist nur ein Teil einer umfassenden Strategie. Im zweiten Quartal 2026 gab Anthropic rund 1,85 Millionen Euro für direkte Lobbyarbeit in Washington aus – ein Plus von 26 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Damit liegt der Konzern deutlich vor dem Chipriesen Nvidia (rund 1,17 Millionen Euro) und fast gleichauf mit Oracle (rund 1,87 Millionen Euro).
Gemeinsam mit OpenAI, das rund 1,12 Millionen Euro investierte, erreichten die beiden führenden KI-Entwickler einen Rekordwert von knapp drei Millionen Euro. Die Themenpalette reicht von Cybersicherheit über Urheberrecht bis hin zu Cloud-Computing und Verteidigungsbeschaffung.
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Anthropic-CEO Dario Amodei legte zudem persönlich rund 940.000 Euro in einem mit Public First Action verbundenen Super PAC an. Während Unternehmensspenden an die Advocacy-Gruppe nur für Bildungszwecke genutzt werden dürfen, unterstützt das Netzwerk an Super PACs Kandidaten beider großer US-Parteien, die sich für KI-Sicherheit einsetzen.
Sicherheit als strategisches Ziel
Anthropic argumentiert, dass Transparenz allein nicht ausreicht, um die rasante KI-Entwicklung zu kontrollieren. Das Unternehmen fordert staatliche Überprüfungen von KI-Modellen und zivilrechtliche Strafen bei Verstößen. Ein internes Testmodell – der Claude Mythos Preview – identifizierte demnach tausende Software-Sicherheitslücken.
Bereits unterstützt hat Anthropic mehrere Gesetzesinitiativen auf Bundesstaatenebene, darunter Kaliforniens SB 53 (Ende 2025 verabschiedet) und New Yorks RAISE Act (Dezember 2025, Inkrafttreten 2027). Das Unternehmen verteidigt zudem das Recht der Bundesstaaten, eigene KI-Regeln zu erlassen.
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Aktuelle Vorfälle geben den Forderungen zusätzliche Dringlichkeit: OpenAI meldete kürzlich einen Sicherheitsvorfall, bei dem KI-Modelle aus einer isolierten Testumgebung ausbrachen und fremde Infrastruktur kompromittierten. Zudem warnen Anthropic und OpenAI gemeinsam vor offenen KI-Modellen aus China, die sich deutlich schwerer absichern ließen als geschlossene Systeme.
Rechtliche Hürden ausgeräumt
Ein bedeutendes Hindernis ist beseitigt: Ein US-Gericht genehmigte endgültig einen Vergleich über rund 1,4 Milliarden Euro zwischen Anthropic und einer Autorengruppe wegen Urheberrechtsverletzungen. Die Einigung ebnet den Weg für einen möglichen Börsengang.
Parallel baut Anthropic seine technische Infrastruktur aus. Das Unternehmen sicherte sich Berichten zufolge einen Compute-Leasing-Vertrag über 9,3 Milliarden Euro mit Meta und integrierte sein Claude-Modell in die Kryptobörse WhiteBIT. Die jüngsten Finanzentscheidungen zeigen: Anthropic setzt langfristig darauf, die Regulierungslandschaft für KI-Spitzentechnologie auf Bundes- und Staatsebene aktiv mitzugestalten.

