Anthropic-IPO: KI-Konzern reicht Börsenantrag vor OpenAI ein

KI-Unternehmen Anthropic reicht Börsenantrag ein und plant IPO vor Konkurrent OpenAI. Bewertung liegt bei fast einer Billion Euro.

Juni vertraulich einen Börsenantrag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Damit könnte das Unternehmen noch vor seinem Erzrivalen OpenAI an die Börse gehen – ein strategischer Schachzug im milliardenschweren Wettlauf um Rechenkapazitäten und Marktführerschaft.

Rekordbewertung von fast einer Billion Euro

Der Schritt folgt auf eine Serie-H-Finanzierungsrunde Ende Mai, die 65 Milliarden Euro einbrachte und Anthropic mit 965 Milliarden Euro bewertet. Damit liegt die Firma vor OpenAI, das nach einer 122-Milliarden-Finanzierung im März auf 852 Milliarden bis eine Billion Euro taxiert wurde.

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Die Finanzzahlen sprechen eine klare Sprache: Anthropics annualisierte Umsatzrate erreichte im Mai 2026 47 Milliarden Euro – ein sprunghafter Anstieg von rund vier Milliarden im Sommer 2025. Für das zweite Quartal erwartet das Unternehmen 10,9 Milliarden Euro Umsatz und erstmals einen operativen Gewinn von rund 559 Millionen Euro.

Analysten führen das Wachstum vor allem auf den Erfolg von Claude Code zurück, dem KI-Assistenten für Programmierer, sowie auf die Konzentration auf Unternehmenssoftware für Text- und Code-Anwendungen.

Doch die Kosten sind gewaltig: Anthropic hat einen Rechenleistungs-Vertrag mit SpaceX abgeschlossen und zahlt monatlich rund 1,25 Milliarden Euro für Prozessorleistung – bis Mai 2029.

Strategischer Zeitplan für den Börsengang

Morgan Stanley und Goldman Sachs führen das Underwriting an, die JPMorgan ist ebenfalls beteiligt. Der Börsengang ist für den 23. Oktober 2026 anvisiert – abhängig von den Marktbedingungen. Erwartet wird ein Kapitalzufluss von über 60 Milliarden Euro.

Prognosemärkte sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die offizielle IPO-Ankündigung vor dem 1. November erfolgt. Der Zeitplan gilt als Versuch, institutionelles Kapital zu sichern, bevor andere Tech-Giganten auf den Markt drängen. OpenAI erwägt zwar ebenfalls einen Börsengang im vierten Quartal, doch CEO Sam Altman betont, das Unternehmen stehe nicht unter Zeitdruck.

Marktsorgen: Werden die Investoren überfordert?

Der Run auf die Börse kommt zu einer Zeit, in der private Finanzierungsquellen für das kapitalintensive KI-Geschäft zunehmend erschöpft sind. Databricks-CEO Ali Ghodsi bezeichnete 2026 als herausforderndes Jahr für neue Listings – zu viel Kapital werde von wenigen Mega-Playern absorbiert.

Der bevorstehende Börsengang von SpaceX am 12. Juni mit einer Bewertung von rund 1,75 Billionen Euro und einem erwarteten Erlös von 75 Milliarden Euro verschärft die Lage. Zusammen mit den geplanten IPOs von Anthropic und OpenAI könnten die drei Unternehmen innerhalb eines Jahres über 200 Milliarden Euro an Börsenkapital binden.

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Ethik und Kosten: Der schmale Grat zur Profitabilität

Anthropic-Mitgründerin Daniela Amodei betonte auf einem Tech-Gipfel in San Francisco am 4. Juni, dass die hohen Kosten für verantwortungsvolle KI-Entwicklung ein Hauptgrund für den Börsengang seien. Die geplanten Rechenausgaben bis 2030 lägen bei etwa einem Drittel der für OpenAI geschätzten 600 Milliarden Euro – ein Zeichen für den fokussierten Ansatz auf Unternehmens- und Cybersicherheitsanwendungen.

Doch es gibt Risiken: Anthropic kämpft mit Urheberrechtsklagen und einem Streit mit dem US-Verteidigungsministerium über Lieferkettenrisiken. Beides könnte die Investorenstimmung während der Roadshow belasten. Zudem warnen Analysten: Trotz des kurzen Profitabilitätsfensters im zweiten Quartal könnten die massiven Investitionen in Rechenzentren in den kommenden Perioden wieder zu operativen Verlusten führen.