Anthropic greift mit Claude die Unternehmenssoftware an

Der KI-Sicherheitsspezialist Anthropic greift mit neuen Partnern und branchenspezifischen Agenten den europäischen Unternehmenssoftware-Markt an und setzt etablierte Anbieter unter Druck.

KI-Sicherheitsspezialist Anthropic startet eine Großoffensive auf den europäischen und deutschen Markt für Unternehmenssoftware. Mit neuen Partnern wie PwC und maßgeschneiderten KI-Agenten für Finanzen und Recht will das Unternehmen SAP, Microsoft und Co. herausfordern.

In einer Serie von Ankündigungen stellte das Unternehmen diese Woche eine strategische Partnerschaft mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC sowie mit dem Finanzsoftware-Anbieter Intuit vor. Parallel lancierte Anthropic etwa zehn neue, branchenspezifische KI-Werkzeuge und vertiefte die Integration seiner KI Claude in alltägliche Arbeitsplattformen wie Google Workspace. Das Ziel ist klar: Claude soll nicht nur assistieren, sondern als spezialisierter Agent komplexe Aufgaben in den etablierten Systemen großer Konzerne übernehmen.

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Spezial-Agenten für Finanzen, Personal und Recht

Der Kern der Offensive sind rund zehn neue Unternehmens-Plug-ins. Diese zielen gezielt auf hochspezialisierte Abteilungen ab, die bislang von KI kaum automatisiert wurden. Ein Tool analysiert für Investmentbanker Vertragsentwürfe, ein anderes hilft Personalern, markengerechte Stellenausschreibungen zu verfassen. Weitere Anwendungen richten sich an Vermögensverwalter, Private-Equity-Firmen sowie Ingenieurs- und Designteams.

Diese Fähigkeiten wurden in Zusammenarbeit mit Partnern wie der London Stock Exchange Group (LSEG), FactSet und Salesforce entwickelt. Erste Nutzer sind bereits namhafte Unternehmen wie Thomson Reuters und RBC Wealth Management. Die Strategie: Claude soll die aufwändige Detailarbeit von Junior-Analysten übernehmen und so in den Kern professioneller Tätigkeiten eingewebt werden.

Flaggschiff-Partnerschaften mit PwC und Intuit

Die beiden strategischen Allianzen unterstreichen Anthropics Ambitionen. Die Partnerschaft mit Intuit, dem Hersteller von QuickBooks, soll ab Frühjahr 2026 maßgeschneiderte KI-Agenten für den Mittelstand liefern. Kleine und mittlere Unternehmen könnten dann sichere, individuelle KI-Helfer für ihre Buchhaltung und Finanzplanung direkt in der Intuit-Plattform einsetzen.

Wichtiger noch für den europäischen Markt ist die Kooperation mit PwC. Gemeinsam will man KI-Lösungen für hochregulierte Branchen wie das Finanzwesen und das Gesundheitswesen entwickeln. PwC bringt dabei seine Branchenexpertise und Compliance-Kenntnisse ein, um die Claude-Modelle in komplexe Unternehmensumgebungen zu integrieren. Der Fokus liegt auf verantwortungsvoller KI, die in bestehende Systeme eingebettet wird und nachvollziehbar arbeitet.

Claude wird zur unsichtbaren Produktivitätsschicht

Ein Schlüssel zum Erfolg ist die nahtlose Integration. Anthropic koppelt seine „Claude Cowork“-Plattform nun nativ mit Google Drive, Gmail, Kalender, DocuSign und LegalZoom. Claude soll so zur intelligenten Schicht werden, die im Hintergrund über alle genutzten Programme hinweg arbeitet.

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Unternehmen erhalten zudem die Möglichkeit, eigene, interne Plugin-Marktplätze zu erstellen. Administratoren können so hausinterne „Mini-Apps“ und KI-Tools entwickeln und im gesamten Konzern verteilen. Der Schritt weg vom generischen Chatbot hin zu einer anpassbaren Plattform spezialisierter Agenten ist zentral für Anthropics Vision.

Schockwellen für den Software-Markt

Die Expansion sendet erneut Schockwellen durch den Markt für Unternehmenssoftware. Bereits Ende Januar hatte ein KI-Update, das ein juristisches Plug-in enthielt, zu einem massiven Börsenrutsch bei Software-Aktien geführt. Anleger fürchteten die disruptive Kraft der KI-Automatisierung.

Die jetzige Betonung von Partnerschaften scheint diese Ängste etwas zu dämpfen. Nach den Ankündigungen stiegen die Aktienkurse von Partnerunternehmen wie Salesforce und DocuSign leicht. Analysten deuten dies als Zeichen, dass der Markt die Bedrohung durch KI nun differenzierter sieht: Nicht der komplette Ersatz bestehender Systeme, sondern deren intelligente Erweiterung steht im Vordergrund. Der Druck auf etablierte Anbieter wie SAP oder Salesforce, eigene überzeugende KI-Strategien vorzulegen, steigt damit jedoch weiter.