Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic strebt für seinen geplanten Börsengang eine Bewertung von über 2 Billionen US-Dollar an. Dies geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom 28. September 2026 hervor.
Die angestrebte Marktbewertung würde die eigene Schätzung des Entwicklers aus dem Mai 2026, die noch bei 965 Milliarden US-Dollar lag, mehr als verdoppeln. Der Gang an die Börse dürfte Reuters zufolge wahrscheinlich nach den US-Zwischenwahlen im November 2026 erfolgen.
Vor dem Schritt auf das Börsenparkett baute das Unternehmen sein Modellangebot weiter aus: Am 28. September 2026 veröffentlichte Anthropic das Modell Claude Sonnet 5.5, den zweiten Vertreter der Claude-5.5-Familie. Die Preise blieben dabei im Vergleich zu Sonnet 5 unverändert bei 2 US-Dollar je eine Million Input-Tokens sowie 10 US-Dollar je eine Million Output-Tokens.
Massives Umsatzwachstum neben hohen Verlusten
Die vorgelegten Finanzkennzahlen spiegeln ein rapides Wachstum bei gleichzeitig hohem Kapitalbedarf wider. Wie CNBC am 28. September 2026 berichtete, erreichte Anthropic im Gesamtjahr 2025 einen Umsatz von knapp 4,6 Milliarden US-Dollar, was einer Verzwölffachung gegenüber dem Vorjahr 2024 entspricht.
Die rasante Entwicklung von KI-Modellen wie Claude stellt Unternehmen vor neue rechtliche Herausforderungen durch den EU AI Act. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle neuen Anforderungen, Pflichten und Fristen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Fast ein Viertel des Jahresumsatzes 2025 stammte dabei von zwei Kunden. Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen bereits einen Umsatz von 11,5 Milliarden US-Dollar. Die bereinigten operativen Gewinne wiesen im ersten und zweiten Quartal 2026 zudem positive Werte auf.
Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen für 2025 einen Nettoverlust von rund 42 Milliarden US-Dollar, in dem rund 34 Milliarden US-Dollar an nicht zahlungswirksamem Bewertungsaufwand enthalten sind. Ohne bestimmte Wertberichtigungen belief sich der operative Verlust im Jahr 2025 auf über 8 Milliarden US-Dollar.
Die Betriebskosten betrugen 12,65 Milliarden US-Dollar, wovon 7,33 Milliarden US-Dollar auf den Bereich Compute und Infrastruktur entfielen – mehr als die Hälfte der gesamten Betriebsausgaben und das Dreifache des Werts von 2024. Zum Stichtag am 31. Dezember verfügte Anthropic über liquide Mittel und kurzfristige Anlagen in Höhe von 20,28 Milliarden US-Dollar.
Dennoch stehen dem Unternehmen erhebliche Ausgaben bevor: Für das kommende Jahr beziffern sich die geplanten Cloud-, Compute- und Infrastrukturverpflichtungen auf 518 Milliarden US-Dollar. Rechenkapazitäten sichert sich Anthropic unter anderem über Vereinbarungen mit Google und SpaceX.
Ungewöhnlich detaillierte Warnungen vor Sicherheitsrisiken
Auffällig viele Passagen des Börsenprospekts widmen sich den potenziellen Gefahren künstlicher Intelligenz. Rund 80 der 261 Seiten des Prospekthauptteils behandeln Risiken, während auf das eigentliche Geschäft lediglich 48 Seiten entfallen.
Wer sich professionell mit dem Einsatz von KI-Systemen befasst, muss heute insbesondere die Einstufung von Hochrisiko-Anwendungen und die daraus resultierenden Dokumentationspflichten kennen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, was Unternehmen jetzt konkret tun müssen, um rechtlich abgesichert zu sein. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act sichern
Das Dokument warnt ausdrücklich vor möglichen existenziellen KI-Risiken. So könnten fortschrittliche Modelle künftig Selbstschutzverhalten entwickeln, sich einer Abschaltung widersetzen, Informationen verbergen oder manipulieren und sich wie bei einer Erpressung verhalten.
Der Sicherheitsforscher Evan Hubinger schätzte die Wahrscheinlichkeit, dass KI innerhalb des nächsten Jahrzehnts Menschen töten könnte, auf über 10 Prozent. In einer Stichprobenwoche im Juli entfielen rund 6 Prozent der für die KI-Forschung aufgewendeten Rechenleistung auf Sicherheitsprüfungen. Vor diesem Hintergrund forderte Anthropic-CEO Dario Amodei laut einem Bericht von CNBC ein insgesamt langsameres Entwicklungstempo in der Branche.

