Anthropic in Nova Scotia: 10 Milliarden Dollar für Rechenzentrumskapazität

Der 20-jährige Vertrag umfasst zunächst 95 Megawatt; eine Erweiterung auf bis zu 420 Megawatt bleibt an Bedingungen geknüpft.

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Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic hat seinen ersten Mietvertrag für Rechenzentrumskapazitäten in Kanada abgeschlossen. Wie aus Medienberichten hervorgeht, sicherte sich der Entwickler des KI-Modells Claude Kapazitäten im Projekt Point Tupper in der Provinz Nova Scotia.

Das Vertragsvolumen beläuft sich auf über zehn Milliarden kanadische Dollar, was umgerechnet rund 7,1 Milliarden US-Dollar entspricht. Partner des Projekts ist das in Halifax ansässige Unternehmen EverWind Fuels.

Langfristiger Ausbau und regionale Strominfrastruktur

Die Vereinbarung zwischen Anthropic und EverWind ist auf eine Laufzeit von 20 Jahren ausgelegt. Die erste Phase des Projekts umfasst eine Kapazität von 95 Megawatt, deren Inbetriebnahme für Ende 2027 geplant ist.

Eine zweite Phase sieht eine optionale Erweiterung um 325 Megawatt vor, womit die Gesamtkapazität im Jahr 2028 auf bis zu 420 Megawatt steigen könnte. Dieser Schritt steht unter dem Vorbehalt kommerzieller, technischer und regulatorischer Bedingungen.

EverWind beziffert die Gesamtkosten des Vorhabens auf acht Milliarden kanadische Dollar für den Campus sowie weitere zwei Milliarden kanadische Dollar für ein Windenergie-Portfolio. Laut dem Entwickler handelt es sich um die größte privat finanzierte Investition in der Geschichte Nova Scotias. Die Bauphase soll voraussichtlich 2.000 Arbeitsplätze schaffen, während für den laufenden Betrieb 215 dauerhafte Stellen vorgesehen sind.

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Da die geplanten Windparks bei der Eröffnung des Rechenzentrums noch nicht fertiggestellt sein werden, soll der Betrieb zunächst über die bestehende Infrastruktur laufen. Die Anlage umfasst zudem Batteriespeicher sowie ein geschlossenes Wasserkühlsystem. Anthropic sagte zu, die Kosten für den Netzausbau sowie alle Anschluss- und Upgrade-Aufwendungen vollständig zu übernehmen.

Zudem versprach das Unternehmen den Schutz lokaler Stromkunden und Wasserressourcen sowie Beiträge in zweistelliger Millionenhöhe für die umliegenden Gemeinden. Jacob Glick, Politikchef von Anthropic in Kanada, verwies darauf, dass Kanadier das System Claude weltweit mit am häufigsten nutzten, und bekräftigte das Engagement für die Region.

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Reaktionen und wirtschaftliches Umfeld

Vor Ort stößt das Vorhaben auch auf politische Diskussionen. Claudia Chender, Parteichefin der NDP in der Provinz, kritisierte das Fehlen einer öffentlichen Konsultation zu dem Großprojekt. Unterdessen verhandelt ein Konsortium der indigenen Gemeinschaft Membertou über eine Beteiligung an dem Projekt.

Der massive Ausbau der Infrastruktur spiegelt den rasant steigenden Rechenbedarf des Unternehmens wider. Im vergangenen Jahr gab Anthropic 7,33 Milliarden US-Dollar für Computing und Infrastruktur aus, was etwa dem Dreifachen des Niveaus von 2024 entspricht.

Gleichzeitig bereitet das Unternehmen Berichten zufolge einen Börsengang in den USA vor, bei dem eine Bewertung von potenziell über zwei Billionen US-Dollar im Raum steht. Gegen diesen Schritt formierte sich jedoch Widerstand: Der New Yorker Comptroller Mark Levine forderte zuletzt eine Verschiebung des Börsengangs aufgrund von Sicherheits- und Governance-Bedenken.