Das KI-Unternehmen Anthropic hat den Abschluss einer massiven Finanzierungsrunde bekannt gegeben. Mit einem Volumen von 65 Mrd. US-Dollar katapultiert dieses frische Kapital die Bewertung des Unternehmens auf 965 Mrd. US-Dollar. Damit zieht Anthropic an dem Wettbewerber OpenAI vorbei, dessen Bewertung zuletzt mit 852 Mrd. US-Dollar beziffert wurde.
An der sogenannten H-Finanzierungsrunde beteiligten sich namhafte Akteure der Technologiebranche. Als Lead-Investoren traten Altimeter, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia auf. Auch der US-Konzern Amazon weitete sein Engagement aus und steuerte 5 Mrd. US-Dollar bei. Bereits im Juni hatte Anthropic unter der Leitung von CEO Dario Amodei vertrauliche Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht, um den Weg für weitere Kapitalmaßnahmen zu ebnen.
Massive Investitionen in Infrastruktur und Zukäufe
Parallel zur erfolgreichen Finanzierung sichert sich Anthropic langfristigen Zugriff auf notwendige Rechenzentrumskapazitäten. Das Unternehmen schloss einen 20-Jahres-Leasingvertrag mit Riot Platforms über eine Leistung von 191 Megawatt am Standort Rockdale in Texas ab. Die Vereinbarung hat einen Basiswert von 9,1 Mrd. US-Dollar und läuft bis Juni 2048. Optionen auf eine Verlängerung bis in das Jahr 2058 könnten den Gesamtwert des Geschäfts auf bis zu 16,1 Mrd. US-Dollar steigern. Die Bekanntgabe dieser Kooperation führte dazu, dass die Aktie von Riot Platforms im nachbörslichen Handel um 25 Prozent anstieg.
Zudem verdichten sich die Hinweise auf eine Expansion durch Akquisitionen. Berichten zufolge führt Anthropic Verhandlungen über den Kauf des israelischen Startups Decart AI für eine Summe von rund 6 Mrd. US-Dollar. Decart wurde 2023 gegründet und verzeichnete zuletzt im Frühjahr eine Bewertung von fast 4 Mrd. US-Dollar nach einer Finanzierungsrunde über 300 Mio. US-Dollar. Neben Anthropic sollen zuvor auch Unternehmen wie Amazon, Nebius und Nvidia Interesse an dem Spezialisten für künstliche Intelligenz gezeigt haben.
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Ambitionierte Ziele für Umsatz und Börsengang
Die Erwartungen der Investoren an das künftige Wachstum sind hoch. Bis zum Ende des Jahres 2026 rechnen Geldgeber mit annualisierten Einnahmen zwischen 100 Mrd. und 120 Mrd. US-Dollar. Marktbeobachter gehen davon aus, dass ein Börsengang im Oktober 2026 erfolgen könnte. In diesem Szenario wird eine Bewertung von 2 Billionen US-Dollar oder mehr für möglich gehalten, was bisherige Branchenrekorde in den Schatten stellen würde. Auf Prognoseplattformen wie Polymarket wird die Wahrscheinlichkeit, dass Anthropic noch vor Ende 2026 eine Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar erreicht, aktuell auf 51 Prozent geschätzt. Am Nasdaq Private Market liegt die implizite Bewertung derzeit bei etwa 1,13 Billionen US-Dollar.
Zusätzlich zu den finanziellen Kennzahlen setzt Anthropic auf technologische Standards und Compliance. Um die Vorgaben der EU-KI-Verordnung zu erfüllen, führt das Unternehmen unsichtbare Wasserzeichen für Texte ein, die von Claude generiert wurden. Diese Maßnahme gilt weltweit für alle Modelle, die seit Anfang August entwickelt wurden. In der Forschung arbeitet Anthropic zudem an neuen Modellen, die unter anderem auf mathematischen Problemen wie der Riemannschen Vermutung trainiert werden. Dabei seien in Tests mit 60 Sub-Agenten und 31 Mio. Token bereits Fortschritte erzielt worden.
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