Anthropic-CPO verlässt Figma-Board vor KI-Konkurrenz

Der Rücktritt des Instagram-Mitgründers vom Figma-Aufsichtsrat signalisiert einen strategischen Bruch, da Anthropics kommendes KI-Modell direkt mit der Design-Software konkurrieren soll.

Die Grenzen zwischen KI-Entwicklern und Software-Plattformen verschwimmen: Mike Krieger, Chief Product Officer von Anthropic und Instagram-Mitgründer, hat sein Mandat im Aufsichtsrat von Figma niedergelegt. Der Schritt, der heute durch regulatorische Meldungen bekannt wurde, markiert eine strategische Wende in der Beziehung zwischen einer führenden KI-Schmiede und der Design-Software.

Abgang mit Konfliktpotenzial

Krieger trat offiziell am 14. April zurück. Figma betonte, der Schritt beruhe nicht auf Unstimmigkeiten. Doch Branchenkenner sehen einen klaren Interessenkonflikt. Hintergrund: Anthropics kommendes KI-Modell Opus 4.7 soll eigene, hochwertige Design-Funktionen enthalten. Damit würde das Unternehmen direkt mit Figmas Kernprodukt konkurrieren.

Die Entwicklung ist brisant. Erst im Februar 2026 hatten beide Firmen eine vielbeachtete Partnerschaft geschlossen. Anthropics KI „Claude“ sollte als Design-Assistent in Figma arbeiten. Doch die Strategie änderte sich. Krieger übernahm im Januar die Leitung von „Anthropic Labs“. Diese Abteilung forscht an „Vibe Coding“ – der Erstellung digitaler Assets per Sprachbefehl, ohne manuelle Designarbeit.

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Figma unter Druck an der Börse

Für Figma kommt der Abgang eines so prominenten Board-Mitglieds zur Unzeit. Das Unternehmen notiert seit seinem Börsengang unter Druck. Der Aktienkurs liegt bei rund 20,34 US-Dollar – fast 50 Prozent unter den Erwartungen vieler Analysten. Die Bewertung von etwa zehn Milliarden Dollar spiegelt die Sorgen der Anleger wider.

Können traditionelle Software-as-a-Service-Plattformen in einer KI-dominierten Welt bestehen? Die letzten 30 Tage brachten einen Kursrutsch von 25,1 Prozent. Der Verlust Kriegers, der Instagram zu über einer Milliarde Nutzern führte, trifft Figma strategisch. Das Unternehmen muss nun beweisen, dass seine eigene KI-Roadmap genug Mehrwert bietet.

Governance-Experten halten den Rücktritt für notwendig. „Bei sich entwickelnden Interessenkonflikten ist das der einzig saubere Weg“, so eine Analystin. Der Schritt signalisiert: KI-Labore wollen nicht länger nur Zulieferer sein. Sie streben nach der kompletten Nutzer-Arbeitsablaufkette.

Vom Instagram-Gründer zum KI-Produktvisionär

Kriegers Werdegang ist von Pioniergeist geprägt. Nach dem Verkauf von Instagram entwickelte er die KI-gesteuerte News-App Artifact, die später von Yahoo übernommen wurde. Im Mai 2024 wechselte er zu Anthropic. Als erster Chief Product Officer trieb er den Wandel vom Forschungs- zum Produktunternehmen voran.

Unter seiner Ägide schreibt KI bei Anthropic inzwischen bis zu 90 Prozent des Codes für neue Features. „Das verändert grundlegend, wie Software gebaut wird“, erklärte Krieger kürzlich. Seine jetzige Mission: Die „intuitive Benutzeroberfläche“, die er mit Instagram perfektionierte, überflüssig zu machen. Stattdessen soll natürliche Sprache zum Werkzeug werden.

Der große Clash: KI gegen etablierte Software

Der Konflikt ist symptomatisch für die gesamte Tech-Branche. Etablierte Softwarefirmen wie Figma, Salesforce oder Adobe fürchten, zu austauschbaren Dienstleistern zu werden. Die eigentliche Wertschöpfung verlagert sich in die KI-Oberfläche.

Ein Treiber ist Anthropics Model Context Protocol (MCP). Dieser offene Standard erlaubt es KI-Modellen wie Claude, direkt auf externe Tools zuzugreifen. Die KI kann Software-Funktionen „on the fly“ bereitstellen. Für eigenständige Plattformen wie Figma wird die eigene Daseinsberechtigung zur Gretchenfrage.

Figma versucht, gegenzusteuern. Neben Claude wurden auch andere KI-Modelle wie Googles Gemini integriert. Doch diese assistieren nur bei Teilaufgaben. „Claude Design“ und Opus 4.7 zielen auf mehr ab: einen kompletten, KI-getriebenen Workflow für kreative Arbeit – ohne Zwischensoftware.

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Was bedeutet die Zukunft für Design-Software?

Die Branche stellt sich eine fundamentale Frage: Wo liegen in Zeiten generativer KI noch Wettbewerbsvorteile? Jahrzehntelang sicherten sich Unternehmen riesige Bewertungen, indem sie die Arbeitsumgebung von Profis kontrollierten. Die „Anthropic-Figma-Trennung“ deutet an: Diese Oberfläche selbst könnte zur austauschbaren Ware werden.

„Wenn eine KI Design-Prinzipien so gut versteht wie Programmier-Syntax, wird die Übergabe vom Designer zum Entwickler obsolet“, analysiert ein Tech-Experte. Die Entscheidung, ausgerechnet Krieger – den Meister der intuitiven Benutzerführung – den „Post-Interface“-Bereich leiten zu lassen, ist ein deutliches Signal.

Die nächsten Monate werden entscheidend sein. Figma muss die Lücke im Aufsichtsrat mit KI- und Enterprise-Expertise füllen. Und Anthropic muss mit Opus 4.7 liefern. Kann das Modell den „ersten Entwurf“ komplexer Designs übernehmen – eine heute manuelle Figma-Aufgabe? Gelingt das, hat sich das KI-Lab zum direkten Konkurrenten der wertvollsten Software-Workflows der Welt entwickelt.