Der KI-Spezialist Anthropic bereitet eine massive Ausweitung seiner Rechenkapazitäten vor. Berichten zufolge beabsichtigt das Unternehmen, insgesamt 45 Milliarden US-Dollar für die Anmietung von Cloud-KI-Rechenleistung in Rechenzentren des Anbieters Nscale auszugeben. Kernstück der Vereinbarung ist ein Sechs-Jahres-Vertrag über die Nutzung des Monarch-Campus von Nscale im US-Bundesstaat West Virginia.
Der Monarch-Campus soll Anthropic eine Leistung von rund 460 Megawatt zur Verfügung stellen. Nscale plant, an diesem Standort Nvidia-Chips der Vera-Rubin-Generation einzusetzen. Der Betrieb der Anlage soll Ende 2026 aufgenommen werden. Microsoft, das ursprünglich an dem Projekt beteiligt war, hat das Vorhaben im Sommer verlassen.
Dimensionen des Monarch-Campus und Börsenpläne von Nscale
Die Entwicklung des Monarch-Campus stellt ein finanzielles Großprojekt dar. Die Gesamtkapazität des Standorts ist auf 1,35 Gigawatt ausgelegt, wobei die Entwicklungskosten mit 71 Milliarden US-Dollar beziffert werden.
Davon entfallen allein 47 Milliarden US-Dollar auf die Beschaffung von Chips. Nscale verfügt über vertraglich gebundene Einnahmen in Höhe von 51 Milliarden US-Dollar und bereitet derzeit einen Börsengang in den USA vor, der bereits im nächsten Monat erfolgen könnte.
Zusätzlich zu den Aktivitäten in den USA treibt Nscale seine internationale Expansion voran. In Narvik, Norwegen, realisiert das Unternehmen ein KI-Rechenzentrum mit einer Kapazität von 108 Megawatt. Für dieses Projekt wurde eine Finanzierung in Höhe von 790 Millionen US-Dollar gesichert, die unter der Führung von Goldman Sachs strukturiert wurde. Es handelt sich dabei um die bislang größte Investition in KI-Infrastruktur in Norwegen.
Anthropics weitreichende Infrastrukturstrategie
Anthropic, das im Mai mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet wurde, verfolgt eine breit gefächerte Strategie zur Sicherung von Rechenleistung. Neben der Kooperation mit Nscale ist das Unternehmen eine Partnerschaft mit Macquarie und GIC eingegangen, um die Plattform Theseus Infrastructure zu gründen. Diese entwickelt zweckgebundene KI-Rechenzentren für das Sprachmodell Claude, wobei Macquarie und GIC als Eigentümer fungieren und Anthropic als Ankermieter auftritt.
Weitere langfristige Abkommen unterstreichen den hohen Bedarf an Kapazitäten:
– Ein Vertrag mit Riot Platforms über 20 Jahre im Volumen von 9,1 Milliarden US-Dollar.
– Ein Sechs-Jahres-Vertrag mit Volta im Wert von 10 Milliarden US-Dollar.
– Ein 16-jähriges Abkommen mit Bitdeer.
– Eine Partnerschaft mit AMD zur Nutzung von 2 Gigawatt MI450-Grafikprozessoren.
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International signalisierte das Unternehmen zudem Interesse an bis zu 5 Gigawatt Kapazität für KI-Trainings-Rechenzentren im australischen New South Wales. In diesem Zusammenhang unterzeichnete CEO Dario Amodei bei einem Besuch in Sydney im März eine Absichtserklärung mit der australischen Regierung. Aktuell verfügt Australien über eine Gesamtkapazität von 1,6 Gigawatt, die bis 2030 auf 3,9 Gigawatt steigen soll.
Regionale Auswirkungen und Markteinschätzung
Der Aufbau des Monarch-Campus in West Virginia wird erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Einer Studie von EY zufolge wird das Projekt über einen Zeitraum von zwei Jahren etwa 6.000 Arbeitsplätze schaffen, darunter 700 Dauerarbeitsplätze in der ersten Phase.
Die prognostizierten Steuereinnahmen liegen bei 105 Millionen US-Dollar, wovon 87 Millionen US-Dollar direkt dem Schulsystem zugutekommen sollen. Nscale selbst engagiert sich zudem mit einer Spende von 500.000 US-Dollar für lokale Ausbildungsprogramme im Bereich der Facharbeiter- und STEM-Förderung.
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Hinsichtlich der globalen Marktchancen zeigt sich Anthropic äußerst optimistisch. Das Unternehmen geht davon aus, dass der gesamte adressierbare Markt ein Volumen von über 30 Billionen US-Dollar umfasst. Damit liegt die interne Einschätzung über den Prognosen anderer Branchengrößen für vergleichbare Zukunftsmärkte.

