Das Unternehmen musste daraufhin seine fortschrittlichsten Modelle weltweit abschalten.
Der Befehl, der am Freitag, dem 12. Juni 2026, um 23:21 Uhr MEZ zugestellt wurde, verlangt von dem in San Francisco ansässigen Unternehmen, allen ausländischen Staatsbürgern den Zugriff auf die neu veröffentlichten Modelle Fable 5 und Mythos 5 zu verweigern. Grund sind Bedenken der nationalen Sicherheit.
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Anthropic reagierte umgehend und deaktivierte die Modelle für sämtliche Kunden weltweit. Es ist das erste Mal, dass US-Behörden den Export eines spezifischen KI-Modells blockieren – und nicht nur die Hardware oder Halbleiter, die zu dessen Training verwendet wurden.
Sicherheitslücke als Auslöser
Der Regierungseingriff folgte auf die Entdeckung einer sogenannten Jailbreak-Sicherheitslücke im Fable-5-Modell. Forscher von Amazon hatten die Schwachstelle identifiziert, die es Nutzern ermöglichen könnte, die Sicherheitsprotokolle des Systems zu umgehen. Amazon-CEO Andy Jassy informierte daraufhin die Bundesbehörden über die potenziellen Risiken.
Anthropic räumte die Erkenntnisse der Forscher zwar ein, argumentierte jedoch, dass die Sicherheitslücke nicht universell sei. Das Unternehmen bezeichnete die vollständige Zugangssperre der Regierung als überzogene Reaktion. Kirsten Davies, Chief Information Officer des US-Verteidigungsministeriums, unterstützte die Entscheidung dagegen ausdrücklich. Sie verwies auf die Notwendigkeit, die nationale Sicherheit vor möglichen Exploits hochentwickelter KI-Systeme zu schützen.
Folgen für Markteinführung und Geschäftsbetrieb
Die Exportbeschränkungen traten nur drei Tage nach der offiziellen Markteinführung von Fable 5 und Mythos 5 am 9. Juni 2026 in Kraft. Mythos 5 war zwar bereits im April vorgestellt und an rund 50 Institutionen zur frühzeitigen Testlizenz vergeben worden, der breite Rollout wurde jedoch fast sofort gestoppt.
Die Beschränkungen sind in ihrem Umfang bemerkenswert: Sie gelten auch für ausländische Staatsbürger, die für Anthropic innerhalb der USA arbeiten. Zwar hat die Regierung signalisiert, dass sie derzeit keine ähnlichen Kontrollen auf Modelle von OpenAI ausweiten will, doch die Branche reagiert alarmiert. Aidan Gomez, CEO von Cohere, bezeichnete den Vorgang als „Weckruf für die gesamte Branche“. Auch die Europäische Kommission hat begonnen, die Situation zu prüfen, um die möglichen Auswirkungen auf Europa zu bewerten.
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Schwebender Rechtsstreit belastet Verhältnis
Der jüngste Befehl verschärft einen bereits bestehenden Konflikt zwischen Anthropic und der US-Regierung. Erst Ende März hatte ein Bundesrichter eine einstweilige Verfügung gegen das Pentagon erlassen, das Anthropic als Lieferkettenrisiko einstufen wollte.
Das Unternehmen versucht derzeit, mit der Regierung engere Kontrollen auszuhandeln, um eine teilweise Wiederherstellung des Dienstes zu ermöglichen. Der Zeitpunkt der Sperre ist für Anthropic besonders heikel: Das Startup bereitet sich auf einen möglichen Börsengang im Herbst 2026 vor. Marktbeobachter vermuten, dass der plötzliche Regierungseingriff und die daraus resultierende Sperrung der Flaggschiff-Produkte diese Pläne erheblich erschweren könnten.

